Item List

Frage Thema Item Text Antwort Format Konstrukt Eingesetzte Kogn Techniken Ergebnis
Schutz von Minderheiten, die aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung benachteiligt oder verfolgt werden Nein
Im Rahmen der Nothilfe oder humanitären Hilfe sollte die Bundesregierung kurzfristig bei Notlagen (wie z. B. Naturkatastrophen oder Hungersnöten) in Entwicklungsländern Hilfe leisten. Nein

Informationen zur Frage und Ziel der Testung:

Frage 4 soll erfassen, inwiefern die Befragten zwei Arten der Unterstützung für Entwicklungsländer befürworten. Das erste Item bezieht sich auf kurzfristige Hilfe in Notsituationen, das zweite auf mittel- bis langfristig angelegte Entwicklungszusammenarbeit. Mit Hilfe zweier kognitiver Nachfragen wurde untersucht, wie die Testpersonen ihre Antworten begründeten und ob sich diese Begründungen zwischen den beiden Items unterschieden.

Befund:

Beide Unterstützungsarten wurden von der Mehrheit der Testpersonen befürwortet (Item A: 85,1 %, Item B: 74,1 %). Ein t-Test für abhängige Stichproben zeigte, dass die Befragten Item A („kurzfristige Nothilfe“, M = 5.68, SD = 1.28) signifikant stärker befürworteten als Item B („mittel- bis langfristige Zusammenarbeit“, M = 5.31, SD = 1.47, t = 4.918, p < .001, n = 235). Die Befragten differenzierten folglich zwischen kurzfristiger Nothilfe und mittel- bis langfristiger Entwicklungszusammenarbeit.

Item A: Kurzfristige Nothilfe

Die kognitive Nachfrage zu Item A („kurzfristige Nothilfe“) wurde den 124 Testpersonen gestellt, die (zufällig) Gruppe 1 zugewiesen wurden. Die Begründungen der Testpersonen stimmten grundsätzlich mit den von ihnen ausgewählten Skalenwerten überein. Befragte, die Item A zustimmten (Skalenpunkte 5-7), begründeten dies hauptsächlich auf zwei Arten: Die erste Gruppe (30,6 %) fokussierte auf den in der Aussage genannten Katastrophenfall, in dem in jedem Fall Hilfe geleistet werden solle. Die zweite Gruppe (16,9 %) argumentierte, dass Solidarität und Hilfe grundsätzlich angebracht seien, unabhängig von konkreten Notlagen:

  • „Da es sich um lebensbedrohliche Krisen handelt, muss schnell geholfen werden.“ (TP117, „Stimme voll und ganz zu“)
  • „Ich stimme zu, weil ich es wichtig finde, dass die Bundesregierung in Notlagen kurzfristig Hilfe leistet. Jeder sollte etwas zu beitragen, soweit es möglich ist.“ (TP173, „Stimme zu“)
  • „Ich denke, sie sollten Menschen helfen, die weniger haben als wir.“ (TP128, „Stimme eher zu“)
  • „Weil wir eine solidarische Weltgemeinschaft sind und zusammenhalten und uns unterstützen sollten.“ (TP201, „Stimme voll und ganz zu“)

Gelegentlich (5,6 %) wurde eine Zustimmung zur Aussage auch damit begründet, dass Deutschland als wohlhabendes Land die Pflicht habe, ärmeren Ländern zu helfen:

  • „Als reiches Land sind wir verpflichtet zu helfen, aus reiner Menschlichkeit.“ (TP127, „Stimme zu“)
  • „Deutschland ist ein recht wohlhabendes Land und es sollte in Notlagen anderen Menschen helfen.“ (TP140, „Stimme zu“)

Eine vierte Gruppe (7,1 %) stimmte der Aussage zwar (eher) zu (Skalenpunkte 5 und 6), relativierte ihre Zustimmung jedoch mit Blick auf inländische Probleme, die prioritär behoben werden sollten:

  • „Die Bundesregierung sollte helfen, aber nicht mit so viel Geld. Wir müssen zuerst einmal viele andere Dinge in unserem Land angehen.“ (TP344, „Stimme zu“)
  • „Weil wir hier genug Sorgen haben, um die sich die Regierung (finanziell) kümmern sollte. Einen gewissen Umfang an Hilfe befürworte ich, aber unsere Bevölkerung sollte für Deutschlands Politiker an erster Stelle stehen.“ (TP429, „Stimme eher zu“)

Diese Argumentationslinie fand sich auch bei der Mehrheit derjenigen Testpersonen, welche der Aussage (eher) nicht zustimmten oder mit „Weder noch“ antworteten:

  • „Weil sich die Bundesregierung auf die Belange der eigenen Bürger konzentrieren sollte und nicht immer um alles um uns herum. Wir haben genug eigene Probleme, die angegangen werden sollten.“ (TP133, „Stimme überhaupt nicht zu“)
  • „Man sollte natürlich helfen, aber man sollte auch im eigenen Land nach seinen Mitmenschen schauen.“ (TP229, „Weder noch“)
Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit sollte die Bundesregierung mit Entwicklungsländern zusammenarbeiten, um mittel- bis langfristig Armut und Hunger zu reduzieren und leistungsfähige Gesundheits-, Bildungs- und Wirtschaftssysteme in diesen Ländern zu schaffen. Nein

Informationen zur Frage und Ziel der Testung:

Frage 4 soll erfassen, inwiefern die Befragten zwei Arten der Unterstützung für Entwicklungsländer befürworten. Das erste Item bezieht sich auf kurzfristige Hilfe in Notsituationen, das zweite auf mittel- bis langfristig angelegte Entwicklungszusammenarbeit. Mit Hilfe zweier kognitiver Nachfragen wurde untersucht, wie die Testpersonen ihre Antworten begründeten und ob sich diese Begründungen zwischen den beiden Items unterschieden.

Befund:

Beide Unterstützungsarten wurden von der Mehrheit der Testpersonen befürwortet (Item A: 85,1 %, Item B: 74,1 %). Ein t-Test für abhängige Stichproben zeigte, dass die Befragten Item A („kurzfristige Nothilfe“, M = 5.68, SD = 1.28) signifikant stärker befürworteten als Item B („mittel- bis langfristige Zusammenarbeit“, M = 5.31, SD = 1.47, t = 4.918, p < .001, n = 235). Die Befragten differenzierten folglich zwischen kurzfristiger Nothilfe und mittel- bis langfristiger Entwicklungszusammenarbeit.

Item B: Mittel- bis langfristige Entwicklungszusammenarbeit

Die kognitive Nachfrage zu Item B („mittel- bis langfristige Zusammenarbeit“) wurde den 116 Testpersonen gestellt, die (zufällig) Gruppe 2 zugewiesen wurden. Auch hier stimmten die Begründungen der Testpersonen mit den von ihnen ausgewählten Skalenwerten überein. Befragte, die dem Item zustimmten (Skalenpunkte 5-7), begründeten dies meist entweder mit einer generellen moralischen Verpflichtung zur Unterstützung Hilfsbedürftiger (25,0 %) oder argumentierten, dass die Zusammenarbeit als „Hilfe zur Selbsthilfe“ entscheidend sei, um langfristige Veränderungen zu erreichen (19,8 %): 

  • „Es ist wichtig, dass Menschen geholfen wird, die Hilfe brauchen.“ (TP273, „Stimme zu“)
  • „Empfinde ich als generelle menschliche Aufgabe.“ (TP415, „Stimme zu“)
  • „Hilfe zur Selbsthilfe muss das Motto sein. Einfach nur gönnerhaft immer wieder Nahrungsmittel zu spenden ist eine Erniedrigung für die Empfänger. Langfristige Hilfe in die Gesundheits-, Bildungs- und Wirtschaftssysteme ist erforderlich.“ (TP129, „Stimme voll und ganz zu“)
  • „Ich finde diesen Weg wichtig, da die Entwicklungsländer damit selbst in die Lage versetzt werden, sich selbst zu helfen in der Zukunft.“ (TP207, „Stimme zu“)

Gelegentlich (6,9 %) wurde einschränkend hinzugefügt, dass Unterstützung zwar wichtig sei, diese aber leider nicht immer vollumfänglich an den benötigten Stellen ankomme, oder dass Entwicklungszusammenarbeit zwar gut sei, dabei aber auch die Probleme im eigenen Land nicht unberücksichtigt bleiben dürften:

  • „Ich hätte ‘stimme voll und ganz zu‘ angeklickt, wenn ich nicht die Befürchtung hätte, dass es einen nicht geringen Anteil bei allen Hilfsmaßnahmen geben würde, die nicht ankommen. Bedingt durch Korruption.“ (TP142, „Stimme zu“)
  • „Ist absolut wichtig. Aber man sollte auch unsere Probleme im eigenen Land nicht außer Acht lassen.“ (TP123, „Stimme eher zu“)

