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Frage Thema Item Text Antwort Format Konstrukt Eingesetzte Kogn Techniken Ergebnis
Sie Opfer politisch/ideologisch motivierter Gewalt werden (Rechtsextremismus o.ä.)? Nein Etwa 13 % der Befragten halten es für „sehr wahrscheinlich“ oder „eher wahrscheinlich“, dass sie in den nächsten 12 Monaten Opfer politisch oder ideologisch motivierter Gewalt werden, während 87 % der Testpersonen dies für „eher“ oder „sehr unwahrscheinlich“ halten.

Befragte, die dies für „eher“ oder „sehr unwahrscheinlich“ halten, begründen ihre Einschätzung in 9 % der Fälle damit, dass so etwas bisher noch nie vorgekommen sei (z.B. „Das ist bisher nicht passiert und ich denke auch nicht, dass dies in Zukunft passiert. Hier gibt es relativ wenig Rechtsextremismus.“, TP 37) und in 23 % der Fälle damit, dass sie keiner potenziell gefährdeten Randgruppe angehörten (z.B. „Bin deutscher Staatsbürger und habe so weniger zu befürchten als ausländische Mitbürger.“, TP 103; „Ich habe keinen Migrationshintergrund.“, TP 167). Weitere 31 % der Befragten begründen ihre Einschätzung damit, dass sie sich bewusst von Situationen fernhalten, in denen sie Opfer politisch/ ideologisch motivierter Gewalt werden könnten (z.B. „Ich nehme an keinen politischen Demonstrationen teil. Begebe mich auch nicht in deren Nähe.“, TP 30) und 37 % der Testpersonen geben an, dass in ihrer näheren Wohnumgebung eine solche Gefahr nicht bestehe (z.B. „In unserem kleinen Dorf gibt es keinen Rechtsextremismus.“, TP 107).

Befragte, die es für „eher“ oder „sehr wahrscheinlich“ halten, Opfer politisch oder ideologisch motivierter Gewalt zu werden, begründen ihre Einschätzung in 54 % der Fälle damit, dass ihnen so etwas bereits passiert sei (z.B. „Kommt leider oft vor.“, TP 349) und in 46 % der Fälle damit, dass dies aufgrund ihrer Wohngegend wahrscheinlich sei (z.B. „In Passau gibt es viele Rechte. Und ich bin Asiatin!“, TP 237; „Aggressives Umfeld mit politisch gegenteiliger Meinung, sozialer Brennpunkt.“, TP 228).

Insgesamt fällt auch bei diesem Item (wie bei Item e) auf, dass viele Testpersonen bei der Beantwortung des Items vornehmlich bzw. ausschließlich an das in Klammern genannte Beispiel („Rechtsextremismus“) denken und andere Hintergründe politisch/ideologisch motivierter Gewalt nicht berücksichtigen.
Sauberkeit im öffentlichen Raum (kein herumliegender Müll, keine Graffitis) Nein Die überwiegende Mehrheit der Testpersonen (90 %) gibt an, dass ihr Sauberkeit im öffentlichen Raum „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ für ihr Sicherheitsgefühl in ihrem Stadtteil/Stadtbezirk ist. Lediglich 10 % der Befragten halten diesen Aspekt für „eher unwichtig“ oder „sehr unwichtig“.

Um herauszufinden, weshalb sich die Testpersonen für ihre jeweiligen Antworten entschieden haben, wurde ein Category Selection Probing eingesetzt („Bitte erläutern Sie Ihre Antwort noch etwas näher. Warum haben Sie sich für diese Antwort entschieden?“). Die Antworten der Befragten auf diese Probing- Frage lassen sich wie folgt kategorisieren:

