Item List
| Frage Thema | Item Text | Antwort Format | Konstrukt | Eingesetzte Kogn Techniken | Ergebnis |
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| H. Wenn ich meine derzeitige Stelle verlieren oder kündigen würde, wäre es für mich einfach, eine Stelle mit ähnlichem Gehalt zu finden. | Nein | Kognitive Interviews
Selbständige Befragte haben eine höhere kognitive Belastung, wenn sie Situationen herstellen, die sich auf die Frage beziehen, aber sie alle finden kohärente Antworten.
Ein selbstständiger Anwalt erwägt, wieder als Angestellter in einer Kanzlei zu arbeiten:
Ein Arzt stellt sich vor, eine neue Praxis als Selbständiger zu gründen oder als angestellter Arzt in eine Praxis einzutreten:
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| … sich gehetzt oder unter Zeitdruck fühlten? (SF-12_5a) | Nein | - | |||
| … starke körperliche Schmerzen hatten? (SF12_6) | Nein | Was verstehen die Testpersonen unter „starken körperlichen Schmerzen“? Die Frage bereitete den Testpersonen, die ein homogenes Verständnis von starken körperlichen Schmerzen hatten, keine Schwierigkeiten. Es waren zudem keine Unterschiede nach Sprache oder Herkunftsland erkennbar. Fünf Testpersonen erläuterten, dass bei ihnen starke Schmerzen häufig durch Verletzungen zustande kämen, vor allem durch Unfälle oder beim Sport (IR05, IR06, DA01, DA03, DA06). Vier Testpersonen definierten starke Schmerzen als körperliche Beeinträchtigung (DA04), die man dadurch erfahre, vor allem nicht laufen (SY01, SY04), stehen (SY01) oder aufstehen zu können (IR02). Ebenfalls vier Testpersonen erläuterten, wann Schmerzen ihrer Einschätzung nach als „stark“ zu bezeichnen seien. Dies sei der Fall, wenn man nicht schlafen könne (SY02, IR02), man davon ohnmächtig werde (IR03) oder man die Schmerzen ohne Medikamente nicht aushalte (DA05). Die meisten Testpersonen nannten in ihren Erläuterungen typische ortspezifische Schmerzen. Dazu gehörten Kopfschmerzen oder Migräne (SY03, IR01, DA02, DA03), Rückenschmerzen oder Probleme an der Bandscheibe (IR01, IR02, IR03), Schmerzen an der Hüfte, den Beinen, Gelenken, Knochen (z. B. durch einen Bruch) oder in der Brust (SY04, IR01, IR05, IR06, DA01), Schmerzen an inneren Organen, am Bauch oder in den Muskeln (SY02, SY03, DA03) sowie Zahnscherzen (SY03) und Schmerzen nach einer Operation (SY06). Zwei Testpersonen erwähnten zudem auch emotionale Schmerzen. Eine der iranischen Testpersonen bezog sich sogar ausschließlich auf den psychischen Schmerz, was für die Testperson aus persönlichen Gründen zum Zeitpunkt des Interviews ein wichtiges Thema sei (IR04). Eine dari-sprachige Testperson hingegen schien das Wort „körperlich“ überlesen zu haben und erläuterte zunächst, dass es äußere, innere und seelische Schmerzen gebe, die man alle berücksichtigen müsse (DA03). Auf die Nachfrage, ob alle Formen gemeint seien, bemerkte sie diesen Fehler und fokussierte sich ausschließlich auf körperliche Schmerzen. |
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| … sich niedergeschlagen und trübsinnig fühlten? (SF-12_12) | Nein | Was verstehen die Testpersonen darunter, sich „niedergeschlagen“ oder „trübsinnig“ zu fühlen? Von den arabischsprachigen Testpersonen erklärten sechs, dass es sich bei den Gefühlen Niedergeschlagenheit und Trübsinnigkeit um einen Druck handele, den man verspüre (SY04, SY05, SY06, IR01, IR03, IR05). Näher erläuterten sie, dass dieser Druck ein innerer (SY04, IR03) oder allgemeiner (IR01) bzw. ein Druck im Alltag (SY06) sei. Vier arabischsprachige Testpersonen setzten die Worte mit Depressionen bzw. sich depressiv zu fühlen gleich (SY03, SY04, SY05, IR04). Weitere Erläuterungen umfassten psychische Belastungen (IR02), psychische bzw. emotionale Probleme (IR01, IR04), das Empfinden von Stress (SY03) oder keine Ruhe zu haben (IR05). Es zeigten sich keine Unterschiede im Verständnis zwischen arabischsprachigen Testpersonen aus Syrien und dem Irak. Die darisprachigen Testpersonen nannten keine Synonyme für diese Gefühlslagen, mit Ausnahme von DA01, die auch deutsch sprach und von depressiv sprach. Stattdessen nannten die darisprachigen Testpersonen vermehrt (ebenso wie ein paar wenige arabischsprachige Testpersonen) Auswirkungen von Niedergeschlagenheit und Trübsinnigkeit. Diese Auswirkungen waren entweder von Rückzug oder innerer Unruhe gekennzeichnet. Eine Testperson erklärte, dass sie, wenn sie sich so fühle, keine Lust habe, sich zu bewegen oder zu arbeiten (SY01). Eine andere sagte, dass man keine Freude empfinde oder einem sogar Freude genommen werde (DA05). Eine weitere Testperson versuche, sich in solchen Fällen zurückzuziehen, und sei dann wenig gesprächig (DA02). Eine andere erklärte, dass sie manchmal so viel zu tun hätte, dass sie nicht mehr wisse, was sie als Erstes machen solle. Wenn sie letztendlich nichts erreicht habe, weil sie so viel im Kopf habe, fühle sie sich niedergeschlagen. Bei Trübsinnigkeit fühle es sich an, als ob jemand neben ihr sitze und sie derart festhalte, dass sie nichts machen könne (IR02). Zuletzt erklärte eine Testperson, dass Niedergeschlagenheit oder Trübsinnigkeit für sie sei, wenn man sich ärgere und diese Stimmung über den Tag verteilt nicht wegginge (DA01). Als Auslöser dieser Probleme wurden am häufigsten das Heimweh nach dem Herkunftsland, die Sehnsucht nach und die Sorge um das Wohlergehen der Familie und die Angst, ob man sie wiedersehen würde, genannt (SY03, SY06, IR03, DA02, DA05). Ebenfalls häufig genannt wurde die Frustration, wenn man nicht vorankomme, Ziele nicht erreiche oder andere Hindernisse erfahre (SY02, SY03, DA01, DA04). Zudem nannten die Testpersonen arbeitsbezogene Probleme bzw. das Problem, keine Arbeit zu haben oder die Arbeitsstelle verloren zu haben (SY01, IR04, DA02). Zwei Testpersonen nannten als einzige Auslöser von Niedergeschlagenheit und Deprimiertheit körperliche Schmerzen (IR06, DA06). Möglicherweise ist dies auf das direkt vorangegangene Item zum Thema Schmerzen zurückzuführen. |
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| ... jede Menge Energie verspürten? (SF-12_10) | Nein | - | |||
| … wegen seelischer oder emotionaler Probleme in Ihrer Arbeit oder Ihren alltäglichen Beschäftigungen weniger geschafft haben, als Sie wollten? (SF-12_8) | Nein | Was verstehen die Testpersonen unter „seelischen und emotionalen Problemen“? Vier Testpersonen (über beide Sprachen und alle drei Herkunftsländer hinweg) unterschieden explizit zwischen seelischen bzw. psychischen Problemen einerseits und emotionalen Problemen andererseits (SY03, SY06, IR03, DA06). Dabei bezogen sie emotionale Probleme auf die familiäre Bindung, das Familienleben oder auf persönliche Beziehungen. Zwei dieser Testpersonen erläuterten, dass sie glücklich verheiratet seien und daher keine emotionalen Probleme hätten (SY03, SY06). Eine weitere erläuterte, dass sie aktuell unter emotionalen Problemen leide, weil ihr Ehepartner erkrankt sei (IR03). Seelische oder psychische Probleme definierten sie etwas heterogener. Eine Testperson sprach von psychischen Problemen aufgrund der Erfahrungen im Heimatland, die zur Flucht führten (SY03). Eine andere blieb vage, schien sich aber auf psychische Erkrankungen zu beziehen (IR03). Jeweils eine