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Frage Thema Item Text Antwort Format Konstrukt Eingesetzte Kogn Techniken Ergebnis
D. Generell hat meine Firma mehr als einen Kunden oder Klienten. Nein Kognitive Interviews

DE09 weist darauf hin, dass diese Frage für einige Freiberufler heikel sein könnte, da eine Antwort mit "Nein" wie eine verschleierte Anstellung und damit halblegal erscheinen mag.
A. von der Arbeit der Kollegen? Nein
B. von direkten Anforderungen von Personen wie z. B. Kunden, Fahrgästen, Schülern/Studenten, Patienten usw.? Nein
C. von vorgegebenen Produktions- oder Leistungszielen Nein In Deutschland stimmen die Arbeitnehmer eher zu, dass ihre Arbeit von Produktions- und Leistungszielen abhängt, als dass sie anderer Meinung sind; bei den Selbständigen ist das Gegenteil der Fall. In Polen geben abhängig Beschäftigte und Selbständige identische Antworten auf diese Frage, wobei mehr als die Hälfte aller Befragten zustimmen, dass dies der Fall ist.

Die Art der von den Befragten genannten Ziele kann in mehrere unterschiedliche Kategorien unterteilt werden (siehe Tabelle 2). Die Einhaltung von Fristen oder ein bestimmtes erforderliches Arbeitstempo werden von 20% (n=31) der Befragten genannt, die mit Ja antworteten - dies wird von Selbständigen etwas häufiger genannt als von Angestellten. Verkaufsbezogene Ziele werden von 14% genannt (n=22). Andere numerische Ziele, wie Produktionszahlen, Aufträge oder allgemeine KPIs werden von 29% (n=45) genannt - diese werden mit größerer Wahrscheinlichkeit von den Angestellten genannt. Aber auch allgemeine Ziele, wie "die Arbeit erledigen" und andere Ziele, die nicht unbedingt als numerisch bezeichnet werden können, werden von 32% (n=50) der Befragten genannt.

Die Unterschiede im Antwortverhalten können eine Folge der Übersetzung sein. Der englische Fragebogen spricht von "numerischen" Zielen - die polnische Übersetzung von "quantitativen" Zielen und die deutsche von "gesetzten" oder "vordefinierten" Zielen. Dementsprechend nannten deutsche und polnische Befragte als Antwort auf die Probingfragen weitere Beispiele für "targets" (Anzahl der genannten Beispiele: UK 39; DE 54; PL 55).

Beispiele für Fristen / arbeitstempobezogene numerische Ziele:
  • Ich muss Fristen einhalten.“ (R13UK, Selbständiger)
  • Pünktlich ernten und liefern.“ (R315PL, Selbständiger)
  • Ich muss mich an Fristen halten, egal ob sie vom Gesetz oder vom Kunden gefordert werden.“ (R371DE, Selbständiger)
  • Anrufbearbeitungszeiten.” (R83UK, Angestellter)
Beispiele für verkaufs- und umsatzbezogene Ziele:
  • Umsatzziele.” (R71UK, Mitarbeiter)
  • Kommissionen.” (R378UK, Angestellter)
  • Verantwortung für die Einnahmen.“ (R325DE, Selbständiger)
Beispiele für andere numerische Ziele:
  • Eine Fabrik, in der wir am Fließband arbeiten.“ (R367DE, Angestellter)
  • Erfüllung der Caseload-Ziele.“ (R247UK, Angestellter)
  • Die Menge der Bestellungen und Reparaturen.“ (R594PL, Selbständiger)
Beispiele für andere Ziele:
  • Sich um die Kunden kümmern.“ (R85PL, Angestellter)
  • Meinen Kunden bei Laune halten.“ (R232UK, Selbständiger)
  • Fertigstellung der Software, die ich entwickle.“ (R352DE, Selbständiger)
Mehrere Befragte, die mit "nein" oder "nicht zutreffend" antworten, geben jedoch an, dass sie keine numerischen oder Produktionsziele haben, weil sie keine Produkte herstellen oder nicht für den Verkauf verantwortlich sind:
  • Ich arbeite nicht an einem Fließband.“ (R1199PL, Selbständiger)
  • Verkaufsziele - nicht anwendbar.“ (R187UK, Selbständiger)
D. Generell hat meine Firma mehr als einen Kunden oder Klienten. Nein -
E. von der direkten Kontrolle Ihres Vorgesetzten? Nein
a. Unruhestifter sollten deutlich zu spüren bekommen, dass sie in der Gesellschaft unerwünscht sind. Nein

Wie interpretieren die Befragten den Begriff „Unruhestifter“?

