Pretest-Datenbank
Projektname:European Working Conditions Survey (EWCS)
  1. Allgemeine Informationen: *Hinweis: Diese Frage(n) wurde(n) auf Englisch getestet. Dies/Dies ist/sind (eine) deutsche Übersetzung/en des/der englischen Originalwortlauts/e.*

    Online Probing & Kognitive Interviews

    [Filter: Gefragt, ob Q27=2 ODER 3 (regelmäßige oder gelegentliche zusätzliche bezahlte Tätigkeit)]
  2. Einleitungstext: Von jetzt an beziehen sich alle Fragen auf Ihren Hauptberuf.
  3. Fragetext: Wie oft haben Sie in den letzten 12 Monaten in Ihrer Freizeit gearbeitet, um die Arbeitsanforderungen zu erfüllen?
  4. Antwortkategorien Täglich

    Mehrmals in der Woche

    Mehrmals im Monat

    Seltener

    Nie

    Trifft nicht zu (spontan)

    Weiß nicht (spontan)

    Verweigert (spontan) Verweigert (spontan)


    1. Empfehlungen: Frage: Wir empfehlen, die Frage genauer zu formulieren, um zu unterscheiden zwischen "Überstunden", also Arbeit, die zusätzlich zur regulären Arbeitszeit geleistet und offiziell registriert und vergütet wird, und "arbeitsbezogenen Aufgaben", die in der Freizeit geleistet werden. Dies würde sicherstellen, dass die Befragten die gleiche Unterscheidung zwischen Arbeit und Freizeit treffen, sowohl zwischen verschiedenen Arten von Arbeitnehmern innerhalb eines Landes als auch länderübergreifend.

      Es könnte erwogen werden, eine Kategorie "variiert stark" hinzuzufügen.

      Wir empfehlen auch, sich auf einen kürzeren Zeitraum zu beziehen, also zum Beispiel "in den letzten vier Wochen". Dies erleichtert es den Befragten, sich an konkrete Situationen zu erinnern.

      Antwortkategorien: Wenn die Zeitspanne der Frage umformuliert wird, sollten die Antwortkategorien entsprechend geändert werden (d.h. nie, einmal, zweimal, 3-5 Mal, öfter)
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Specific Probing. (OP)
    Comprehension Probing, Specific Probing, General/Elaborative Probing. (CI)
  2. Befund zur Frage: Online Probing

    Die Absicht, diese Frage zu testen, bestand darin, herauszufinden, wie Selbständige, die ihre Stunden selbst bestimmen, zwischen Freizeit und Arbeitszeit unterscheiden. Für Angestellte sollte untersucht werden, wer sie bittet, in ihrer Freizeit zu arbeiten, und welche Arbeitsanforderungen eine Arbeit außerhalb der regulären Zeiten rechtfertigen.

    In allen drei Ländern antworten Selbständige mit größerer Wahrscheinlichkeit als Arbeitnehmer, dass sie regelmäßig in ihrer Freizeit arbeiten. Dieser Unterschied ist im Vereinigten Königreich am wenigsten ausgeprägt (mindestens mehrmals pro Woche: 55% Selbständige gegenüber 42% Angestellten), gefolgt von Deutschland (58% gegenüber 18%) und Polen (72% gegenüber 24%).

    Mit dieser Frage sind jedoch zwei Probleme verbunden, die die Interpretierbarkeit der Ergebnisse erschweren. Das erste ist eine Frage des Verständnisses des Begriffs "Arbeitszeit" gegenüber "Freizeit" und deren klare Unterscheidung. Dieses Problem bezieht sich ausschließlich auf Selbständige.

