Multi-Item-Skala:
Itemtext:
Verschiedene Antwortformate getestet:
Befund zum Item:
Item 1: Was verstehen die Befragten im Kontext dieser Aussage unter einer „besseren Bildung“?
Der Großteil der Testpersonen (n = 20) interpretierte den Begriff „bessere Bildung“ im Kontext dieses Items als einen höheren formalen Bildungsweg im Vergleich zur eigenen Bildungsbiografie, etwa in Form eines höheren Schulabschlusses, eines abgeschlossenen Studiums oder einer Promotion. Diese Testpersonen stimmten der Aussage überwiegend zu (n = 13) und brachten damit zum Ausdruck, dass sie sich für ihr Kind einen höheren formalen Bildungsabschluss wünschen, als sie selbst erreicht haben. Befragte, die der Aussage nicht zustimmten (n = 7), erläuterten hingegen, dass sie ihre eigene formale Bildung als ausreichend ansehen und einen darüber hinausgehenden Bildungsabschluss nicht als notwendig erachten.
- „Ich habe kein Studium und ich würde ihr schon wünschen, dass sie das macht.“ (TP01, Antwort: stimme voll und ganz zu)
- „Ich war auf der Hauptschule und würde mir für ihn wünschen, dass er auf die Realschule geht.“ (TP15, Antwort: stimme voll und ganz zu)
- „Da stimme ich eher nicht zu. Ich habe ja eine gute Bildung. […] Wenn ich jetzt nur einen Hauptschulabschluss und keine Ausbildung hätte, dann würde ich mir eine bessere Bildung für sie wünschen. Aber da ich meiner Meinung nach schon eine gute Bildung erfahren habe, würde ich mir jetzt nicht unbedingt wünschen, dass sie eine noch bessere Bildung erfährt. “ (TP13, Antwort: stimme eher nicht zu)
- „Also eine bessere Bildung als meine wäre, wenn er an einer Universität einen Abschluss macht, sprich Akademiker wird. Ich habe Abitur gemacht und das wünsche ich ihm auch. Aber ob er jetzt eben eine akademische Laufbahn wählt oder eine Ausbildung, da bin ich nicht festgelegt. Deshalb stimme ich nicht zu.“ (TP23, Antwort: stimme nicht zu)
Für vier Testpersonen standen bei der Interpretation von „besserer Bildung“ weniger formale Bildungsabschlüsse als vielmehr soziale und inhaltliche Aspekte von Bildung im Vordergrund. Sie bezogen sich dabei unter anderem auf ein lernförderliches Umfeld, geringen Leistungsdruck oder die Vermittlung zeitgemäßer und lebensnaher Kompetenzen.
- „[Ich verstehe darunter,] dass das Kind weniger Druck bei der Bildung erfährt und mehr Freude am Lernen empfindet […] An Abschlüsse habe ich nicht gedacht. Es ging mir eher um den Druck in der Bildung.“ (TP07, Antwort: stimme voll und ganz zu)
- „Ich verstehe darunter, dass man unabhängig vom Abschluss Dinge lernt, die einen besser auf das spätere Leben vorbereiten, als es bei mir der Fall war. […] Dass man zum Beispiel lernt, wie man eine Steuererklärung macht. Also Dinge, die man sonst eigentlich nie lernt oder erklärt bekommt. […] Oder alles zum Thema KI, digitale Sachen. Dazu habe ich in meiner schulischen Bildung nichts erfahren.“ (TP17, Antwort: stimme zu)
Neben diesen unterschiedlichen inhaltlichen Interpretationen zeigten sich in den Interviews vereinzelt auch kognitive Schwierigkeiten bei der Beantwortung des Items. Drei Testpersonen wiesen darauf hin, dass es ihnen anhand der vorgegebenen Antwortskala schwergefallen sei auszudrücken, dass sie sich für ihr Kind eine ähnliche bzw. die gleiche (hohe) Bildung wünschen, die sie selbst erreicht haben.
- „Ich sträube mich jetzt so ein bisschen zu sagen, dass ich nicht zustimme. Weil ich natürlich schon möchte, dass mein Kind eine gute Bildung hat. Aber es ist mir nicht wichtig, dass es im Vergleich zu mir mehr ist. Das fällt mir schwer, weil ich habe jetzt Abitur, ich habe studiert. Also ein sehr hohes Bildungsniveau. Über mir wäre noch eine Promotion oder eine Habilitation. Und das ist mir persönlich wirklich überhaupt nicht wichtig. Deswegen würde ich eher sagen, ich stimme eher nicht zu.“ (TP02, Antwort: stimme eher nicht zu)
- „Mir fehlt hier eine Antwortmöglichkeit. Eigentlich möchte ich, dass es die gleiche Bildung erfährt, deswegen finde ich es eher schwierig [anzugeben, ob ich zustimme oder nicht.] [...] Eigentlich würde hier ein Ja oder Nein reichen.“ (TP03, Antwort: stimme eher zu)
- „Ich habe auch Abitur und studiert und so, deswegen fällt mir das jetzt schwer. Es könnte dann noch, weiß ich nicht, einen Doktor machen oder so. Bessere Bildung ist immer gut.“ (TP21, Antwort: stimme eher zu)
Empfehlungen:
Item 1:
Der Begriff „bessere Bildung“ wurde von den Befragten überwiegend im Sinne eines höheren formalen Bildungswegs interpretiert. Gleichzeitig bezogen sich jedoch einzelne Testpersonen auch auf soziale und inhaltliche Aspekte von Bildung, was auf einen gewissen Interpretationsspielraum des Begriffs hinweist. Wir empfehlen daher, den Bildungsbegriff in diesem Item zu präzisieren und den Begriff „Bildungsabschluss“ zu verwenden.
Darüber hinaus äußerten mehrere Testpersonen mit hohem eigenen Bildungsniveau Schwierigkeiten, mit der vorliegenden Antwortskala auszudrücken, dass sie sich für ihr Kind eine ähnlich hohe oder gleichwertige Bildung wünschen. Daher empfehlen wir, das Item umzuformulieren. Eine Möglichkeit wäre:
„…dass mein Kind einen Bildungsabschluss erreicht, der mindestens dem meinen entspricht oder darüber hinausgeht.“