Item List

Frage Thema Item Text Antwort Format Konstrukt Eingesetzte Kogn Techniken Ergebnis
Mich emotional taub gefühlt (zum Beispiel traurig fühlen, aber nicht weinen können, keine liebevollen Gefühle empfinden können) (12) Nein Was verstehen die Testpersonen darunter, sich „emotional taub“ zu fühlen?

Zwei Testpersonen aus Afghanistan erhielten dieses Item nicht, weil es in der Dari-Übersetzung versehentlich durch ein anderes Item ersetzt worden war. Der Dolmetscher las den anderen vier Testpersonen das zu testende Item mündlich vor und bat die Testpersonen, anhand der Antwortskala zu antworten. Alle arabischsprachigen Testpersonen erhielten das Item.

Zwei arabischsprachige Testpersonen äußerten spontan Probleme beim Verständnis der Frage (SY05, IR05). Eine davon fragte nach der Bedeutung von „taub“ in diesem Kontext (SY05), schien aber die Erklärung in den Klammern dahinter zu verstehen. Die andere fand, dass sich traurig fühlen, aber nicht weinen können widerspreche (IR05). Diese Testperson machte aufgrund des wahrgenommenen Widerspruchs keine Angabe. Eine darisprachige Testperson kommentierte, dass sie die Frage nicht leicht verständlich finde, konnte das Item aber ohne weitere Schwierigkeiten beantworten (DA05).

Insgesamt gaben sieben Testpersonen an, sich „ziemlich“ oder „moderat“ emotional taub zu fühlen. Die meisten Erläuterungen zeugten davon, dass sie das im Itemtext beschriebene Gefühl richtig verstanden hatten. So erklärte eine Testperson, dass sie sich aufgrund schlimmer Ereignisse, die sie erlebt habe, derzeit eher emotional kalt fühle (IR01, Antwort: ziemlich). Eine andere gab an, zwar sehr emotional zu sein, insbesondere wenn sie das Leid anderer mitbekomme, aber nicht weinen zu können (IR06, Antwort: ziemlich). Eine Testperson aus Syrien erklärte, dass es ein Zeichen von Schwäche sei, wenn man seine Emotionen offen zeige und dass selbst die Partnerin nicht wissen solle, wenn man innerlich weine (SY02, Antwort: moderat). Eine weitere Testperson aus Syrien erklärte, dass sie bewusst versuche, sich nicht emotional mit Ereignissen aus der Vergangenheit auseinanderzusetzen, sondern diese zu ignorieren (SY05, Antwort: moderat). Bei einer Testperson aus Afghanistan blieb indes unklar, ob sie sich auf die innerliche Taubheit bezog. Sie erklärte, dass sie sehr starke Schmerzen gehabt habe, aber nicht habe weinen können (DA06, Antwort: ziemlich). Sie schien sich dabei auf eine Verletzung am Bein aus dem vergangenen Monat zu beziehen.

Ebenfalls sieben Testpersonen gaben an, sich „überhaupt nicht“ emotional taub zu fühlen. Diese Testpersonen erklärten entweder, dass sie sich selbst als emotionalen Menschen, der leicht weinen könne, betrachteten (SY04, SY06), oder kommentierten eher knapp, dass sie sich nicht so fühlten, wie im Item beschrieben.
…, alles in allem, mit Ihrem Leben? (1) Nein
... mit Ihrer Gesundheit? (2) Nein
… mit Ihrer Wohnsituation im Allgemeinen? (4) Nein Was verstehen die Testpersonen unter dem Wort „Wohnsituation“?

Bei den arabischsprachigen Testpersonen war hinsichtlich des Verständnisses des Wortes „Wohnsituation“ kein Unterschied zwischen den Herkunftsländern Syrien oder Irak zu verzeichnen. Unter dem Begriff wurde zum einen die Wohnkonstellation verstanden, d. h., mit wem man zusammenlebt (allein, in einer WG oder mit seiner Familie) und die Personenanzahl im Haushalt (SY01, SY04, SY06, IR05). Zum anderen wurden darunter Dinge wie, ob man in einer Wohnung oder einem Haus lebt (SY05, IR03), die Größe (SY01, IR02) und der Schnitt der Wohnung (SY02), die Einrichtung (IR01) und Miethöhe (SY06) gefasst. Auch der Wohnort (SY03, IR01, IR04), die Nachbarn, das Wohnumfeld und die Wohngegend (SY03, SY05, SY06, IR02) wurden unter „Wohnsituation“ verstanden. Darüber hinaus verknüpften zwei Testpersonen den Begriff auch mit emotionalen Dingen, und zwar damit, ob man eine Wohnung hat, in der man sich wohlfühlt und in die man sich zurückziehen kann (SY02, IR02).