49 % der Testpersonen geben an, dass ihnen Sauberkeit generell wichtig für ihr Wohlbefinden sei, ohne dass sie in den Begründungen ihrer Antworten explizit auf den Zusammenhang zwischen der Sauberkeit im öffentlichen Raum und ihrem Sicherheitsgefühl in selbigem eingehen:
  • „Sauberkeit erzeugt ein Wohlgefühl.“ (TP 38)
  • „Weil es so viel schöner ist, wenn auch das Umfeld sauber ist und nicht so dreckig und vergammelt.“ (TP 95)
  • „Ich persönlich möchte einfach nicht durch Müllberge laufen wenn ich in die Stadt gehe. Und Graffitis sehen einfach nur schrecklich aus.“ (TP 236)
33 % der Befragten stellen in ihren Begründungen einen direkten Zusammenhang zwischen der Sauberkeit im öffentlichen Raum und ihrem Sicherheitsgefühl in selbigem her:
  • „Dort wo es immer sauber ist fühlen sich Randalierer auch nicht wohl und verlassen meist von selbst diese Orte, da sie wissen, dass in dieser Gegend darauf Wert gelegt wird und sich immer jemand findet, der ihnen das auch sagt.“ (TP 98)
  • „Verschmutzte Gegenden werden von rechtschaffenden Bürgern gemieden, so dass sich dort die Kriminalität ausbreitet.“ (TP 170)
8 % der Testpersonen weisen darauf hin, dass sie die in Klammern aufgeführten Beispiele unterschiedlich bewerten und dass Graffitis auch eine Kunstform und damit auch schön sein könnten:
  • „Gegen Graffitis habe ich nichts, ist ja auch nur eine Art Kunst. Doch Müll darf und muss nicht überall rumliegen.“ (TP 184)
  • „Kein Müll ist sehr wichtig, nicht nur um dem Auge gut zu tun, sondern auch der Umwelt. Graffitis hingegen können in manchen Fällen eine Bereicherung sein.“ (TP 291)
10 % der Testpersonen geben an, dass ihnen unklar sei, inwiefern die Sauberkeit im öffentlichen Raum einen Einfluss auf ihr Sicherheitsgefühl habe sollte. Daher beantworten alle diese Testpersonen die Frage mit „eher unwichtig“ oder „sehr unwichtig“:
  • „Was hat Müll mit Sicherheit zu tun?“ (TP 47)
  • „Ist für mich keine Frage der Sicherheit, sondern der Optik. Müll und Graffitis sind eher nicht gewalttätig.“ (TP 66)
Gute Straßenbeleuchtung Ja
In den Abendstunden belebte Straßen um meine Wohnung herum (andere Leute unterwegs oder anwesend) Ja
Regelmäßige Anwesenheit von Polizeibeamten im Stadtteil Ja
Attraktive soziale Angebote für junge Menschen Nein Auch bei diesem Item gibt die überwiegende Mehrheit der Testpersonen (86 %) an, dass dieser Aspekt „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ für ihr Sicherheitsgefühl in ihrem Stadtteil/Stadtbezirk ist. Nur 14 % der Befragten halten diesen Aspekt für „eher unwichtig“ oder „sehr unwichtig“.