Befragte, die den Mittelpunkt („Weder noch“) auswählten oder der Aussage nicht zustimmten (Skalenpunkte 1-3), begründeten ihre Antworten entweder damit, dass Entwicklungszusammenarbeit zu keiner Verbesserung in den Entwicklungsländern führe (7,8 %) oder die Unterstützung der eigenen Bevölkerung höhere Priorität haben solle (6,0 %):

  • „Ich bezweifle, dass diese Ziele erreicht werden.“ (TP118, „Stimme eher nicht zu“)
  • „Die Ergebnisse und Erfahrungen belegen, dass hier nur eine enorme Ressourcenverschwendung stattfindet, ohne dass die Bevölkerung die entsprechenden Leistungen anerkennt. Siehe z. B. Afghanistan […].“ (TP187, „Stimme eher nicht zu“)
  • „[…] Wir können leider nicht die ganze Welt retten. Schulen, Schwimmbäder usw. haben immer weniger Geld, immer mehr Kinder leben hier in Armut, immer mehr Menschen müssen zur Tafel gehen oder die Rente mit Minijobs ausbessern. Das kann ja wohl nicht sein. Politiker in Entwicklungsländern wissen doch, dass sie nichts für ihr eigenes Land tun müssen, solange es Entwicklungshilfe gibt.“ (TP126, „Stimme eher nicht zu“)
  • „Wir haben in Deutschland eine große Armut und es gibt genug Bürger, die nichts zu essen haben. Darum sollte sich die Regierung kümmern.“ (TP358, „Stimme nicht zu“)
a. Die meisten meiner Lehrer behandeln mich im Unterricht fair. Nein

Was verstehen die Testpersonen darunter, im schulischen Kontext „fair behandelt“ zu werden?

Die Testpersonen zeigten ein klares und homogenes Verständnis davon, was eine „faire Behandlung“ im schulischen Kontext ausmache. Diese zeige sich vor allem dadurch, dass alle Schüler gleichbehandelt werden und der Umgang von Respekt geprägt sei („Im Unterricht wird jeder Schüler genauso behandelt wie alle anderen […] Die Lehrer sind auch immer respektvoll zu mir.“, TP03)

Die Testpersonen nannten eine Vielzahl unterrichtsbezogener Situationen, an denen man festmachen könne, ob ein Lehrer sich fair verhalte, wobei die Beispiele sich meist an (theoretischem) unfairen Verhalten orientierten:

  • „Man wird unfair behandelt, wenn man sich die ganze Zeit meldet und dann nicht drangenommen wird.“ (TP03)
  • „Unfair wäre, wenn [die Lehrer] Partei ergreifen, einen Lieblingsschüler haben, oder wenn sie bewusst oder unterbewusst falsche Anschuldigungen machen.“ (TP04)
  • „[…] Oder dass man besonders oft drangenommen wird bei einem Thema, bei dem man sich gar nicht gut auskennt. Dadurch wird man unfair behandelt.“ (TP05)
  • „Unfair wäre es zum Beispiel, wenn [mehrere Schüler] die Hausaufgaben nicht gemacht haben und, aber nur [ein bestimmter Schüler] einen Strich bekommen würde.“ (TP06)

Wie verorten sich die Testpersonen bei Item a auf der Antwortskala?

Die Testpersonen verorteten sich ohne Probleme auf der Antwortskala, wobei sich eine klare Differenzierung in der Begründung der Testpersonen zeigte, die „voll und ganz“ bzw. „eher“ zustimmten. Testpersonen begründeten ihre volle Zustimmung damit, dass sie noch keine Situation erlebt hätten, die sie als deutlich unfair wahrgenommen haben, und daher zustimmten:

  • „Ich hatte dieses Schuljahr noch nicht so häufig Schule – die Berufsschule ist auch nur zweimal in der Woche – deswegen ist es schwer zu sagen. Ich möchte keine falschen Aussagen machen. Aber es gibt keine Gründe, weshalb ich das [Item] anders beantworten sollte als mit ‚stimme voll und ganz zu‘.“ (TP04)

Die Testpersonen, die der Aussage „eher“ zustimmten, erläuterten hingegen, dass Lehrer sich zwar bemühen würden, immer fair zu sein, dass es aber nicht immer möglich sei, allen Parteien gleichermaßen gerecht zu werden und dass auch persönliche Fehler aufseiten der Lehrer menschlich seien:

  • „Ich glaube, dass es schon so ist, dass man fair behandelt wird, auch wenn man es nicht unbedingt immer selber denkt. Die Lehrer müssen entscheiden, was jetzt so fair ist, dass es für die anderen auch noch fair ist. Deswegen geht es nicht immer ganz, aber eben ‚stimme eher zu‘ passt schon.“ (TP01)
  • „Ich bin der Meinung, dass die meisten Lehrer ihr Bestes tun, die Schüler fair zu behandeln, aber es durchaus Situationen gibt, in denen die Lehrer einfach menschlich sind, und wenn sie mal einen schlechten Tag haben, vielleicht auch ein bisschen emotional werden und unfaire Sachen machen. Aber aus meiner Erfahrung würde ich das als eher selten einstufen.“ (TP05)
b. Wird in meiner Klasse ein Ausflug geplant, berücksichtigen die meisten Lehrer meine Meinung. Nein

Ist das genannte Szenario des Ausflugs für die Testpersonen relevant und wie werden Meinungen in diesem Kontext berücksichtigt?

Alle Testpersonen konnten mit dem genannten Szenario, einen Ausflug zu planen, etwas anfangen. Nur eine Testperson erklärte, dass sie erst kürzlich mit Beginn ihrer Ausbildung auf eine Berufsschule gewechselt war und mit der jetzigen Klasse noch keinen Ausflug geplant hatte (TP04). Sie ließ die Aussage unbeantwortet, weil sie sich nicht sicher war, ob sie die Frage für ihre aktuelle oder bisherige Klasse beantworten sollte.

Alle Testpersonen beschrieben die Planung eines Ausflugs als gemeinsamen Prozess, in dem Vorschläge in der Klasse gesammelt werden und gemeinschaftlich über ein Ausflugsziel abgestimmt werde:

  • „Wir schreiben verschiedene Ideen an die Tafel, und dann gibt es eine Abstimmung. Dann wird es ausgewertet.“ (TP02)
  • „Die Klassensprecher gehen vor und sagen die gesammelten Vorschläge von der Klasse.“ (TP03)
  • „[In meiner früheren Klasse] wurden wir gefragt, ob wir Ideen hätten, wo wir hingehen könnten. Wenn jemand irgendwo auf keinen Fall hinwollte, wurde das direkt als Option ausgeschlossen. Ansonsten wurde mehrheitlich abgestimmt, was ich fair finde.“ (TP04)
  • „Meistens gibt es verschiedene Ausflugsziele und es wird anonym abgestimmt. Wenn es dann jemandem gar nicht passt, kann man nochmal darüber reden, aber meistens wird es so entschieden.“ (TP06)

Nur eine Testperson gab an, dass die Beteiligung der Schülerschaft an der Planung der Ausflugsziele insofern eingeschränkt sei, als dass Ausflugstage teilweise als Wandertage von der Lehrerschaft festgelegt seien:

  • „Die Lehrer sind meistens dafür, dass an Wandertagen auch gewandert wird, das heißt, dass die Meinungen der Schüler nicht so relevant sind. Wir Schüler möchten eher etwas machen, was uns Spaß macht, zum Beispiel in die Trampolinhalle gehen, aber die Lehrer möchten lieber in den Bergen wandern […] Wir haben meistens mehrere Wandertage am Stück, zum Beispiel zwei Tage. Dann machen wir an einen Tag was zum Lernen und einen Tag können wir dann vielleicht etwas machen, was wir auch wollen.“ (TP03)

Eine weitere Testperson erklärte, dass das Mitbestimmungsrecht der Schülerschaft in den höheren Jahrgängen steige:

  • „In den jüngeren Klassen war es eigentlich immer so, dass das [Ausflugsziel] von den Lehrkräften geplant wurde und die Schüler damit leben mussten. Aber Ende letzten Schuljahres haben wir uns überlegt, wo wir hingehen möchten. Wir haben zusammen mit dem Lehrer ein wenig Internetrecherche betrieben und dann einen Ort gefunden, mit dem alle glücklich waren.“ (TP05)

Wie verorten sich die Testpersonen bei Item b auf der Antwortskala?

Obwohl die Testpersonen alle einen ähnlichen demokratischen Prozess beschrieben, stimmten zwei Testpersonen der Aussage „eher“ oder „voll und ganz“ zu, während drei die Mittelkategorie „teils teils“ wählten. Die beiden Testpersonen, die der Aussage zustimmten, betonten in ihrer Begründung, dass ihre Stimme gehört werde:

  • „Auch in diesem Fall [beim Planen eines Ausflugs] kommen uns die Lehrer voll und ganz entgegen und respektieren jede Meinung.“ (TP02)
  • „Ich würde behaupten, dass alle Lehrer sich das zu Herzen nehmen, was ich als Schüler anrege.“ (TP05)