Testperson sprach von Heimweh (SY06) und Diskriminierung bzw. mangelnder Beachtung (DA06) als seelische Probleme. Die Erläuterungen deuten darauf hin, dass die Frage zumindest von einzelnen Testpersonen als doppelter Stimulus wahrgenommen worden ist; allerdings äußerte keine der genannten Testpersonen, Probleme mit der Frage gehabt zu haben. Insgesamt erwähnten vier weitere Testpersonen körperliche Probleme, die zur Beeinträchtigung ihrer Arbeit oder alltäglicher Beschäftigungen führten. Von diesen definierte eine Testperson selbst auf Nachfrage hin seelische Probleme ausschließlich als körperliche Probleme (SY05). Es sei angemerkt, dass diese Testperson generell im gesamten Interview Leseschwierigkeiten und Verständnisprobleme zeigte. Eine weitere Testperson erklärte beim Ausfüllen der Frage, dass sie gesundheitliche Probleme habe, die ihre Arbeit beeinflussten, und dass sie daher mit „immer“ geantwortet habe (IR03). Allerdings erläuterte sie auf Nachfrage hin, was sie unter seelischen und emotionalen Problemen verstehe, was darauf hindeutet, dass sie die Ausrichtung des Items beim ersten Lesen und Beantworten eher überflogen hatte. Die dritte Testperson gab an, unter seelischen Problemen sowohl körperliche als auch psychische Belastungen zu verstehen, wobei in ihrem Fall die psychische Belastung aufgrund ihrer familiären Situation auch körperliche Auswirkungen wie Bauchschmerzen habe (IR02). Die vierte Testperson erwähnte zunächst seelische Probleme und wollte danach von körperlichen Problemen erzählen (SY03). Der Dolmetscher intervenierte allerdings und wies die Testperson darauf hin, dass es um seelische Probleme gehe. Eine Testperson beantwortete die Frage nicht, weil sie derzeit keine Arbeit habe und der Ansicht sei, dass die Frage daher nicht auf sie zutreffe (DA03). Selbst die Nachfrage des Interviewers, ob sie den Zusatz „alltägliche Beschäftigungen“ gesehen habe, überzeugte die Testperson nicht davon, dass sie diese Frage ausfüllen könne. Arbeit sei für sie eindeutig auf Berufstätigkeit bezogen. Zu-dem habe sie in den letzten vier Wochen keine Beeinträchtigung aufgrund seelischer oder emotionaler Probleme erfahren, obgleich sie sich selbst attestierte, unter solchen zu leiden. Eine andere Testperson erläuterte hingegen, dass sie aktuell Hausfrau sei und ihre alltägliche Beschäftigung somit ihre Kinder seien, auch wenn dies keine Arbeit darstelle (DA05). Sie hatte keine Probleme, die Frage zu verstehen oder auf ihre Lebensumstände anzuwenden. Keine der Testpersonen verstand das Wort „seelisch“ im religiösen Kontext. |
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| Sich die meiste Zeit unglücklich, traurig oder deprimiert fühlen (2) | Nein | Was verstehen die Testpersonen darunter, sich „unglücklich, traurig oder deprimiert“ zu fühlen? Während alle Testpersonen aus dem Irak angaben, sich „moderat“ oder sogar „ziemlich“ unglücklich, traurig oder deprimiert zu fühlen, gaben die Testpersonen aus Syrien an, dass dies „überhaupt nicht“, „wenig“ oder „moderat“ zutreffe. Die Testpersonen aus Afghanistan nutzten die gesamte Bandbreite an Antworten, wobei „wenig“ die am häufigsten gewählte Antwortkategorie war und somit eher den syrischen Testpersonen glich. Ein weiterer Unterschied zwischen den Testpersonen aus dem Irak einerseits und aus Syrien und Afghanistan andererseits lag darin, dass ausschließlich Testpersonen aus Syrien und Afghanistan (SY01, SY02, SY04, DA05, DA06) einen deutlichen Unterschied zwischen „unglücklich/traurig“ einerseits und „deprimiert“ andererseits machten. Dabei wurde Traurigkeit als etwas beschrieben, was durch