    Einige Selbständige legen Stunden fest, zum Beispiel weil sie Öffnungszeiten haben. Dies sind die Selbständigen, die am ehesten angeben, dass sie nur selten in ihrer Freizeit arbeiten:
    • Ich arbeite zu festen Zeiten und brauche in meiner Freizeit sehr selten hereinzukommen.“ (R187UK, weniger oft)
    • Ich kümmere mich um meine Firma. Aber praktisch nie außerhalb der Arbeitszeit.“ (R323DE, weniger häufig)
    Andere scheinen die regulären Bürozeiten als Maßstab für die Arbeitszeiten zu verwenden und bezeichnen die Arbeit außerhalb dieser Zeiten als Arbeit in der Freizeit, obwohl ihre Antworten nicht da-rauf hinweisen, dass es sich dabei um ungeplante zusätzliche Stunden handelt:
    • Die Dienstleistung, die ich erbringe, wird oft abends oder am Wochenende ausgeführt.“ (R287DE, mehrmals pro Woche)
    Andere geben klar an, dass selbständig zu sein bedeutet, immer im Dienst zu stehen (elf Befragte geben dies direkt an).
    • Wenn Sie Ihre eigene Firma haben, haben Sie keine Freizeit.“ (R87PL, täglich)
    • Wenn man selbstständig ist, hat man nie frei.“ (R353DE, mehrmals im Monat)
    • Ich mache immer Geschäfte.“ (R325DE, täglich)
    Besonders deutlich wird das Problem bei neun Befragten, die ausdrücklich angeben, dass sie Schwierigkeiten haben, zwischen Arbeits- und Freizeit zu unterscheiden. Besonders auffällig ist, dass diese Befragten Antworten aus dem gesamten Bereich der Skala von "täglich" bis "seltener" geben, was impliziert, dass die Antwort-Skala zumindest für einen Teil der Selbständigen nicht geeignet ist. Auch deuten die Aussagen vieler Selbständiger darauf hin, dass ein beträchtlicher Teil ihrer Arbeitszeit flexibel und/oder kurzfristig ist, was es schwierig macht, sich eindeutig für eine Kategorie zu entscheiden:
    • Für mich verschmelzen Arbeit und Freizeit täglich miteinander.“ (R396DE, täglich)
    • Für mich gibt es eine Unschärfe zwischen Arbeits- und Freizeit.“ (R34UK, mehrmals pro Woche)
    • Ich unterscheide nicht zwischen freier Zeit und Arbeitszeit und kann entscheiden, wann ich arbeiten möchte.“ (R211UK, weniger häufig)
    • Ich arbeite, wenn mir danach ist.“ (R381PL, täglich)
    • Ich habe flexible Arbeitszeiten; manchmal arbeite ich im Urlaub, habe aber an regulären Arbeitstagen frei.“ (R330PL, mehrmals im Monat)
    • Wenn man versucht, ein Unternehmen zu vergrößern, ist es schwierig, von der Arbeit abzuschalten. Allerdings ist meine Zeit viel flexibler, als wenn ich angestellt wäre. Ich kann kurzfristig freinehmen.” (R192UK, mehrmals wöchentlich)
    Der zweite Fehler im Zusammenhang mit der Frage gilt sowohl für Arbeitnehmer als auch für Selbständige und bezieht sich auf Schwierigkeiten bei der Wahl der richtigen Antwortkategorie. Mehrere Angestellte und Selbständige, die geantwortet haben, geben an, dass ihre Arbeit saisonale Hochzeiten hat, wenn sie ununterbrochen arbeiten, und dann ruhigere Phasen. Diese Befragten versuchen, den Mittelwert anzugeben:
    • Wenn man das ganze Jahr betrachtet, ist dies die richtige Antwort. Aber es gibt Zeiten, in denen die Arbeit in der Freizeit ein täglicher Bedarf ist, und dann ist sie wochenlang nicht notwendig. Mehrmals im Monat ist also ein Mittelwert über das ganze Jahr.“ (R352DE, Selbständiger, mehrmals im Monat)
    • Meine Arbeitsplätze sind unregelmäßig.“ (R14UK, Selbständiger, mehrmals im Monat)
    • Wenn es Zeit für die Inventur ist, arbeiten wir länger als unsere reguläre Arbeitszeit.“ (R186DE, angestellt, weniger häufig)
    Bei der Prüfung der Gründe, warum die Befragten in ihrer Freizeit arbeiten, sind die genannten Gründe wie zu erwarten. Selbständige werden nicht von einem Vorgesetzten gezwungen, sondern erklären, dass Kundenbedürfnisse und Geschäftsförderungen von ihnen Flexibilität verlangen:
    • Niemand fragt mich, aber ich möchte meine Kunden bei Laune halten.“ (R217UK, weniger häufig)
    • Niemand verlangt von mir, dass ich es tue, aber ich muss es tun, um die Lücken zu füllen und sicherzustellen, dass das Unternehmen auf Kurs bleibt.“ (R268UK, täglich)
    Für Mitarbeiter sind die Gründe dafür unterschiedlich. Die am häufigsten angeführten Gründe sind, dass die Arbeitsbelastung und/oder der Vorrang dies erfordern.