Die drei Testpersonen, die „teils teils“ wählten, schienen das Verb „berücksichtigen“ sehr eng auszulegen. Ihren Ausführungen zufolge wurde ihre Meinung ebenso wie bei den Testpersonen berücksichtigt, die der Aussage (eher) zustimmten, war aber eben nicht ausschlaggebend sein könne, weil es sich ja um einen demokratischen Prozess handle, in dem die Mehrheit entscheide:

  • „Wenn ein Ausflug geplant wird, ist es ja so, dass nicht eine Person allein entscheidet, sondern dass es eine Abstimmung ist. Deswegen ist es so, dass Du Deine Stimme abgeben kannst, aber es nicht immer unbedingt der Ausflug wird, für den Du gestimmt hast. Es wird halt der, für den die Mehrheit ist. Deswegen ‚teils, teils‘.“ (TP01)
  • „Also manchmal wird [meine Meinung] berücksichtigt und manchmal nicht. Es geht aber natürlich auch nicht immer, dass ein Lehrer von zwanzig Schülern jeden Extrawunsch berücksichtigt.“ (TP06)
c. Die meisten Lehrer interessiert nicht wirklich, was wir Schüler denken. Nein

Was verstehen die Testpersonen darunter, dass Lehrer sich dafür interessieren, was Schüler denken?

Die meisten Testpersonen verstanden das Item so, dass es darum ginge, ob sich die Lehrer für die Schüler als Individuen, also über ihre Rolle als Schüler hinaus, wahrnehmen.

  • „Wenn zum Beispiel eine Klausur nicht so gut lief, dann versetzen sich die Lehrer da rein, wenn der Schüler unglücklich ist mit seiner Leistung. […] [Oder auch] was ein Schüler gerade fühlt, wie es ihm privat geht. Wenn es mit der Familie Probleme gibt, leisten die Lehrer auch pädagogische Arbeit und versuchen zu helfen.“ (TP05)

Eine Testperson verstand das Item so, dass es darum ginge, ob sich die Lehrer dafür interessieren, was die Schüler über die Lehrer denken:

  • „Was die Schüler über den Lehrer denken, muss den Lehrer eigentlich nicht interessieren. In meiner Schule gibt es zum Beispiel Gerüchte über eine Lehrerin, die nicht sehr schön sind. Die Lehrerin weiß das auch, lässt sich davon aber nicht runter machen, was ich gut finde. Allerdings sind die Lehrer auch offen, wenn man ihnen sagt, sie hätten einen mit einer Rückmeldung gekränkt. Das interessiert sie dann schon […] Das sind alles Sachen, die Schüler über Lehrer denken.“ (TP04)

Wie verorten sich die Testpersonen bei Item c auf der Antwortskala?

Bei dem dritten Item führte die Verneinung im Itemtext bei mehreren Testpersonen zu Verwirrung. Eine Testperson bemerkte und thematisierte dies spontan beim Lesen des Items:

  • „Bei der Frage musste ich jetzt gerade ein bisschen umdenken. Die Frage ist andersherum gestellt als die Fragen davor, weil dort die Verneinung steht […] Das war jetzt von der Fragestellung her etwas schwer, da musste ich einen Moment länger nachdenken, in welche Richtung der Skala ich gehen muss. Ich glaube, wenn ich ‚gar nicht zustimme‘, dann sage ich damit, dass es die meisten Lehrer interessiert, was ich denke und es vielleicht ein paar Einzelne gibt, die es nicht interessiert.“ (TP05)

Mindestens eine Testperson, die der Aussage von ihrer Begründung her hätte zustimmen müssen, ordnete sich auch auf der falschen Seite der Skala ein.

  • „Ich habe meistens das Gefühl, dass [die Lehrer] uns nur unterrichten, und dass sie sich nicht wirklich für unser Privatleben [interessieren]. Sie fragen nicht, was wir machen. Deswegen habe ich ‚stimme eher nicht zu‘ angekreuzt.“ (TP03, „stimme eher nicht zu“)

Auch bei Testpersonen, die die Skalenrichtung zum Schluss richtig interpretierten, fiel bei der Begründung auf, dass sie um die Ecke denken mussten, um sich auf der Antwortskala zu verorten:

  • „Ich könnte auch ‚stimme eher nicht zu‘ ankreuzen, aber es gibt vielleicht manche Lehrer, die nicht unbedingt wissen wollen, was wir [Schüler] denken.“ (TP01, „teils teils“)
  • „Oft ist es bei den Lehrern so, dass sie sagen, es interessiert sie, aber im Endeffekt ziehen sie dann doch ihr Ding durch. Deswegen habe ich auch ‚eher nicht zu‘ nicht ‚gar nicht zu‘ ausgewählt, weil manchmal würde ich auch sagen, dass es sie eher nicht wirklich interessiert.“ (TP06, „stimme eher nicht zu“)
a. Wenn ich eine politische Aktion organisieren will (z.B. eine Demo), traue ich mir das zu. Nein

Was verstehen die Testpersonen unter dem Begriff „politische Aktion“?