ein äußeres Ereignis verursacht werde (SY01), wie beispielsweise durch Krieg sein Haus oder seine Heimat (SY01, SY02) oder auch eine wichtige Person zu verlieren (SY03, SY04). Traurigkeit sei ein negatives Gefühl, wenn man keine Freude empfinde (DA05), aber ein eher kurzfristiges Gefühl (DA06). Deprimiertheit hingegen sei ein stärkeres negatives Gefühl als Traurigkeit (DA05), das eher mit einer Depression gleichzusetzen (DA06), und vor allem anhaltender als Traurigkeit sei (SY02, DA06). Zudem werde Deprimiertheit nicht durch äußere Ereignisse hervorgerufen, sondern man trage es in sich (SY01). Eine Testperson erklärte, Traurigkeit empfinde man, wenn man jemanden verliere, wohingegen man Deprimiertheit empfinde, wenn man grundsätzlich niemanden habe (SY04). Für eine Testperson aus Afghanistan enthielt das Item sogar einen doppelten Stimulus. Sie selbst sei zwar öfter traurig, aber überhaupt nicht deprimiert, und wisse daher nicht, wie sie antworten solle (DA06, Antwort: keine Angabe). Keine der Testpersonen aus dem Irak machte explizit diese Unterscheidung zwischen Traurigkeit/Unglücklichsein und Deprimiertheit, und alle verwendeten alle drei Begriffe synonym in ihren Erläuterungen. Trotz dieser Unterschiede nannten die Testpersonen aus allen drei Ländern ähnliche Auslöser und auch Auswirkungen der Gefühle, so dass das Item als Ganzes über alle drei Herkunftsländer hinweg gleich verstanden wurde. Zustände, in denen man sich „unglücklich, traurig oder deprimiert“ fühle, wurden oft im Zusammenhang mit dem sozialen Umfeld geschildert. So ging es manchen Testpersonen um den Verlust von Familienmitgliedern (SY03, SY04), anderen dagegen um den Zustand des Alleinseins (SY04, IR01) und der Einsamkeit (SY02, DA02). Von einer Testperson wurde die Distanz zur Familie angesprochen, die sich im Herkunftsland befinde (IR06). Sich nicht in Deutschland integrieren zu können (aktuell aufgrund der Corona-Pandemie; SY06) und allgemeine Ungewissheit bezüglich der Zukunft (IR02, IR04) wurden ebenfalls als Anlässe genannt. Zu den genannten Auswirkungen gehörten Gefühle der Unruhe (DA02), aber auch das Bedürfnis, sich in sich zurückzuziehen (DA05). |
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| Sich ruhelos fühlen, nicht stillsitzen können (8) | Nein | Wie verstehen die Testpersonen darunter, „nicht stillsitzen“ können? Über beide Sprachen und alle drei Herkunftsländer hinweg zeigten die Testpersonen ein gutes und sehr homogenes Verständnis des Items. Die einzige Ausnahme stellte eine Testperson aus Syrien (SY05) dar, welche den ersten Teil des Items „sich ruhelos fühlen“ nicht verstand. Zudem konnte sie sich ausschließlich körperliche Ursachen für „nicht stillsitzen können“ vorstellen. Diese Testperson zeigte mehrfach Verständnisprobleme im Laufe des Interviews. Alle anderen Testpersonen verstanden das Item im intendierten Sinne, dass sich innere Unruhe körperlich ausdrücken könne, so dass man nicht mehr stillsitzen könne. Zwischen den Herkunftsländern zeigten sich kaum Unterschiede bezüglich der genannten Auslöser und Auswirkungen dieses Gefühls. Die Testpersonen umschrieben den Gefühlszustand hauptsächlich als Unruhe (SY02, SY05, DA02, DA03), Aufregung (DA01) oder Nervosität (SY03, IR04, IR05). Die Gründe für Ruhelosigkeit oder „nicht stillsitzen können“ sahen die arabischsprachigen Testpersonen aus Syrien und dem Irak eher in psychischen Aspekten, wie Trauer (SY06) oder einem inneren Druck (IR01, IR02). Die Testpersonen aus Afghanistan schilderten zudem Aspekte rund um die Arbeit, wie Arbeitslosigkeit (DA02) oder erfolglose Bewerbungen (DA03), sowie familiäre Probleme (DA02) und Lebensumstände (DA04, DA05). Nur eine Testperson erklärte, dass Gefühl der Ruhelosigkeit, zumindest in ihrem Fall, vor allem auf persönliche Veranlagung zurückzuführen sei (SY02). |