Auf die Nachfrage, warum sich die Testpersonen für ihre jeweilige Antwort entschieden haben (Category Selection Probing), geben 30 % der Befragten an, dass sie attraktive soziale Angebote für junge Menschen generell für wichtig hielten, ohne dass sie in ihren Begründungen auf den Zusammenhang zwischen diesen Angeboten und ihrem Sicherheitsgefühl in ihrem Stadteil/Stadtbezirk eingehen:
  • „Man muss jungen Menschen auch in der Freizeit die Möglichkeit geben mit ihresgleichen zusammen zu kommen. Zu meiner Zeit (60iger Jahre) wurde so etwas über Kirchen und Gemeinden angeboten.“ (TP 30)
  • „Es ist für Jugendliche sehr wichtig, einen Ort zu haben, an dem sie sich treffen können.“ (TP 218)
58 % der Testpersonen stellen in ihren Begründungen einen direkten Zusammenhang zwischen der Anzahl attraktiver sozialer Angebote für junge Menschen und ihrem Sicherheitsgefühl her und argumentieren, dass solche Angebote verhinderten, dass junge Menschen „auf dumme Gedanken“ kämen:
  • „Wenn Jugendliche genügend sinnvolle Angebote erhalten, wo sie in ihrer Freizeit gefördert und gefordert sind, ergibt sich ganz von selbst weniger Kriminalität und Gewalt untereinander, da sie dann auch selber merken, wie wichtig eine funktionierende Gemeinschaft ist.“ (TP 98)
  • „Für viele Jugendliche gibt es halt nichts zu tun außer zu Hause oder sonst wo rumzuhocken. Dann ist es meist ja nur eine Frage der Zeit bis man anfängt irgendwelche Dummheiten zu machen.“ (TP 164)
Von denjenigen Befragten, die solche Angebote für „eher unwichtig“ oder „sehr unwichtig“ halten, begründen etwa 5 % ihre Antworten damit, dass es kaum Jugendliche in ihrer näheren Wohnumgebung gibt (z.B. TP 74, 94) oder dass die Jugendlichen im Ort alle sehr vernünftig seien (z.B. TP 66). Etwa 6 % der Befragten geben an, dass ihnen der Zusammenhang zwischen attraktiven sozialen Angeboten für Jugendliche und ihrem Sicherheitsgefühl in ihrem Stadtteil/Stadtbezirk unklar sei:
  • „Auch hier sehe ich keinen Zusammenhang mit dem Sicherheitsgefühl.“ (TP 120)
  • „Ob nun junge Menschen im Stadtteil sind oder nicht ändert nichts an meinem Sicherheitsgefühl.“ (TP 241)
Beratungs- und Unterstützungsangebote für Menschen aus anderen Ländern Nein 77 % der Testpersonen geben an, dass ihnen Beratungs- und Unterstützungsangebote für Menschen aus anderen Ländern „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“ für ihr Sicherheitsgefühl in ihrem Stadtteil/ Stadtbezirk sind. 23 % der Befragten halten diesen Aspekt für „eher unwichtig“ oder „sehr unwichtig“.

Auf die Category Selection Probe („Bitte erläutern Sie Ihre Antwort noch etwas näher. Warum haben Sie sich für diese Antwort entschieden?“) geben 67 % der Befragten an, dass sie solche Beratungs- und Unterstützungsangebote generell für wichtig erachten, damit sich Menschen aus anderen Ländern in die deutsche Gesellschaft integrieren können. Einen Bezug dieser Angebote zu ihrem Sicherheitsgefühl stellen diese Testpersonen in ihren Begründungen – wenn überhaupt – jedoch nur implizit her:
  • „Weil die Integration dieser Menschen unserer Gesellschaft sehr zu Gute kommt.“ (TP 42)
  • „Beratung und Unterstützung ist für Menschen aus anderen Ländern immer wichtig. Um sich gegenseitig kennenzulernen zum Beispiel.“ (TP 51)
  • „Damit wir den Flüchtlingen besser helfen können, damit sie besser integriert werden können.“ (TP 187)
13 % der Befragten stellen in ihren Begründungen einen direkten Zusammenhang zwischen den Angeboten und ihrem Sicherheitsgefühl her und argumentieren, dass solche Angebote die Gefahr von kriminellen Handlungen verhindern würden:
  • „Integration bekämpft auch Kriminalität durch Ausländer.“ (TP 127)
  • „Menschen aus anderen Ländern sollen sich aufgenommen fühlen. Wenn diese Menschen unterstützt werden, geraten sie nicht in Notlagen, die sie vielleicht zu kriminellen Handlungen veranlassen.“ (TP 190)
11 % der Testpersonen, die bei diesem Item mit „eher unwichtig“ oder „sehr unwichtig“ antworten, begründen ihre Antworten damit, dass Ausländer für sie entweder keine Bedrohung darstellen oder dass es in ihrer Wohngegend kaum Ausländer gebe, für die solche Angebote eingerichtet werden müssten:
  • „Menschen aus anderen Ländern stellen für mich keine besondere Bedrohung dar.“ (TP 46)
  • „In diesem Wohngebiet sind überwiegend Leute wohnhaft, die dort seit Generationen leben.“ (TP 74)
Weitere 4 % der Testpersonen, die bei diesem Item mit „eher unwichtig“ oder „sehr unwichtig“ antworten, begründen ihre Antworten damit, dass sie generell die Zuwanderung von Ausländern ablehnen und folglich auch keine Beratungs- oder Unterstützungsangebote für diese Zielgruppe wünschen. Die Antworten dieser Testpersonen beziehen sich also nicht auf ihr Sicherheitsgefühl, sondern ihre generelle Einstellung zur Zuwanderung von Menschen aus anderen Ländern nach Deutschland:
  • „Weil Menschen aus anderen Ländern bleiben sollen wo sie hingehören.“ (TP 108)
  • „Man sollte diese Leute in ihre Länder zurückschicken.“ (TP 138)
Zu guter Letzt geben wieder 5 % der Testpersonen an, dass sie keinen Zusammenhang zwischen Beratungs- und Unterstützungsangeboten für Menschen aus anderen Ländern und ihrem Sicherheitsgefühl sehen:
  • „Wer solche Angebote nutzen möchte, sucht sie auf - das tangiert nicht mein Sicherheitsgefühl.“ (TP 33)
  • „Ich weiß nicht, wie das gegen Gewalt helfen soll?“ (TP 194)
a) Ich fühle mich meiner Herkunftskultur stark zugehörig. Nein Item a) stimmen fünf Testpersonen (TP 01, 05, 06, 07, 14) „voll und ganz“ zu, sechs Testpersonen (TP 02, 10, 11, 12,13, 15) stimmen „eher“ zu. Vier Testpersonen (TP 03, 04, 08, 09) entscheiden sich für die Antwort „teils, teils“.

