Projekt "Strive-Up" - Fragen zum Thema Statuserhalt und sozialer Aufstieg

Fragetext:

Wie zufrieden, denken Sie, wären andere Eltern in der Gesellschaft, wenn deren Kind im Alter von 35 Jahren dauerhaft folgenden Beruf ausübt?
(Kognitive Interviews)

Antwortkategorien:

10 - sehr zufrieden
9
8
7
6
5
4
3
2
1 - sehr unzufrieden
Ich kenne den Beruf nicht

Informationen zur Frage und Ziel der Testung (Kognitive Interviews):

Frage 20 erfasst, wie Befragte die vermutete Zufriedenheit anderer Eltern in der Gesellschaft einschätzen, wenn deren Kind im Alter von 35 Jahren die Berufe Arzt/Ärztin oder Reinigungskraft in einem Hotel ausübt. Im Rahmen der kognitiven Interviews sollte ermittelt werden, was die Befragten in der Frage unter „anderen Eltern in der Gesellschaft“ verstehen bzw. an wen sie bei der Beantwortung denken. Des Weiteren galt es zu untersuchen, wie sie zu ihren Antworten kommen bzw. sie begründen.

Befund Kognitive Interviews:

Alle Testpersonen beantworteten beide Items von Frage 20, wobei sich die jeweiligen Antwortverteilungen erwartungsgemäß deutlich unterschieden (vgl. Tabelle 31). Die vermutete Zufriedenheit anderer Eltern mit dem prestigeträchtigen Beruf Arzt/Ärztin wurde von allen Befragten als sehr hoch eingeschätzt und bewegte sich im Bereich der Skalenpunkte 8 bis 10. Der Mittelwert der Antworten auf dieses Item betrug M = 9.6 (SD = 0.7), der Median lag bei Md = 10.

Die vermutete Zufriedenheit anderer Eltern mit dem Beruf einer Reinigungskraft in einem Hotel wurde hingegen deutlich geringer eingeschätzt und wies zugleich eine größere Streuung auf (Skalenpunkte 1 bis 8). Der Mittelwert der Antworten auf dieses Item belief sich auf M = 3.7 (SD = 1.6), der Median auf Md = 3.

Wie interpretieren die Testpersonen den Begriff „andere Eltern“ in der Frage?

Der Großteil der Testpersonen (n = 19) gab an, den Begriff „andere Eltern“ abstrakt zu verstehen und sich beim Beantworten der Frage an Eltern im Allgemeinen bzw. an der vorherrschenden gesellschaftlichen Meinung zu orientieren.

  • „Ich habe an die Gesellschaft im Allgemeinen gedacht. An die Anerkennung dieser Berufe in der Gesellschaft.“ (TP05)
  • „Ich habe an die Allgemeinheit gedacht. Also nicht nur an jemanden aus meiner Umgebung oder an Bekannte.“ (TP12)
  • „Ich habe an alle Eltern im Allgemeinen gedacht.“ (TP17)

Vier Testpersonen berichteten hingegen, dass sie bei der Beantwortung der Frage an Eltern aus ihrem näheren Umfeld oder Bekanntenkreis gedacht haben. Dabei bezogen sie sich jedoch nicht auf die Meinung einzelner konkreter Personen, sondern auf eine zusammengefasste Einschätzung unterschiedlicher Haltungen innerhalb ihres sozialen Umfelds.

  • „Ich habe an meine Freunde gedacht, die auch Mütter sind. Wobei die sehr unterschiedliche Meinungen haben.“ (TP06)
  • „Wahrscheinlich habe ich an die Eltern in meinem Umfeld gedacht, aber nicht unbedingt an ganz konkrete Personen.“ (TP13)
  • „Ich habe an die Eltern der Mitschüler meines Sohnes gedacht, also an drei oder vier Eltern, die sehr streng sind und denen es sehr wichtig ist, dass ihr Kind auf jeden Fall auf das Gymnasium kommt. Die würden bei der Reinigungskraft sogar einen negativen Wert wählen. Aber wenn ich die Eltern der gesamten Klasse betrachte, gibt es sicher viele, die eher so denken wie ich. Und deshalb habe ich hier die 2 gewählt.“ (TP18)

Eine weitere Testperson interpretierte „andere Eltern“ schließlich sehr konkret und bezog die Ein-schätzung explizit auf bestimmte Eltern aus dem Freundeskreis ihrer Kinder („Ich habe an die Eltern von den Freunden meiner Kinder gedacht.“, TP19).

Eingesetzte kognitive Technik/en:

Specific Probing, Category-Selection Probing
Itemtext Aktiv getestet

Itemtext:

Arzt/Ärztin

Empfehlungen:

siehe Fazit und Empfehlung Kognitive Interviews
Ja

Itemtext:

Reinigungskraft in einem Hotel

Empfehlungen:

siehe Fazit und Empfehlung Kognitive Interviews
Ja