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| Leicht weinen zu müssen (9) | Nein | Wird die Frage danach, „leicht weinen zu müssen“, als unangenehm empfunden? Bei der Übersetzung des Items ins Arabische und Dari wurden aufseiten der Übersetzer Befürchtungen geäußert, dass die Übersetzung im Sinne von „weinerlich“ oder sogar „Weinen vorzuspielen“ aufgefasst werden und die Frage den Testpersonen unangenehm sein könne. Die kognitiven Interviews enthielten Anzeichen dafür, dass insbesondere die arabischsprachigen Testpersonen das Item als unangenehm empfanden oder zumindest beim Beantworten sichergehen wollten, dass sie sich selbst nicht als weinerlich darstellten. Diese Fälle werden im Folgenden erläutert. Zwei Testpersonen ließen das Item unbeantwortet (SY05, IR05). Beide erklärten spontan, dass sie die Frage nicht verstehen würden. SY05 wollte wissen, ob es um sie selbst ginge oder allgemein um andere Menschen. Obgleich sie allgemein antworten sollte, gab sie als Antwort, solche Situationen nicht zu kennen. Auf die Nachfrage, ob sie sich vorstellen könne, wieso jemand anderes angeben könnte, leicht weinen zu müssen, antwortete sie, dass dies wohl mit der Psyche dieser Person zu tun habe. Die Testperson schien jede Auseinandersetzung mit dem Thema Weinen vermeiden zu wollen. IR05 erklärte, dass sie schnell weinen müsse, wenn sie etwas störe, was einen Freund oder Familienangehörigen betreffe, vor allem aber sei es so, dass manche Menschen grundsätzlich schnell weinen würden. Sie entschied sich dafür, die Frage unbeantwortet zu lassen. Zwei weitere Testpersonen, die die Frage mit „überhaupt nicht“ beantworten, gaben ebenfalls spontan Verständnisprobleme an (SY01, SY03). So bemerkte eine Testperson, dass sie die Frage nicht verstehe, und fragte, was sie denn zum Weinen bringen sollte (SY03). Bilder und Videos, die ihre Heimat unter Beschuss zeigten, brächte sie natürlich zum Weinen, sonst geschehe dies aber nicht. Schließlich vergewisserte sich eine vierte Person, ob es sich um Tränen der Freude oder der Trauer handele (SY01). Sie entschied selbst, dass es um Tränen aus Traurigkeit gehe. Des Weiteren erklärte eine Testperson, dass Tränen zu zeigen, ein Zeichen von Schwäche sei (SY02, Antwort: wenig). Die restlichen sieben arabischsprachigen und alle darisprachigen Testpersonen schienen, die Frage nicht als unangenehm zu empfinden. Dabei stellten verstärkt die arabischsprachigen Testpersonen ihre Persönlichkeit und Veranlagung zum Weinen in den Mittelpunkt ihrer Antworten. So erklärten vier arabischsprachige Testpersonen, dass sie sich selbst als sehr emotional und einfühlsam beschreiben und deswegen leichter weinen würden (SY04, SY06, IR01, IR03). Anlässe dafür seien, wenn sie andere Menschen weinen sähen (SY04), wenn sie mitbekämen, dass es anderen schlecht gehe, weil sie ihre täglichen Aufgaben nicht schafften (IR01), bei Filmen oder Serien (SY04, SY06) oder auch, um ihre Gefühlslage auszudrücken (IR03). Eine weitere Testperson sagte von sich, dass es ihr grundsätzlich sehr schwer falle zu weinen, insbesondere vor anderen Menschen (IR02). Die Testpersonen aus Afghanistan bezogen in ihre Erklärungen hingegen stärker konkrete Situati-onen ein, die sie leicht zum Weinen brächten. So erklärten zwei Testpersonen, dass dies vor allem durch Erinnerungen und Nachrichten aus ihrer Heimat (DA02, DA03, DA05) oder zwischenmenschliche Konflikte (DA03, DA05) ausgelöst werde. Über beide Sprachen hinweg bezog sich nur eine Testperson (DA02) in ihrer Antwort explizit auf den Zeitraum der letzten vier Wochen. Zusammenfassend wurde das Item von mehreren Testpersonen als unangenehm empfunden; zudem verstanden mehrere Testpersonen das Item so, dass es um ihre allgemeine Disposition zum Weinen ginge. Wenn der Gesundheits-Screener erfassen soll, ob die Befragten in den letzten vier Wochen häufiger als sonst schnell weinen mussten, sollte dies in der Itemformulierung herausgestellt werden. |
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| Ein Trauma (seelische Verletzung) aus der Vergangenheit wieder zu erleben; mich zu verhalten oder zu fühlen, als würde es jetzt wieder passieren (10) | Nein | Was verstehen die Testpersonen unter dem Begriff „Trauma“? Das Wort Trauma bereitete nur einer Testperson aus Afghanistan Probleme, die das Wort zwar kenne, aber im Sinne eines körperlichen Traumas aus dem medizinischen Bereich (DA03). Diese Testperson fragte spontan nach, wie das Wort zu verstehen sei, weil ihr auffalle, dass die Erläuterung als „seelische Verletzung“ in Klammern dahinter in Kontrast zu ihrem Begriffsverständnis stehe. Alle anderen Testpersonen konnten den Begriff problemlos definieren. Ein Trauma bestehe dann, wenn Ereignisse aus der Vergangenheit einen negativen Einfluss auf die Zukunft hätten (SY01) bzw. man durch die Vergangenheit psychisch beeinträchtigt sei (DA05, DA06). Negative Empfindungen seien dann ein Trauma, wenn man ihnen nicht entgehen könne, sondern die Gedanken immer wieder um sie kreisen (SY02). Traumata seien Ereignisse, die man sich nicht erklären könne (IR02). Die Testpersonen nannten vielfältige Ereignisse, die Traumata auslösen könnten. Am häufigsten wurden Erlebnisse aus der Heimat genannt, die zur Flucht geführt hatten (SY03, SY05, IR03, IR04, IR06, DA02, DA03), oder die Flucht selbst (SY02, DA02, DA03). Zu den geschilderten Ereignissen gehörten in Syrien der Beschuss von Zivilisten durch die Luftwaffe und der Anblick der Toten sowie der ungeklärte Verbleib von Verwandten (SY03, SY05). Die Testpersonen aus dem Irak erzählten, dass sie Mordtaten miterlebt hätten sowie Taten des IS und der Al-Quaida und dass Terroristen in ihren Wohnort gekommen waren und junge Menschen entführt hätten, die nie zurückgekehrt seien (IR03, IR06). Neben den fluchtbezogenen Aspekten wurde als häufigster Auslöser eines Traumas der Verlust wichtiger Menschen (bspw. der Eltern oder der eigenen Kinder) genannt, insbesondere von Testpersonen aus Syrien (SY02, SY03, SY04, SY05, SY06, IR01). Zwei Testpersonen nannten berufliche Ereignisse als mögliche Auslöser von Traumata (SY01, DA03), wie eine Kündigung oder der Frust darüber, in Deutschland keine Arbeit zu finden. Zudem könne die familiäre Situation in der Ehe, Verrat oder Fremdgehen bis hin zur Trennung (SY01, IR01, IR04) ein Trauma auslösen. Der Grund für Traumata könne zuletzt auch in der Kindheit liegen (DA04). Wie kommen die Testpersonen zu ihren Antworten? Fünf Testpersonen gaben an, „ziemlich“ oder „extrem“ darunter zu leiden, Traumata aus der Vergangenheit wiederzuerleben. Die Erläuterungen dreier dieser Personen zeugten davon, dass sie unter einem Wiedererleben vergangener Situationen litten, das deutlich über ein reines Erinnern hinausging. Eine Testperson aus dem Irak hatte erlebt, wie Terroristen in ihren Heimatort im Irak gekommen waren und junge Menschen entführt hatten, die nie zurückkehrten. Daran müsse sie beim Einschlafen denken. Diese Erinnerungen bereiteten ihr noch immer solche Angst, dass sie befürchte, ihr