Alle Testpersonen dachten vorwiegend an Demonstrationen, und begründeten dies damit, dass das Beispiel im Itemtext genannt wurde. Zudem beriefen sich einzelne Testpersonen auf verwandte politische Aktionsformate wie Kundgebungen und Umläufe (z. B. Black lives matter, TP03), bei denen Plakate oder Transparente genutzt werden und „protestiert wird“ (TP06) oder bei denen Reden gehalten werden („Ich habe an Situationen gedacht, in denen sich viele Menschen auf der Straße, im öffentlichen Bereich, treffen, um ein Thema zu besprechen.“, TP05). Zudem nannten einzelne Testpersonen das Sammeln von Unterschriften (TP01) und das Erheben von Umfragen zu politischen Meinungen (TP02), gaben aber an, nicht primär an diese Art der politischen Aktion gedacht zu haben.

Wie verorten sich die Testpersonen bei Item a auf der Antwortskala?

Keine der Testpersonen war politisch aktiv, hatte in der Vergangenheit an einer Demonstration oder anderen politischen Aktion teilgenommen, oder eine politische Aktion (mit)organisiert. In dieser Hinsicht stellte das Item für alle Testpersonen ein hypothetisches Szenario dar. Dennoch ordneten sich die Testpersonen ohne Probleme auf der Antwortskala ein. Die Testpersonen, die der Aussage eher nicht zustimmten (Werte 1 bis 3) erklärten, dass sie große Unsicherheit beim Planen einer politischen Aktion verspürten. Dabei zeigte sich keine deutliche Differenzierung zwischen den Werten 1 bis 3:

  • „Ich würde mich niemals trauen, selbst eine Demo anzufangen oder zu organisieren. Nein, das könnte ich nicht.“ (TP02, Wert: 2)
  • „Ich habe so etwas noch nie gemacht. Ich weiß gar nicht, wie man da vorgeht und habe Angst, dass ich etwas falsch machen könnte und es nur Stress gibt.“ (TP03, Wert: 3)
  • „Ich habe noch nie an einer Demo teilgenommen. Es bereitet mir Stress daran zu denken, mit einem Haufen Leuten auf die Straße zu gehen. Es kann etwas bewirken, aber mir wäre das zu viel, und ich wäre schnell überfordert. Und eine Demo zu organisieren, hört sich für mich nicht ansprechend an.“ (TP04, Wert: 1)

Auch die Testpersonen, die der Aussage eher zustimmten, gaben an, dass sie nicht vorhatten, eine politische Aktion zu organisieren, sprachen sich im Gegensatz zu den Testpersonen am unteren Ende der Skale allerdings die Kompetenz zu, dies zu können:

  • „Ich selbst engagiere mich nicht politisch in irgendeine Richtung und bin kein Parteimitglied. Ich würde keine politische Aktion organisieren, weil ich keinen Antrieb dazu habe […] Aber ich würde es mir auf jeden Fall zutrauen, beispielsweise eine Demo zu organisieren, weil ich ein ganz gutes Organisationstalent habe.“ (TP05, Wert: 6)
  • „Ich würde es mir auf jeden Fall zutrauen, so etwas zu organisieren, aber ich habe kein Interesse daran.“ (TP06, Wert: 5)

Auch bei der Testperson, die die mittlere Antwortkategorie auswählte, passte ihre Begründung zu ihrer Antwort („Ich weiß nicht, ob ich mich allein trauen würde, eine Demo zu organisieren. Wenn, dann eher mit mehreren Personen zusammen, so dass man sich gegenseitig bestärken kann und man weiß, dass man nicht am Ende allein dasteht.“, TP01).

b. Von der Politik fühle ich mich fair behandelt. Nein

Was verstehen die Testpersonen unter einer „fairen Behandlung“ durch die Politik?