Wie oben bereits erwähnt stimmen die meisten Testpersonen diesem Item (eher) zu. Nur vier Testpersonen wählten hier die Mittelkategorie „teils, teils“. Die Testpersonen wurden gebeten zu erläutern, wieso sie dem Item zustimmen bzw. nicht zustimmen.

Zwei Testpersonen (TP 01, 07), die der Aussage „voll und ganz zustimmen“ und zwei Testpersonen, die „eher zustimmen“ (TP 10, 15) wählen ihre Antworten, „weil ich keine andere Herkunftskultur habe“ (TP 01). Für diese Testpersonen gibt es keine Vergleichsmöglichkeit, denn „ich bin hier geboren“ (TP 10). Testperson 10 erläutert ferner, „ich mag schon meine Kultur“. Ähnlich argumentiert auch Testperson 05, die auch voll und ganz zustimmt. Sie sagt: „Ich lebe im Einklang hier“ (TP 05). Testperson 06 stimmt Aussage a) ebenfalls „voll und ganz“ zu, bezieht die Antwort aber auf ihre französische Herkunftskultur. Sie erläutert, dass „die wichtigsten Zeiten [Kindheit, Jugend], die habe ich dort verbracht. […]. Der innere Kern ist der Herkunftskultur zugehörig“.

Anhand der Erläuterungen der Testpersonen 07 und 14, die „voll und ganz“ zustimmen, und 15, die Aussage a) „eher zustimmt“, kann man aber erkennen, dass sie das Bedürfnis verspüren, ihre Zustimmung zu rechtfertigen. Testperson 15 betont: „Ich gehöre aber nicht zu Pegida!“ Testperson 14 berichtet, dass sie in den Nachkriegsjahren geboren wurde und dass „man einige Epochen ausklammern muss, wo es nicht so [friedlich] gelaufen ist.“ Testperson 07 empfindet das „deutsch sein […] im Moment sehr anstrengend“.

Testperson 12 begründet ihre Antwort „stimme eher zu“ damit, dass „Deutschland keine stark prägende Kultur hat“. Sie empfindet die deutsche Kultur als „locker“ und deswegen nicht so stark zugehörigkeitserweckend. Ähnlich wie Testperson 12 begründet auch Testperson 02 ihre Antwort. Ihre Mutter stammt aus Deutschland, ihr Vater aus Italien. Sie stimmt der Aussage eher zu, „aber nicht vollkommen, weil man immer noch eine andere Weise hat, wenn man zwei Eltern hat [die eine unterschiedliche Herkunft haben]. Und deswegen habe ich nur eher zugestimmt, weil ich hier in Deutschland aufgewachsen bin und auch bei meiner Mutter hier aufgewachsen bin. Ich habe also nur teilweise die andere Seite mitbekommen“. Demgegenüber steht Testperson 13, die auch eher zustimmt, die ihre familiäre und soziale Prägung aber als so stark beschreibt, dass ihre Kultur „bis ins hohe Alter“ bleibt. Die Antwortkategorie „stimme eher zu“ besitzt hier also zwei unterschiedliche Funktionen: Zwei Testpersonen wollen damit zum Ausdruck bringen, dass sie aufgrund der wahrgenommenen geringen Prägekraft der deutschen Kultur nicht voll und ganz zustimmen, für die andere Testperson steht die Antwortkategorie dafür, dass man von seiner familiären Herkunft nicht ganz loskommen kann.