könnte es auch so ergehen (Antwort: extrem). Eine andere Testperson erklärte, dass Erinnerungen aus der Heimat in ihrem Kopf „herumschwirrten“, als würden sie jetzt passieren (IR03, Antwort: extrem). Die dritte Testperson erklärte, dass sie ihre Erinnerungen sogar verstärkt beschäftigten, seitdem sie in Deutschland sei (IR04, Antwort: ziemlich). Bei den anderen beiden Testpersonen blieb unklar, ob sie traumatische Ereignisse wiedererlebten, als würden sie jetzt passieren, oder ob sie „lediglich“ oft und intensiv an diese Ereignisse denken mussten. Eine dieser Testpersonen fragte spontan nach, wie es zu verstehen sei, dass etwas einem vorkomme „als würde es jetzt wieder passieren“ (SY05). Sie verstehe darunter Trauer oder Leid und habe an den ungeklärten Verbleib von Verwandten und den Tod eines Elternteils gedacht, was sie sehr be-schäftige. Die zweite Testperson habe an die Trennung der eigenen Familie gedacht, die sie in eine tiefe Krise gestürzt habe (IR05). In beiden Fällen litten die Testpersonen unter traumatischen Ereignissen, die ihr aktuelles Leben stark beeinflussten. Auf der anderen Seite der Antwortskala gaben vier Testpersonen an, Traumata aus der Vergangenheit „wenig“ wiederzuerleben. Zwei davon erklärten, dass sie früher stärker unter wiederkehrenden Traumata gelitten hätten. Eine Testperson sei im Laufe ihres Lebens wiederholt traumatisiert worden und hätte diese Situationen bis vor etwa einem Jahr innerlich immer wiedererlebt. In den letzten Monaten habe sie mithilfe eines Psychiaters daran arbeiten können, weswegen sie „wenig“ als Antwort (IR02) angebe. Eine andere Testperson erklärte, sie müsse inzwischen nicht mehr nur an negative Ereignisse in und in einer traurigen Stimmung an ihre Heimat denken, sondern könne sich wieder an schönen Erinnerungen erfreuen (SY06). Sechs Testpersonen gaben an, Traumata „überhaupt nicht“ wiederzuerleben, wovon zwei erklärten, dass sie in ihrer Heimat traumatische Ereignisse erlebt hätten; solche Ereignisse würde sie aber nicht so leicht mitnehmen (SY01) bzw. hätte sie damit inzwischen abgeschlossen (SY02). Die anderen Testpersonen gaben an, keine Traumata erlebt zu haben (DA01, DA04, DA05, DA06). An welche Zeiträume denken die Testpersonen beim Beantworten der Frage? Zur Beantwortung des Items mussten die Testpersonen zwei Zeitspannen beachten: Zum einen fragte Item 10 vage nach einem Trauma „aus der Vergangenheit“; zudem sollten die Testpersonen angeben, ob sie ein solches Trauma „in den letzten vier Wochen“ wiedererlebt hatten. Bezüglich der Formulierung „aus der Vergangenheit“ gaben sieben Testpersonen an, dass sie sich ausschließlich auf die Zeit in ihrem Heimatland und ihre Flucht beziehen würden (SY03, SY06, IR03, IR04, IR06, DA01, DA02), während sechs Testpersonen erklärten, dass sich die Frage auf ihr ganzes Leben beziehe, von der Geburt bis zum gestrigen Tag (SY01, SY02, SY04, IR02, DA03, DA06). Zwei Testpersonen aus dem Irak bezogen die Frage ausschließlich auf die nähere Vergangenheit in Deutschland und nannten einen Zeitraum von maximal zwei Jahren (IR01, IR05). Eine Testperson war zudem der Ansicht, dass es in erster Linie um die Kindheit gehe (DA04). Ungeachtet der verschiedenen Zeitspannen bezogen die Testpersonen alle potenziell traumatisierenden Ereignisse aus ihrem Leben ein. Mehrere Testpersonen erklärten zudem, dass sie inzwischen seltener Traumata wiedererleben würden, was darauf hindeutet, dass sie die Frage auf ihre aktuelle Situation der letzten vier Wochen bezogen haben. Es gab keine Unterschiede bezüglich der genannten Zeiträume nach Sprache oder Herkunftsland. |