Alle Testpersonen bezogen das Item darauf, ob sie sich als Jugendliche und Minderjährige von der Politik fair behandelt fühlten. Eine Testperson erwähnte als Beispiel die Regelungen im Zuge der Corona-Pandemie, die Kinder und Jugendliche besonders stark betrafen, insbesondere die Lockdowns mit den eingeschränkten Möglichkeiten, Sport zu treiben und ins Kino zu gehen (TP01). Zudem erwähnten zwei Testpersonen die zeitweilige Notwendigkeit einer Corona-Impfung, um bestimmte Teile des gesellschaftlichen Lebens wahrzunehmen (TP01, 06) und dass es eine starre Altersgrenze von 12 Jahren gab, ab der Jugendliche die Erwachsenendosis nehmen mussten. Eine Testperson bezog finanzpolitische Themen ein, namentlich ob man als Kind bzw. Jugendlicher bei der Auszahlung der Energiepauschale im Herbst 2022 berücksichtigt werde oder ob es Freibeträge auf Minijobs für Jugendliche gibt (TP05). Meist bezogen sich die Testpersonen aber auf den allgemeinen Umgang der Politik mit Kindern und Jugendlichen (TP02) oder auf allgemeine Grundrechte wie die Meinungsfreiheit (TP03).

Wie verorten sich die Testpersonen bei Item b auf der Antwortskala?

Drei Testpersonen betonten, dass sowohl ihr Interesse an der Politik als auch ihre direkten Berührungspunkte mit der Politik bisher gering waren, und sie daher Schwierigkeiten hatten, das Item zu beantworten (TP03, 04, 06). Vor diesem Hintergrund lässt sich erklären, warum vier der sechs Testpersonen die Werte 3 und 4 in der Skalenmitte auswählten.

  • Interviewer: „Sie haben eben mit den Schultern gezuckt als Sie die zweite Aussage gelesen haben. Woran haben Sie gerade gedacht?“
    TP03: „Ich habe so zwischen der 1 und der 7 angekreuzt, das heißt so ungefähr die Mitte. Ich habe halt nicht wirklich etwas mit der Politik zu tun, das heißt ich kann nicht wirklich sagen, ob ich mich fair behandelt fühle oder eher nicht.“ (Wert: 4)
  • „Ich habe daran gedacht, was ich von meinem Umkreis höre, da ich mich nicht so sehr über die Politik informiere […] Deswegen habe ich einfach so ein Mittelding gemacht. Ich kann die Frage nicht wirklich sicher beantworten.“ (TP04, Wert: 4)
c. Das politische System in Deutschland bietet mir Möglichkeiten, aktiv Einfluss auf die Politik zu nehmen. Nein

Im Gegensatz zum zweiten Item verorteten sich alle Testpersonen bei Item c an einem der Skalenenden oder direkt daneben (mit Ausnahme der Testperson, die das Item unbeantwortet ließ).

Was verstehen die Testpersonen unter dem „politischen System in Deutschland“?

Den meisten Testpersonen fiel es schwer zu erläutern, was sie unter dem politischen System in Deutschland verstanden, zeugten aber von einem grundsätzlich richtigen Verständnis, dass es sich um die demokratische Grundordnung handelte. Die Testpersonen umschrieben das politische System in Deutschland als das „Wahlsystem und Wahlrecht“ (TP01), als die „Demokratie“ (TP03) oder allgemein, „wie es in Deutschland funktioniert“ (TP06).

Was verstehen die Testpersonen darunter, „aktiv Einfluss auf die Politik zu nehmen“ und wie verorten sie sich auf der Antwortskala?

Die Testpersonen unterschieden sich nach den Möglichkeiten, die ihnen einfielen, aktiv Einfluss auf die Politik zu nehmen, und dieses Verständnis beeinflusste ihr Antwortverhalten systematisch. Vier Testpersonen dachten bei dem Ausdruck „aktiv Einfluss auf die Politik zu nehmen“ ausschließlich daran, ob sie wählen durften. Diese Testpersonen erklärten alle, dass sie noch nicht wählen dürften und somit nicht aktiv Einfluss auf die Politik nehmen könnten. Sie stimmten der Aussage (eher) nicht zu oder ließen sie unbeantwortet:

  • „Ich kann ja zum Beispiel noch nicht wählen gehen. Ich finde es auch nicht falsch, dass nicht jeder [Teenager] wählen gehen kann, weil es viele gibt, die noch keine richtige Meinung haben.“ (TP01, Wert: 2)
  • „Ich dachte daran, ob ich wählen kann. Das kann ich erst mit 18 und ich bin noch keine 18, deswegen kann ich noch gar nichts machen.“ (TP03, Wert: 1 stimme gar nicht zu)
  • „Wählen darf ich als [Minderjährige*r] noch nicht. Mir fällt nicht ein, was ich tun könnte, um Einfluss zu nehmen.“ (TP04, keine Angabe)