Von den vier Testpersonen (TP 03, 04, 08, 09), die der Aussage „teils, teils“ zustimmen, sind drei Migranten (TP 04, 08, 09). Testperson 03 spricht von ihrer bereits zuvor berichteten fehlenden Verbindung zu ihrer Herkunftskultur: „Teilweise fühle ich mich mit meiner Herkunftskultur verbunden, weil meine Eltern ja auch aus Deutschland stammen. Und teilweise fühle ich mich auch als Deutsche und mit der Heimat stark verbunden, teilweise auch gar nicht. Manchmal bezeichne ich mich als Weltmensch, weil ich sehr neugierig bin. Ich könnte auch gut in einem anderen Land leben.“ Die Antworten der Testpersonen mit Migrationshintergrund ähneln sich. Einerseits fühlen sie sich ihrer Herkunftskultur zugehörig, andererseits fühlen sie sich hier heimisch und verbunden (TP 08, 09). Testperson 04 berichtet, dass sie sich ihrer chinesischen Wurzeln bewusst ist, sie aber in die Traditionen und die typischen sozialen Interaktionen „nicht hineingewachsen“ ist, da sie im Rahmen eines Austauschprogramms nur für kurze Zeit in China gelebt hat, „daher ist mir das nicht in dieser Tiefe vertraut“ (TP 04).

Testperson 11, die ebenfalls einen Migrationshintergrund aufweist, stimmt der Aussage eher zu: „Ich stimme nicht voll und ganz zu, weil ich doppelkulturell aufgewachsen bin. Mit der westlichen Kultur und meiner Herkunftskultur, in die ich reingeboren wurde. Ich fühle mich da auf jeden Fall zugehörig, aber genauso sehr fühle ich mich auch der westlichen Kultur in Deutschland zugehörig“.

b) Mir ist ziemlich klar, was die Zugehörigkeit zu meiner Herkunftskultur für mich bedeutet. Nein Auch bei Item b) stimmt die Mehrheit der Testpersonen „eher“ (n=6) bzw. „voll und ganz“ (n=5) zu. Nur Testperson 03 stimmt „eher nicht zu“ und Testperson 10 entscheidet sich für die Antwort „teils, teils“.

Die Testpersonen 08 und 15 wählen hier keine Antwort aus. Beiden ist nicht klar, auf was sich diese Aussage bezieht: „Weiß nicht, was mir klar sein sollte“ (TP 08). Auf die Nachfrage, was die Zugehörigkeit zu ihrer Herkunftskultur für sie persönlich bedeutet, gibt Testperson 08 an, dass ihr die polnische Sprache wichtig sei und dass sie diese mit ihren Kindern sprechen kann. Sie führt weiter aus, dass sie zwar aus Polen komme, „ich würde aber bestimmt nicht sagen, ich bin Polin. Weil ich das eigentlich nicht mehr bin. Ich stehe so dazwischen, so eine Mischung.“ Auf die Nachfrage, ob sie sich denn als Deutsche bezeichnen würde antwortet Testperson 08 ebenfalls mit „nein, das würde ich auf keinen Fall. Ich habe einen Akzent, ich kann niemandem weißmachen, ich wäre eine Deutsche. Das möchte ich auch nicht, das brauche ich auch nicht“. Testperson 15 hat ebenfalls ein Problem. Für sie ist nicht klar, wie sich die Bedeutsamkeit äußern soll: „Was ist „mir bedeutet“? Ob ich emotional… da habe ich Probleme. Da müsste ich überlegen, worauf sich das beziehen soll. Ob ich die Hand aufs Herz lege und die Hymne singe, wenn Deutschland im Endspiel ist? Oder ob ich nur ruhig sitzen bleibe? Das ist mir von der Sache her ein bisschen unklar, in welche Richtung das geht. Geht es um Patriotismus oder umgekehrt um Abgrenzung? Da habe ich so das Gefühl, was will man von mir?“ (TP 15).