Die Hälfte der Testpersonen stimmte der Aussage „eher“ (n = 3) oder „voll und ganz“ (n = 2) zu, zwei Testpersonen verorteten sich bei der mittleren Antwortkategorie und drei Testpersonen stimmten der Aussage „eher nicht“ (n = 2) oder „überhaupt nicht“ zu (n = 1), so dass eine leichte Tendenz in Richtung Zustimmung zu verzeichnen ist.

Unter der Bezeichnung „Unruhestifter“ verstand die Mehrheit (n = 6) der Testpersonen Verbrecher, Straftäter, Querulanten, Aktivisten und gewaltbereite Demonstranten:

  • „Verbrecher, Räuber. Daran habe ich gedacht. Oder Leute, die andere aufwiegeln.“ (TP 07)
  • „Die Leute, die aufhetzen, Panik machen. Oder gerade mit der Querdenker-Bewegung. Das sind für mich Unruhestifter. Oder mit den Corona-Gegnern.“ (TP 08)
  • „Unruhestifter sind für mich Gesetzesbrecher. Das sind für mich die Leute, die sich heute oder gestern mit heller Begeisterung an irgendwelche Autobahnen gekettet haben.“ (TP 09)
  • „Leute mit revolutionären Umtrieben, die auf die Straße gehen.“ (TP 10)

Ein anderer Teil der Testpersonen (TP 03, 04, 06, 09) fand den Begriff „Unruhestifter“ unklar/unpräzise und sei beim Beantworten der Frage selbst darüber gestolpert:

  • „Also, der Begriff Unruhestifter ist schwierig zu fassen, auch die Begrifflichkeit, dass jemand unerwünscht ist, ist schwierig zu fassen. Man versteht direkt, dass vielleicht jemand abgeschoben werden sollte. […] Ich weiß nicht, ob das die Frage wirklich abbildet, was sie gerne hätte.“ (TP 03)
  • „Eben, darüber bin ich ja gestolpert. Unruhestifter – das kann ja alles Mögliche sein. Das können ja irgendwelche ganz kriminellen Straftäter sein oder welche, die nur für Unruhe sorgen. Das können leichte Delikte sein. […]“ (TP 06)

Zum größten Teil wurden unter der Bezeichnung „Unruhestifter“ Personen verstanden, die sich außerhalb der demokratischen Regeln befinden, aber es wurden auch Personen, die sich innerhalb der demokratischen Regeln bewegen, genannt. Dabei hatte das Verständnis des Begriffs keinen systematischen Einfluss auf die Beantwortung der Frage.

b. Ein starker Führer ist gut für Deutschland, auch wenn er sich nicht immer an die Regeln hält, um die Dinge voranzubringen. Nein

Die Mehrheit der Testpersonen stimmte der Aussage „überhaupt nicht“ (n = 7) oder „eher nicht“ (n = 1) zu, jeweils eine Testperson verortete sich bei der mittleren Antwortkategorie oder stimmte der Aussage „eher“ zu.

Acht Testpersonen erwähnten bei der Nachfrage, was sie unter einem „starken Führer“ verstünden, den Bezug zur NS-Zeit und zu Hitler:

  • „Da hätte ich jetzt an den Adolf Hitler gedacht.“ (TP 02)
  • „Bei dem Begriff ‚Führer‘ kann man, glaube ich, nicht anders, als dass man ans Dritte Reich denkt.“ (TP 04)
  • „‚Starker Führer‘ ist in Deutschland ein bisschen problembelastet. Damit rutschen Sie gleich in die rechte Ecke. Das kann aber genauso gut ein starker linker Führer sein.“ (TP 09)