    Kognitive Interviews

    In Q46 soll die Work-Life-Balance gemessen werden und ob und wie oft die Befragten in ihrer Freizeit arbeiten. Mit der Sondierung soll das Verständnis der Befragten von Freizeit untersucht werden. Dies ist vor allem für selbständige Befragte relevant. Darüber hinaus sollte untersucht werden, ob es Arten von Arbeit gibt, die bei der Beantwortung der Frage nicht berücksichtigt werden. Zur weiteren Klärung wurde nach den Gründen für die Arbeit in der Freizeit gefragt und ob sie freiwillig oder bezahlt ist.

    Die Antworten gingen fast über die gesamte Skala auseinander. Nur eine Auskunftsperson gab an, täglich in ihrer Freizeit zu arbeiten (PL07); eine andere Auskunftsperson erklärte später jedoch, dass sie sich nicht für "täglich" entschieden habe, da dies sieben Tage in der Woche bedeuten würde, und dass sie nur fünf Tage arbeite (DE07, "mehrmals in der Woche"). Der Rest der Skala, die von "mehrmals pro Woche" bis "nie" reicht, wurde von den Befragten ziemlich gleichmäßig genutzt. Zwei Befragte entschieden sich dafür, die Frage nicht zu beantworten, einer wählte "nicht anwendbar" (DE03, ohne reguläre Beschäftigung), und der andere verweigerte die Antwort mit der Begründung, dass sie variiert (PL02).

    In Polen äußerten sich nur zwei Befragte (PL02, PL14) spontan zu der Frage, und alle entschieden sich schnell für eine Antwort. In Deutschland dagegen äußerten sich elf von 16 Teilnehmern spontan zur Formulierung der Frage. Zwei Teilnehmer baten darum, den Fragetext wiederholen zu lassen. Die meisten Kommentare bezogen sich auf die ebenfalls untersuchten Themen, d.h. die Definitionen von "Freizeit" (DE03, DE09, DE13, DE15, DE16) und "Arbeitsanforderungen" (DE01, DE15, DE16). Dies deutet auf unterschiedliche Konnotationen mit den Begriffen in den verschiedenen Sprachen hin.

    In Deutschland machen sich mehrere Befragte Gedanken über die mögliche Unterscheidung zwischen "in der Freizeit arbeiten" und "Überstunden machen". Während für einige Befragte diese Begriffe identisch sind, unterscheiden andere klar zwischen Überstunden, die vergütet werden, und Freizeitarbeit als Arbeit, die nicht vergütet wird.
    • Eigentlich könnte man sagen 'Überstunden machen', oder?“ (DE12, "mehrmals im Monat")
    • Wenn ich Überstunden mache, dann kann ich mir stattdessen an einem anderen Tag frei nehmen. Aber wenn ich in meiner Freizeit arbeite, bedeutet das, dass ich zu Hause sitze und über Arbeitsprobleme nachdenke. Das wäre Arbeit in meiner Freizeit, und die wird nicht bezahlt.“ (DE11, "mehrmals im Monat")
    • In meiner Freizeit? ... Arbeitete ich, um den Arbeitsanforderungen gerecht zu werden? Freizeit bedeutet, dass es in diesem Moment keine Arbeitszeit ist, also habe ich nie in meiner Freizeit gearbeitet.“ (DE15, "nie")
    Die erste Probe fragt nach der Bedeutung von "Freizeit". Alle Befragten definieren Freizeit im Gegensatz zur Arbeitszeit. Beispiele für diese ausschlussbasierten Definitionen sind die Definition von Freizeit als Zeit, die man nicht am Arbeitsplatz oder mit Kunden verbringt, Zeit, die nicht am Arbeitsplatz verbracht wird, Zeit, die nicht mit arbeitsbezogenen Aufgaben verbracht wird. Obwohl sich die Definitionen von Freizeit in den verschiedenen Befragtengruppen nicht widersprechen, legen sie doch einen unterschiedlichen Schwerpunkt. In Deutschland definieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die nur erwerbstätig sind, Freizeit hauptsächlich als "nicht mit arbeitsbezogenen Aufgaben beschäftigt sein", während selbständige Befragte Freizeit wahrscheinlich als Zeit ansehen, in der sie "kein Geld verdienen" oder, in Polen, als Zeit zwischen Auftragsvergaben (DE08, DE09, DE10, DE13, PL02, PL12).