Die darisprachigen Testpersonen aus Afghanistan bezogen sich bei dem Begriff „Wohnsituation“ hingegen ausnahmslos auf ihre gesamte Lebenssituation und beschränkten sich nicht auf ihre Wohnsituation. Die wohnbezogenen Dinge, die von den Testpersonen aus Afghanistan genannt wurden, waren, dass man z. B. in einer Wohnung oder einem Haus wohnt (DA04), in einer Stadt lebt (DA06), Wasser (DA04) und ein Zuhause hat (DA02). Darüber hinaus wurden viele unterschiedliche lebenssituationsbezogene Aspekte aufgezählt: die eigene Gesundheit sowie die der Familie (DA05), die finanzielle Situation (DA05), einer Arbeit nachgehen (DA03, DA06), die Anforderungen im Leben meistern (DA03, DA04), Freunde haben (DA06), der Stand des Asylantrags (DA02), die Tatsache, in Deutschland als Flüchtling zu wohnen (DA05), die Unterstützung, die man von der Stadt bekommt (DA04), die Gesellschaft, in der man lebt (DA06), die Möglichkeiten, die es in Deutschland gibt (sich zu bilden, zu studieren, die Kinder in den Kindergarten zu geben) (DA04), in Sicherheit (DA04) und Ruhe (DA05) leben.
… dass Ihnen die Gesellschaft anderer fehlt? (1) Nein
… außen vor zu sein? (2) Nein Was verstehen die Testpersonen unter „außen vor zu sein“?

Mit einer Ausnahme verstanden alle Testpersonen unter „außen vor zu sein“ ausgeschlossen und ignoriert zu werden. Dabei gab es weder länderspezifische noch sprachbezogene Unterschiede. Über die beiden Ausdrücke „ausgeschlossen zu werden“ und „ignoriert zu werden“ hinaus wurden Bezeichnungen, wie von anderen nicht wahrgenommen zu werden (SY01, SY02), von anderen Desinteresse zu spüren zu bekommen (SY06, IR02), keine Beachtung geschenkt zu bekommen (DA01), sich isoliert und allein gelassen zu fühlen (DA03), nicht ernstgenommen zu werden (DA04), nicht erwünscht zu sein (DA05) und von anderen distanziert zu werden (DA05) genannt. Eine Testperson erwähnte zudem, dass sie darunter auch verstünde, wenn man einen Abschluss habe und gebildet sei, aber keine Arbeit finde oder nicht arbeiten könne (SY02).

Nur Testperson IR06 verstand unter „außen vor zu sein“ die andere Perspektive, also sich zurückzuziehen, sich anderen gegenüber auszuschließen und zu isolieren. Diese Testperson sagte jedoch kurz zuvor, dass es selten vorkomme, dass beispielweise eine Freundin auf der Straße so tue, als ob sie sie nicht sehe, und wählte daraufhin die Antwortkategorie „selten“ aus. Ferner gab sie an, zwischen Item 2 und 3 einen Unterschied zu sehen, den sie jedoch nicht näher erklären konnte, und machte bei Item 2 und 3 unterschiedliche Angaben („selten“ vs. „manchmal“). Deshalb schien das Verständnisproblem geringfügig zu sein bzw. ggf. auf ein Verständnisproblem der Probingfrage und nicht des Items an sich zurückzuführen zu sein.
… dass Sie sozial isoliert sind? (3) Nein Was verstehen die Testpersonen unter „sozial isoliert zu sein“?

Bei den Antworten der Testpersonen auf die Nachfrage, was sie unter „sozial isoliert zu sein“ ver-stünden, fielen direkt zwei Dinge auf. Während zum einen, mit einer Ausnahme, all diejenigen, die dieses Item mit „sehr selten“ oder „selten“ beantwortet hatten, angaben, was sie unter dem Gegenteil, also unter „sozial nicht isoliert zu sein“ verstehen, erklärten diejenigen, die eine der anderen Antwortkategorien ausgewählt oder keine Angabe gemacht hatten, die gefragte soziale Isolierung. Dies war zum anderen jedoch nur bei den arabischsprachigen Testpersonen der Fall. Die darisprachigen gaben ausnahmslos an, was sie unter „sozial isoliert zu sein“ verstanden, unabhängig von der ausgewählten Antwortkategorie.

Unter sozialer Isolierung verstanden die arabischsprachigen Testpersonen den fehlenden oder wenige Kontakt zu Mitmenschen, sei es zur Familie, zu Freunden, Bekannten etc. (SY02, SY05, IR01), sich einsam zu fühlen (SY02, IR04), sich gesellschaftlich zurückzuziehen (SY01, IR06) und allein sein zu wollen (IR06). Darüber hinaus wurden auch die mangelnde Fähigkeit, mit anderen interagieren zu können oder Beziehungen zu anderen aufbauen zu können (SY01, IR04, IR06) sowie das Gefühl, zwischen der arabischen und der deutschen Kultur zu stehen und weder Anschluss zum arabischen noch zum deutschen Kulturkreis zu finden (IR02), angesprochen. Beim Gegenteiligen („sozial nicht isoliert zu sein“) gaben die arabischsprachigen Testpersonen Geselligkeit (SY04, SY06, IR03), Kontakte zu anderen Menschen, sei es zur Familie, zu Freunden, Bekannten, zu haben und zu pflegen (SY03, IR05) sowie neue Menschen kennenzulernen (SY06, IR03) an.