Die beiden Testpersonen, die der Aussage (eher) zustimmten, dachten hingegen auch an die Möglichkeit, sich politisch zu engagieren, zum Beispiel in politischen Parteien, Umweltorganisationen oder über Aktionen in der Schule (TP02, 05). Dass man in der Gruppe mehr Einfluss nehmen kann als Einzelpersonen war ihnen bewusst und irritierte sie dabei nicht („Wenn ich versuchen würde, aktiv etwas zu verändern, kriegt man das auch hin. Vielleicht nicht als einzelne Person […] Es ist ja klar, dass man als einzelner Mensch kein Gesetz stoppen kann, aber man kriegt auf jeden Fall die Möglichkeit.“, TP05)

d. Politiker kümmern sich nicht darum, was ich denke. Nein

Was verstehen die Testpersonen unter den „Politikern“ in dieser Frage?

Vier Testpersonen dachten an Politiker im Allgemeinen, also nicht an spezielle Personen (TP01, 02, 04, 05). Dabei präzisierten einzelne, dass es um Politiker aus dem Landtag oder Bundestag gehe, sekundär noch um Lokalpolitiker (TP05) oder um alle Menschen, die in Parteien aktiv seien (TP04). Zwei Testpersonen dachten explizit an den amtierenden Bundeskanzler Olaf Scholz (TP03, 06).

Sind die Testpersonen davon irritiert von der Vorstellung, dass Politiker sich für die Meinung eines Einzelnen interessieren sollten und wie verorten sie sich auf der Antwortskala?

Item d beinhaltete eine Negation, so dass die Richtung der Antwortskala andersherum zu interpretieren ist als bei den drei vorausgehenden Items. Alle Testpersonen, die der Aussage (eher) zustimmten, argumentierten logisch korrekt, dass sie der Meinung seien, dass Politiker sich nicht für ihre individuelle Meinung interessieren würden:

  • „Weil die Politiker nicht nach jedem Einzelnen gucken können […] habe ich die 5 angekreuzt, weil es sie eigentlich gar nicht interessiert, was ich denke.“ (TP03, Wert: 5)
  • „Ich bin ein Mini-Fleck in der ganzen Menschheit und ich denke nicht, dass [die Politiker] sich darum kümmern, was ich denke.“ (TP02, Wert: 6)
  • „Vielleicht würden sie sich darum kümmern, aber sie können gar kein Feedback kriegen, weil wir [Jugendliche] nicht wählen dürfen.“ (TP06, Wert: 6)

Testperson 06 schien allerdings zunächst von der geänderten Skalenrichtung verwirrt zu sein, da sie erst den Wert 2 auswählte, und nach längerem Zögern auf den Wert 6 wechselte. Zudem verortete sich eine Testperson, die der Aussage eher nicht zustimmte, klar auf der falschen Seite der Antwortskala:

  • „Ich kann nicht wählen gehen oder als Politiker antreten. Das Einzige, was ich machen könnte [um gehört zu werden], wäre ein Social Media Video zu drehen, zum Beispiel ein TikTok Video. Aber ich weiß nicht, ob sie so etwas beachten würden, ich denke eher nicht. Die machen halt das, was ihre Berater ihnen sagen, und nicht was ein [Teenager] ihnen sagt.“ (TP01, Wert: 3)

Eine weitere Testperson kommentierte die geänderte Richtung der Skala. Auch bei dieser Testperson deutete die Begründung ihrer Antwort allerdings darauf hin, dass sie eher einen Wert auf der anderen Seite der Antwortskala hätte wählen müssen:

  • „Politiker können sich nicht darum kümmern, was jeder Einzelne denkt, das ist ja gerade der Job von einem Politiker, dass er nicht nur für eine Person spricht, sondern für eine größere Gruppe. Es interessiert den Politiker auf jeden Fall, was seine Wähler denken, aber nicht was ich als einzelne Person denke.“ (TP05, Wert: 3)

Schließlich ließ eine Testperson das Item unbeantwortet, weil sie nicht wisse, ob Politiker sich darum kümmern würden, was sie denke (TP04).
Insgesamt schienen sich die Testpersonen einig zu sein, dass Politiker sich eher für die Meinung von Gruppen als von Einzelpersonen interessieren:

  • „Ich habe schonmal davon gehört, dass Politiker an großen Schulen Vorträge halten und mit den Schülern reden […] Angenommen, ein neues [Gesetz] würde gemacht werden und viele Leute wie ich würden sich beschweren. Dann würden sich die Politiker darum kümmern, und somit auch um das, was ich denke. Aber wenn sich nicht eine große Bewegung bildet, würden sie sich auch nicht darum kümmern.“ (TP04)