Darüber hinaus verstanden die Testpersonen unter einem „starken Führer“ eine Führungsperson oder einen (undemokratischen) Anführer, v. a. in der Politik, aber auch generell:

  • „Jemand, der eine Personengruppe oder Institution und alles Mögliche, was es sonst noch so gibt, besonders gut leiten [und] anführen kann.“ (TP 03)
  • „Man kann es auch verstehen als Anführer. […] Wenn da ‚Führer‘ steht und dann ‚auch wenn er sich nicht immer an die Regeln hält, um Dinge voranzubringen‘, dann denke ich direkt an eine Führungsperson, wie zum Beispiel [eine] Kanzlerin, die sich nicht an die Grundgesetze […] [oder] Verfassung hält.“ (TP 04)
  • „Ein starker Führer wird ja direkt erklärt, was damit gemeint ist, in dem Kontext. Also, dass auch Regeln gebrochen werden können. Deswegen einen undemokratischen Führer.“ (TP 05)

Vier Testpersonen äußerten zudem den Wunsch nach einer anderen Formulierung:

  • „Vielleicht könnte man das ändern mit dem ‚Führer‘. Irgendwas mit einer ‚starken Führungskraft‘ vielleicht, weil, wenn man jetzt ‚Führer für Deutschland sieht‘, man halt direkt an den Hitler denkt.“ (TP 01)
  • „Gefällt mir nicht so sehr, der Ausdruck. Ein starker Führer ist schon gut für Deutschland, wenn […] [er] wirklich Dinge in die Hand nimmt, ob das der Klimawandel ist oder dass es […] den mittleren und unteren Schichten besser geht […]. Wenn er sich nicht immer an die Regeln hält, ist das auch O. K., wenn er wirklich Dinge voranbringen kann. […] Aber in dem Fall ist es mir zu allgemein formuliert, weil es auch in die andere Richtung gehen kann.“ (TP 08)
c. Die Wertvorstellungen von Leuten wie mir werden in der Gesellschaft immer unwichtiger. Nein

Alle Testpersonen wählten, relativ ausgeglichen, eine der drei mittleren Antwortkategorien aus. Ein Drittel stimmte der Aussage „eher“ zu (n = 3), das zweite Drittel wählte die Antwortkategorie „teils/teils“ (n = 3) und das letzte Drittel stimmte der Aussage „eher nicht“ zu (n = 4).

Unter „Leuten wie ich“ verstand die Mehrheit der Testpersonen den Otto Normalverbraucher, der aus der gesellschaftlichen Mitte stammt, mit durchschnittlichem Einkommen:

  • „Jemand der aus der gesellschaftlichen Mitte kommt […]. Komischerweise bezieht man das relativ schnell auf die Gehaltsgruppe, in der man sich befindet, glaube ich. Wobei ich, je nach Lebenssituation, vielleicht auch auf andere Dinge beziehen würde. […] Jetzt aktuell hätte ich das, die Gruppe, aus der ich komme, darunter gefasst.“ (TP 03)
  • „Normalbürger, ganz einfach Durchschnittsbürger, Normalverdiener.“ (TP 07)
  • „Leute wie ich. Ich gehe mal von mir aus, dass ich Mittelschicht bin, ein normaler Bürger, ein unbescholtener Bürger. Leute, die genauso unbescholten sind wie ich. Ihrer Arbeit nachgehen, ihr Lohn und Brot verdienen und das Beste daraus machen.“ (TP 08)

Darüber hinaus fasste ein Teil der Testpersonen dieselben weltpolitischen Einstellungen sowie ihre Altersgruppe darunter:

  • „[Leute], die ungefähr meine Wertvorstellungen haben. Auch im erweiterten Sinne. Leute, von 20 bis 40, die politisch links orientiert sind und sich um das Klima sorgen.“ (TP 04)
  • „‚Leute wie ich‘ sind dann eher Leute wie ich, die eher liberal eingestellt sind und auf Solidarität achten.“ (TP 05)

Zwei Testpersonen äußerten ihre Unklarheit darüber, was mit Wertvorstellungen und der Aussage an sich gemeint sei:

  • „Ich bin nicht sicher, ob jeder mit dem Begriff Wertvorstellungen so viel anfangen kann, wenn das nicht aufgeführt wird. Ich könnte mir vorstellen, dass es da sehr viele unterschiedliche Vorstellungen gibt, was Wertvorstellungen heutzutage meint in der Gesellschaft. Und das betrifft ja auch den Begriff ‚gleiche Werte‘, auch wenn es schwierig ist, es unter einen anderen Begriff zu fassen.“ (TP 03)
  • „Finde ich eine komische Frage. Weil ich das Gefühl habe, dass die Wertvorstellungen in der individualpolitischen Gesellschaft immer wichtiger werden und Meinungen ja immer auch polarisierender vertreten werden. Ich würde mich fragen, wofür. Ich kann die Frage nicht richtig beantworten. Ich weiß nicht, was mit unwichtig gemeint ist. Weil ich schon sagen würde, dass die Wertvorstellungen, die ich habe, für die Gesellschaft immer wichtiger sind und auch andere Meinungen wichtig sind, aber ob sie dann was in der Gesellschaft bewirken oder wie die anderen Personen in der Gesellschaft das sehen, weiß ich nicht.“ (TP 04)
d. Die normalen Bürger teilen die gleichen Werte und Interessen. Nein

Vier Testpersonen stimmten der Aussage „eher nicht“ (n = 3) oder „überhaupt nicht“ (n = 1) zu, vier weitere stimmten ihr „teils/teils“ zu, eine Testperson stimmte der Aussage „eher“ zu und eine weitere sagte, dass sie keine Angabe machen könne: „‚Die normalen Bürger‘ – […] das ist einfach nur saudumm. Das kann ich nicht beantworten, weil ich nicht weiß, was mit ‚normalen‘ in dem Fall gemeint ist.“ (TP 05)

Auch drei weitere Testpersonen (TP 01, 06, 09) gaben an, Probleme mit der Frage oder Formulierung gehabt zu haben:

  • „Kann ich nichts mit anfangen. Ich weiß nicht, was ein ‚normaler Bürger‘ ist. Keine Ahnung, wahrscheinlich irgendwie die typischen ArbeiterInnen, nicht unbedingt Bildungsbürger. Ich kann mit der [Frage] nicht so viel anfangen. Die können für mich nicht die gleichen Wert[e] [haben], weil sie ja individuelle Menschen sind, die können gar nicht gleich sein.“ (TP 01)
  • „Da fehlen Adjektive. Die gleichen politische Werte vielleicht, oder die gleichen sportlichen Werte. […] Die haben den gleichen Grundkonsens, was die gesellschaftlichen Werte angeht, aber wie sie sie ausleben, ist ein himmelweiter Unterschied. Es geht doch um beispielsweise Demokratie oder Freiheit. Freiheit ist für mich wichtig, ich lebe sie anders aus als jemand anderes. Der eine sagt, Freiheit ist, dass ich fremdgehen kann, der andere sagt, Freiheit ist für mich, dass ich meine politische Meinung sagen kann. […] Die vierte Frage halte ich für Blödsinn. Da kann nichts rauskommen.“ (TP 09)

Unter „normalen Bürger“ verstanden die Testpersonen abermals v. a. den Otto Normalverbraucher, den Durchschnittsbürger aus der Arbeitergruppe:

  • „Der Durchschnitt, also quasi Normalbürger, der Rechtsschaffende, der Arbeiter, die normale Gesellschaft.“ (TP 06)
  • „Normale Bürger, die sich eben nicht hervortun mit irgendwelchen Hetzen oder bösen Sachen, die ganz normal ihrer Arbeit nachgehen und nicht gerade auffallen.“ (TP 08)

Andere Testpersonen fassten allgemein alle Bürger Deutschlands und demokratisch Gesinnte darunter:

  • „Normale Bürger sind für mich alle Menschen mit [einer] Staatsangehörigkeit in Deutschland, also [mit] deutsche[r] Staatsangehörigkeit.“ (TP 03)
  • „Bürger, oh Wunder, die auf der freien, demokratischen Grundordnung stehen, also auf dem Rechtsstaat.“ (TP 10)