Für Testperson 08 stellt Item b) aufgrund ihres Migrationshintergrundes ein Problem dar, Testperson 15, die Deutsche ist, ist der Bezugsrahmen nicht ganz klar und sie verweigert deswegen die Antwort.

Testperson 03 stimmt der Aussage eher nicht zu, begründet ihre Antwort aber ähnlich wie die Testpersonen, die keine Antwort gegeben haben. Sie sagt, sie könne es nicht einschätzen, „was es emotional für mich bedeutet. Das wäre etwas, über das ich mir ziemlich lange Gedanken machen müsste“ (TP 03). Testperson 10 antwortete auf Item b) mit „teils, teils“, argumentiert aber ähnlich. Sie sagt, „einen Teil weiß ich, einen Teil weiß ich aber auch nicht. Da müsste ich jetzt mal googeln wie deutsche Kultur ausgedrückt wird. Ich habe mir über das Wort noch keine Gedanken gemacht“ (TP 10).

Auffällig sind hier die Erklärungen der Testpersonen mit Migrationshintergrund, im Besonderen aber die von Testperson 04, die auch bei Item a) bereits hervorstach. Sie stimmt der Aussage „voll und ganz zu“, berichtet aber sehr neutral, „ich weiß, welche Kriterien erfüllt sein müssen, damit ich zu 100% zu diesem Land gehöre“. Sie interpretiert die Aussage dahingehend, dass sie sich bestimmter Punkte wie Traditionen und Sprache der chinesischen Herkunftskultur ihrer Eltern bewusst sei, die sie erfüllen müsste, um dem Land gänzlich zugehörig zu sein. Sie beantwortet die Aussage demnach nicht in Bezug zur persönlichen Bedeutsamkeit der Zugehörigkeit, sondern im Hinblick auf vorhandenes Faktenwissen über die Herkunftskultur der Eltern. Im starken Gegensatz zu der Erklärung von Testperson 04 steht die Erläuterung von Testperson 06, die ebenfalls voll und ganz zustimmt. Sie begründet ihre Antwort damit, „dass ich nie sein werde, wie die Deutschen“ (TP 06). Sie ist sich ihrer kulturellen Wurzeln und deren Bedeutsamkeit für sich sehr bewusst. Testperson 09 ist sich ihrer kulturellen Wurzeln auch sehr bewusst, stimmt Aussage b) eher zu, und führt aus, dass „es mir ziemlich klar ist, was in meinem Leben anders verlaufen wäre, wenn es anders gewesen wäre. Ich kann es mir ziemlich genau vorstellen. Wenn ich den kulturellen Hintergrund nicht hätte oder wenn ich dort geblieben wäre“. Testperson 11 stimmt der Aussage auch eher zu, und führt es auf „die Traditionen und Bräuche zurück. Dass ich mich an Traditionen halte […], dass man nach dem auch so ein bisschen lebt.“

Auch die drei übrigen Testpersonen, die der Aussage voll und ganz zustimmen, begründen ihre Antworten unterschiedlich. Entweder damit, dass sie sich hier wohl und heimisch fühlen (TP 05) oder sich mit ihrer Herkunftskultur stark identifizieren (TP 14). Testperson 07 sagt, sie stimme voll und ganz zu, weil sie ihr ganzes Leben in Deutschland verbracht hat und „daher fällt mir nichts anderes ein als dem zuzustimmen“. Testperson 01 stimmt „nur“ eher zu, weil sie sich nicht zu 100% sicher ist, „was die Herkunftskultur aussagt, was dahintersteckt – außer Religion und Werte eben.“ Testperson 02 stimmt der Aussage eher zu, denn „das klingt für mich so ein bisschen wie die erste Aussage“, ebenso wie Testperson 13, die sich mit zunehmendem Alter auf ihre kulturellen bzw. familiären Wurzeln rückbesinnt. Testperson 12 antwortete „aus dem Gefühl heraus“ und hat „nicht so lange nachgedacht“.