    Die Befragten begründen ihre Unterscheidung zwischen Arbeit und Freizeit mit verschiedenen Faktoren. Mehrere Befragte versuchen Ankerpunkte zu finden, um eine klare Unterscheidung zu treffen, z.B. indem sie auf ihre Zeitkonten oder festen Zeitpläne verweisen (DE01, DE07, DE12, PL03, PL05, PL14, PL15, PL16), oder indem sie angeben, ob sie in ihrem Büro / ihrer Praxis sind (DE06, DE08, DE10, DE12). Einige Befragte (DE02, DE04, DE09, DE16) sagen, dass Freizeit eine bewusste Entscheidung ist, die sie treffen, wenn sie sie brauchen. Mehrere Befragte haben jedoch Schwierigkeiten, klar zwischen Arbeit und Freizeit zu unterscheiden. Dies gilt insbesondere für mehrere deutsche Befragte in Berufen, die stark mit ihren Interessen oder ihrer persönlichen Entwicklung verbunden sind, wie z.B. selbständige Erwerbstätigkeit oder akademische Tätigkeiten (DE01, DE16).

    Die Befragten nennen eine breite Palette von arbeitsbezogenen Aufgaben, die sie außerhalb ihrer vertraglichen oder offiziellen Arbeitszeit ausüben. Bei allen Befragten in beiden Ländern und bei allen Beschäftigungsformen werden diese Aufgaben manchmal zur Arbeitszeit gezählt und manchmal nicht. Die Aufgaben können in zwei große Kategorien unterteilt werden. Die erste umfasst Überlegungen zur Arbeit, die keine konkreten Maßnahmen für den Arbeitsplatz beinhalten. Dazu gehört es, über Arbeitsprobleme nachzudenken, Pläne für den nächsten Tag oder die nächste Woche zu machen, sich über Arbeitsfragen zu informieren und mit anderen über ihre Arbeit zu sprechen. Als zweite Kategorie gibt es arbeitsbezogene Aufgaben, die eine Aktivität erfordern. Einige Befragte verstehen diese Art der Arbeit in der Freizeit einfach als Überstunden (DE11, DE12, PL01, PL05), sind aber auch uneinheitlich in der Frage, ob sie diese Überstunden als Arbeit in der Freizeit anrechnen sollen oder nicht. Zu den weiteren Aufgaben gehören das Abendessen mit Kunden oder andere arbeitsbezogene soziale Veranstaltungen (DE04, PL03, PL07), die Entgegennahme von Anrufen, die Beantwortung von E-Mails oder die Vorbereitung von Besprechungen (PL04, PL07), die An- und Abreise zur Arbeit (DE09, DE13, PL08) oder Maßnahmen zur persönlichen Entwicklung (PL08, PL11).

    In jedem Land gaben zwei Befragte an, dass sie von ihren Chefs gebeten wurden, in ihrer Freizeit zu arbeiten. Drei von ihnen zählen dies jedoch als Überstunden und die Zeit wird vergütet (DE08, DE12, PL15, PL16).

    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass fast alle Befragten eine Art von arbeitsbezogener Tätigkeit nennen, die sie außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit ausüben. Es gibt kein Muster, wann die Befrag-ten bestimmte Tätigkeiten ein- oder ausschließen oder ob sie registrierte Überstunden als Arbeit in ihrer Freizeit einschließen.
  1. Thema der Frage: Arbeit & Beruf/ Arbeitssituation & Berufstätigkeit
  2. Konstrukt: Arbeiten in der Freizeit