Pretest-Datenbank
Projektname:German Longitudinal Election Study (GLES) 2021
  1. Fragetext: Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass die FDP bei der bevorstehenden Bundestagswahl genügend Stimmen bekommt, um in den Bundestag einzuziehen?
  2. Antwortkategorien bestimmt

    wahrscheinlich

    vielleicht

    wahrscheinlich nicht

    bestimmt nicht

    weiß nicht


    1. Empfehlungen: Frage: Belassen.

      Antwortformat: Wir empfehlen, die Antwortoptionen wie folgt zu beschriften:
      „sehr wahrscheinlich“
      „eher wahrscheinlich“
      „die Chancen stehen 50 zu 50“
      „eher unwahrscheinlich“
      „sehr unwahrscheinlich“
      „weiß nicht“
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Comprehension Probing
  2. Befund zur Frage: Wie wird die Antwortskala interpretiert?

    Die meisten Testpersonen verstanden die Antwortoptionen im Sinne der Fragestellung als kategoriale Skala, bei der die Antwortoption „vielleicht“ den offensten Ausgang darstellt:
    • „‚Bestimmt‘ wäre, wenn jetzt schon klar wäre, dass die FDP einziehen könnte. ‚Wahrscheinlich‘ sehe ich direkt darunter; [das bedeutet,] dass man eine Tendenz absehen könnte. ‚Vielleicht‘ ist für mich […], dass beide Ausgänge noch offen sind. ‚Wahrscheinlich nicht‘ [bedeutet], eine kleine Wahrscheinlichkeit ist noch da, dass es passieren könnte, aber es eher so ist, dass die FDP nicht einzieht in den Bundestag. Und ‚bestimmt nicht‘ ist, wenn jetzt schon klar wäre, dass die FDP nicht einziehen wird.“ (TP 03)
    Zwei Testpersonen (TP 04, 10) definierten die Skalenpunkte über Prozentwerte:
    • „‚Vielleicht‘ [sind] für mich 50 %, also, es könnte sein, es könnte auch nicht sein. ‚Bestimmt‘ wären für mich 100 %, ‚bestimmt nicht‘ 0 %. ‚Wahrscheinlich‘ ist bei 75 %.“ (TP 04)
    Allerdings offenbarten sich Probleme mit den Antwortoptionen. Erstens kritisierte eine Testperson die mangelnde sprachliche Passung der Antwortskala zur Frageformulierung:
    • „Die Antwort ‚bestimmt‘ passt nicht zu ‚wahrscheinlich‘ [im Fragetext]. ‚Wahrscheinlich‘ mit ‚wahrscheinlich‘ geht nicht. ‚Vielleicht‘ passt auch nicht zu ‚wie wahrscheinlich‘. Die Skala muss von ‚sehr wahrscheinlich‘ zu ‚überhaupt nicht wahrscheinlich‘ [verlaufen]“ (TP 09)
    Diese Testperson verweigerte auf Grund der Skala die Antwort. Auf die Frage, ob die Option „weiß nicht“ auf sie zuträfe, erklärte sie, dass sie es sehr wohl wisse, aber ihre Antwort nicht in die Skala einpassen könne.

    Zweitens bemängelten ein paar Testpersonen die Verwendung von für sie synonymen (und daher nicht differenzierenden) Begriffen in der Antwortskala. Eine Testperson kritisierte die Nichtdifferenzierung von „bestimmt“ und „wahrscheinlich“. Auch sie plädierte dafür, die Skala von „sehr wahrscheinlich“ bis „sehr unwahrscheinlich“ zu beschriften:
    • „Ich würde ‚sehr wahrscheinlich‘ und dann ‚wahrscheinlich‘ und nicht ‚bestimmt‘ [vorgeben]. […] Die Antwortmöglichkeiten sind schon ein wenig seltsam. […] ‚Wahrscheinlich‘ abzuschwächen und dann trotzdem die klaren Jas und Neins zu bekommen, ist schwierig. […] Vielleicht könnte man eine Skala nehmen, bei der links ‚sehr wahrscheinlich‘ und rechts ‚sehr unwahrscheinlich‘ steht.“ (TP 05)
    Eine andere Testperson konnte zwar die Antwortoptionen „bestimmt“ und „wahrscheinlich“ differenzieren, empfand aber keinen großen Unterschied zwischen „wahrscheinlich“ und „vielleicht“:
    • „‚Bestimmt‘ [ist] ein anderes Wort für ‚auf jeden Fall‘, dass sie einziehen werden. ‚Wahrscheinlich‘ ist, dass es halt wahrscheinlich ist. […] ‚Vielleicht‘ ist eigentlich fast das Gleiche.“ (TP 02)
    Drittens kritisierten zwei Testpersonen, dass eine Mittelkategorie angeboten wurde. Dies ist umso bemerkenswerter, da eine dieser Testpersonen zwischen den benachbarten Antwortoptionen schwankte:
    • „Ich kann mich nicht entscheiden, ob eher ‚wahrscheinlich‘ oder ‚nicht wahrscheinlich‘. Ich finde ‚vielleicht‘ überflüssig.“ (TP 05)
    • „‚Bestimmt‘ [bedeutet], dass es hundertprozentig ist, also, ich denke da in Totalen, dass sie über 5 % haben, ja oder nein. ‚Bestimmt nicht‘ [bedeutet, dass] sie halt unter die 5 % [kommen]. ‚Vielleicht‘ – da sehe ich keine Prozentpunkte hintendran, das ist einfach nur eine Eventualität. Bei ‚bestimmt‘ und ‚wahrscheinlich‘ denke ich an Zahlenkategorien, aber ‚vielleicht‘ ist ohne Zahlen hinterlegt. […] Ich verstehe auch gar nicht, wieso man da ‚vielleicht‘ schreibt. Was soll denn das da dazwischen eigentlich? […] ‚Vielleicht‘ passt da ja gar nicht rein, das ist ja eine ganz andere Kategorie.“ (TP 10)
    Andere Testpersonen sahen hingegen die Notwendigkeit einer Mittelkategorie und nutzten sie. Dies war insbesondere dann der Fall, wenn die Testpersonen davon ausgingen, dass das Ergebnis der FDP nahe an der 5-%-Hürde sein könnte: „Ich würde sagen, dass wird eher knapp, daher ‚vielleicht‘.“ (TP 07)

    Schließlich schlug eine Testperson vor, die Frage umzuformulieren und die Befragten eine Prozentzahl eintragen zu lassen: „‚Auf einer Skala von null bis 100, für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass die FDP genug Stimmen bekommt?‘ Dann würde ich sagen, macht der [Befragte] ein Fenster auf und soll eine Zahl reinschreiben. Das halte ich für eine vernünftige Lösung.“ (TP 09)
  1. Thema der Frage: Politik/ Einstellungen, Bewertungen & Ideologien
  2. Konstrukt: Einzugswahrscheinlickeit FDP