Zu Item b) kann man festhalten, dass die Testpersonen mit ihren Assoziationen ein breites Spektrum abdecken und sich ähnliche Argumentationen in unterschiedlichen Antwortoptionen niederschlagen. Dies ist nicht weiter verwunderlich, da das Item sehr vage formuliert ist und die Intention nicht klar wird.

c) Ich fühle mich meiner Herkunftskultur eng verbunden. Nein

Item c) stimmen vier Testpersonen (TP 05, 06, 07, 14) „voll und ganz“, fünf Testpersonen (TP 01, 02, 04, 11, 13) stimmen „eher zu“. drei Testpersonen (TP 09, 12, 05) wählen hier die Antwortkategorie „teils, teils“ und drei Testpersonen (TP 03, 08, 10) „stimmen eher nicht zu“.

Fünf Testpersonen (TP 05, 06, 07, 09, 14) äußern, dass sie zwischen dieser Aussage und den vorherigen Aussagen keinen großen Unterschied ausmachen. Testperson 07 stutzt bei der Beantwortung und fragt: „Was war denn die erste Frage?“, woraufhin der Testleiter Item a) noch einmal vorliest. Die Testperson antwortet, „das ist doch dasselbe? Dann dieselbe Antwort. Ich hatte gleich das Gefühl, die will dasselbe wissen [Aussage a], hat aber eine andere Wortwahl“. Sie ergänzt noch, dass sich die Intentionen beider Aussagen bedingen: „Wenn ich mich mit etwas nicht verbunden fühle, bin ich dem auch nicht zugehörig und umgekehrt“.

Eine ähnliche Argumentation führen die fünf anderen Testpersonen bei der Nachfrage an, wieso sie sich für ihre jeweilige Antwortkategorie entschieden haben:

  • „Das ist im Grunde dasselbe.“ (TP 05)
  • „Das ist für mich dasselbe wie davor. Ich habe keinen Unterschied gemerkt in der Frage.“ (TP 06)
  • „Es ist dasselbe. Wie die erste Aussage.“ (TP 09)

Diese fünf Testpersonen (TP 05, 06, 07, 09, 14) wählten bei Aussage c) die gleiche Antwortkategorie wie zuvor bei Aussage a).

Die Reaktion von Testperson 01 verdeutlicht die als ähnlich empfundene Intention der verschiedenen Aussagen sehr gut: „Wieso ich mich zugehörig fühle?“ Sie greift also spontan die Formulierung von Aussage a) auf. Ferner berichtet sie im Anschluss, dass ihr eine Unterscheidung der Aussagen sehr schwer fiel, wobei sie der Aussage c) „eher“ zustimmt, der Aussage a) jedoch „voll und ganz“.

Drei Testpersonen (TP 02, 11, 13) stimmen Aussage c) „eher“ zu und beantworten sie ebenfalls genau wie Aussage a). Zur Begründung ihrer Antwortauswahl führt die Testperson 02 an, dass ein Teil von ihr „auf der italienischen Seite [ist] und deswegen habe ich mit eher geantwortet“. Das „nur“ eher zustimmen drückt demnach aus, dass sie der Verbundenheit zur deutschen Herkunftskultur aufgrund der italienischen Wurzeln ihres Vaters nicht voll und ganz zustimmen kann. Testperson 11 argumentiert, „allein schon durch die Eltern und durch die Familie fühlt man sich [mit der kurdischen Herkunftskultur] verbunden.“

Insgesamt fünf Testpersonen (TP 03, 04, 08, 10, 12) machen unterschiedliche Angaben für die Items a) und c).

Testperson 04 stimmt „eher zu“, „weil meine Eltern Chinesen sind, habe ich die Tendenz mich zu China hingezogen zu fühlen“.

Testperson 12 antwortet mit „teils, teils“ und bei der Erläuterung wird deutlich, dass wieder die wahrgenommene mangelnde Prägekraft der deutschen Kultur den Grund für die geringe Zustimmung zu den Aussagen darstellt: „Wenn man z.B. zusammen betet – ich habe einen Onkel, der in Dubai lebt. Und die beten 5-6 mal am Tag zusammen – da verbindet dann die Kultur mehr, wenn man was hat, was alle zusammen machemn, wie in Deutschland, wo man ganz frei ist, es ganz viele verschiedene Kulturen und Religionen gibt“.