Ein weiterer Unterschied inhaltlicher Natur war zwischen beiden Sprachversionen zu verzeichnen. Während der Schwerpunkt der arabischsprachigen Testpersonen auf der reinen Tatsache des (fehlenden) Kontakts zu Mitmenschen lag, lag er bei den Antworten der darisprachigen Testpersonen auf der emotionalen Ebene und auf dem eigenen aktiven Verhalten. Unter sozialer Isolierung verstanden die Testpersonen aus Afghanistan demnach, sich gesellschaftlich zurückzuziehen (DA04, DA05), sich zu distanzieren (DA03), sich mit anderen nicht auszutauschen (DA05), keinen Kontakt mit unbekannten Menschen aufzunehmen (DA02), eine Schutzwand aufzubauen (DA01), zu keinem sozialen Umfeld zu gehören/nicht dazuzugehören (DA04, DA05), nicht beachtet zu werden (DA04) und sich von der Gesellschaft allein gelassen zu fühlen (DA06). Testperson DA02 gab außerdem an, darunter die Gegebenheit zu verstehen, sich viele Dinge nicht ermöglichen zu können, wenn man nicht genug Geld hat.

Die genannten Unterschiede führten jedoch zu keinem „falschen“ Verständnis der Bezeichnung “sozial isoliert zu sein“.
Sie wurden unhöflich oder unfreundlich behandelt. (1) Nein
Leute tun so, als hielten sie Sie für dumm. (4) Nein Wie äußert es sich, „jemanden für dumm halten“?

Vier Testpersonen äußerten Probleme mit der Formulierung des Items (SY05, SY06, IR05, DA02), wobei in allen Fällen der Kern des Missverständnisses die Unklarheit darüber, ob es darum ging, „sich dumm zu verhalten“ oder „für dumm gehalten zu werden“, war. Eine dieser Testpersonen fragte zudem, ob es darum gehe, dass sich jemand anderes auf eine Weise verhalte, dass man ihn für dumm halte, oder ob man sich selbst dumm verhalte (IR05). Zwei weitere Testperson verstanden das Item so, dass man für dumm gehalten werde, wenn man unlogische Dinge erzähle (SY06, DA02). Bei einer weiteren Testperson blieb unklar, ob sie den Itemtext verstanden hatte. Sie behauptete, nicht erklären zu können, wie sich „jemanden für dumm halten“ äußere, weil sie so etwas noch nie erlebt habe (IR01, Antwort: selten).

Die anderen 13 Testpersonen zeigten ein gutes Verständnis des Items. Zwei Testpersonen aus Syrien und vier aus Afghanistan erklärten, dass sich „jemanden für dumm halten“ vor allem darin ausdrücke, wie mit einem gesprochen werde. Eine Testperson nannte als Beispiel, wenn berufliche Anweisungen mehrfach wiederholt würden, obwohl sie schon beim ersten Mal deutlich gewesen seien (SY01). Eine weitere Testperson erklärte, dass sie das Deutsche ganz gut verstehe, sich aber selbst nicht gut auf Deutsch ausdrücken könne. Das störe sie beispielsweise, wenn sie sich in Gesprächen beim Einkaufen nicht gut artikulieren könne und sich ihr Gegenüber verhalte, als würde sie nichts verstehen (SY04). Auch eine andere Testperson äußerte Frustration darüber, dass andere glaubten, man würde bereits einfache Sätze nicht verstehen (DA03). Eine Testperson erklärte, dass sich zudem der Sprachton des Gegenübers ändere (DA04). Eine andere vermutete, dass Deutsche so tun, als würden sie sie nicht verstehen, als Ausrede, um sie schlechter behandeln zu können (DA05).

Insbesondere die arabischsprachigen Testpersonen erwähnten zudem Fälle, in denen sie vorgeführt oder gehänselt würden. So erzählten zwei Testpersonen, sie würden für dumm verkauft, wenn sich jemand über einen lustig mache (IR06) oder jemand einem etwas wegnehme (IR03) und so tue, als sei es Spaß. Eine Testperson fühle sich für dumm verkauft, wenn Deutsche verlangten, dass sie für sie im Bus aufstehe und den Platz freimache (SY03). Eine weitere Testperson erzählte, dass sie gutherzig sei und gerne gebe, was ihr häufig als Naivität ausgelegt werde (IR04).
Sie wurden bedroht. (9) Nein