Die Testpersonen 03, 08 und 10 antworten hier mit „stimme eher nicht zu“ und gehören wie die davor genannten Testpersonen 04 und 12 zu denen, die auf Item c) eine andere Antwort gegeben haben als auf Item a). Auf die Nachfrage hin, warum sie so geantwortet haben, folgen unterschiedliche Begründungen. Testperson 03 findet, dass „ich nicht mal genau sagen kann, was es für mich bedeutet. Dann fühle ich mich auch entsprechend nicht eng verbunden.“ Für Testperson 08 sind die Aspekte ihrer Herkunftskultur „nicht mehr so wichtig“ und sie „kann das jetzt aus Distanz sehen“. Testperson 10 kann Aussage c) nicht zustimmen, denn „wenn da jemand voll und ganz zustimmt, dann denke ich sofort an die Jungs, die in Leipzig bei der Pegida mitlaufen. Das ist das erste, was mir einfällt. Die sind arg mit ihrer Herkunftskultur verbunden. Die möchten alles dafür tun, dass ihre Kultur erhalten bleibt. Ich mag dieses Wort Herkunftskultur einfach nicht“.

Eine ähnliche Assoziation wird durch Frage 3 auch in Testperson 15 (Antwort: „teils, teils“), die beim Beantworten unangenehm berührt wirkt, geweckt. Sie begründet die Wahl ihrer Antwort damit, dass „ich nicht genau wusste, was will man hier von mir? Deswegen habe ich ein bisschen vorsichtig formuliert, weder klar „Ja“ noch klar „Nein“, um einfach noch in der Mitte zu sein“. Sie befürchtete, dass sie durch Zustimmung zu den Aussagen in die politisch rechte Ecke eingeordnet wird.

Die Testpersonen, deren Antworten von Aussage a) und c) unterschiedlich ausfielen, wurden gebeten zu schildern, worin ihrer Meinung nach der Unterschied zwischen den beiden liegt. Vier Testpersonen (TP 03, 04, 08, 10) definieren „Zugehörigkeit“ so, dass es ausreicht „hier geboren, hier aufgewachsen“ (TP 10) zu sein, um sich zugehörig zu fühlen. „Verbundenheit“ ist dahingegen durch eine emotionale Komponente gezeichnet: „Eng verbunden klingt für mich sehr emotional. […] Und stark zugehörig heißt, man gehört dazu. Man kann ja auch zu einer Gruppe gehören, also ich bin Deutscher, weil ich deutsch geboren wurde, und Herkunftskultur eng verbunden wäre ja emotional. Und ich kann zwar Deutsche sein und dazugehören, aber mich gar nicht damit verbunden fühlen“ (TP 03).

Testperson 12 würde nach genauerer Betrachtung beider Aussagen ihre Antwort auf Aussage a) revidieren und diese von „stimme eher zu“ zu „teils, teils“ abändern: „Ich würde bei dem stark zugehörig jetzt auch eher ‚teils, teils‘ angeben, wenn ich jetzt so darüber nachdenke. Das war so aus dem Gefühl heraus. Einen großen Unterschied gibt es zwischen den Aussagen nicht“.

Testperson 15 antwortet zwar unterschiedlich, „die Fragen machen für mich aber keinen Unterschied. Ob eng verbunden oder stark zugehörig, das ist für mich das Gleiche.“ Als Begründung für die abweichenden Antwortkategorien führt sie an, dass „die zweite Frage kam. Da habe ich noch mehr gebremst“. Sie fühlte sich – wie oben beschrieben – in die politisch rechte Ecke gedrängt.

Für die Hälfte der Testpersonen ist der einzige Unterschied zwischen den Aussagen a) und c) die Formulierungen der Items, ihre Intentionen sind die gleichen. Für vier Testpersonen besitzt die Formulierung von Aussage c) eine emotionale Färbung. Dies könnte auch der Grund sein, warum einige Testpersonen auf dieses Item ablehnend reagieren, wohingegen keine Testperson Aussage a) nicht zustimmt.