Pretest-Datenbank
Projektname:German Longitudinal Election Study (GLES) 2021
  1. Fragetext: Variante a. Wenn Sie soziale Medien nutzen, wie häufig begegnen Ihnen da Informationen über politische Themen?
    Variante b. Wenn Sie an alle Informationen denken, die Sie in sozialen Medien sehen, wie häufig sind darunter Informationen über politische Themen? Bitte schätzen Sie den Anteil in Prozent.
  2. Antwortkategorien:

    a. immer

    oft

    gelegentlich

    selten

    nie

    weiß nicht

  3. Alternatives Antwortformat, das getestet wurde:

    b. Offene Antwort in %


    1. Empfehlungen: Frage: Da Fragenvariante 5a insgesamt als einfacher zu beantworten bewertet wurde, empfehlen wir die Verwendung dieser Variante. Zudem gab es bei Fragevariante 5b Anzeichen dafür, dass zumindest eine Testperson sie nicht gemäß der Frageintention beantwortete. Allerdings sollte bedacht werden, dass beide Varianten auf unterschiedliche Erkenntnisse abzielen. Wenn die wertende Dimension der Wahrnehmung der Häufigkeit, mit der den Befragten politische Inhalte begegnen, von Interesse ist, sollte Frage 5a verwendet werden (relative Häufigkeitsabfrage). Stehen dagegen Gruppenvergleiche im Vordergrund (wie z. B. bei der Frage, ob politisch stark interessierten Personen häufiger politische Inhalte in sozialen Medien begegnen als politisch weniger interessierten Personen), empfehlen wir die Abfrage von absoluten Häufigkeiten wie in Frage 5b.

      Antwortformat: Belassen
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Difficulty Probing, Comprehension Probing, Specific Probing
  2. Befund zur Frage: Die Fragen 5a und 5b zielen darauf ab, abzuschätzen, wie politisiert die Inhalte sind, die Befragten in sozialen Medien begegnen. Getestet wurden eine geschlossene und eine offene Fragevariante.

    1. Welche Fragenvariante wird von den Befragten besser bewertet?

    Die Testpersonen beantworteten zunächst Frage 5a und erhielten im Anschluss die Nachfrage, wie leicht oder schwer ihnen die Beantwortung der Frage gefallen sei. Alle Testpersonen gaben an, dies sei ihnen „sehr leicht“ (n = 3) oder „eher leicht“ (n = 7) gefallen.

    Nach der Beantwortung von Frage 5b wurden die Testpersonen gebeten, beide Fragen zu vergleichen und anzugeben, welche für sie einfacher zu beantworten war. Fünf Testpersonen bevorzugten Frage 5a, zwei Testpersonen Frage 5b und drei Testpersonen gaben an, beide gleich gut zu finden. Befürworter von Fragevariante 5a argumentierten, dass es einfacher sei, eine relative Häufigkeit anzugeben als einen genauen Prozentwert:
    • „[Frage 5b ist schwieriger], weil sie die genaue Prozentzahl abfragt. Wenn man da ein paar Antworten hat, die man auswählen kann [wie in Frage 5a], finde ich es einfacher.“ (TP 01)
    • „Mir fällt es generell immer schwer, genaue, exakte Angaben zu machen. […] Ich habe jetzt 70 % angegeben. Ich könnte jetzt nicht unterscheiden, ob es 72 oder 75 oder 68 % sind. Darum fällt mir das ein bisschen schwerer, als auf verbale sprachliche Sachen zu antworten.“ (TP 03)
    Befürworter von Frage 5b argumentierten genau umgekehrt, d. h., dass die Angabe einer absoluten Häufigkeit einfacher sei als die einer relativen Häufigkeit:
    • „Die Formulierung ist viel besser.“ (TP 02)
    • „Das mit der Zahl ist für mich einfacher. Wenn ich reflektiere, wie viel ich das nutze, warum ich das nutze, da ich ja sowieso eher in Zahlen denke." (TP 10)
    Vergleicht man die Antworten der Testpersonen auf beide Fragen (s. Tabelle oben), so fällt auf, dass sich die relativen Häufigkeitsangaben aus Frage 5a nicht in absolute Häufigkeiten in Frage 5b übertragen lassen. Während „immer“ von Testperson 09 einer Häufigkeit von 20 % entspricht, bedeutet „immer“ von Testperson 06 eine Häufigkeit von 95 %. Und auch das Verständnis von „oft“ reicht von 50 % (TP 02, 08) über 70 % (TP 03) bis hin zu 85 % der Informationen (TP 04). Es ist anzunehmen, dass Testperson 09 bei Frage 5b den geschätzten Anteil politischer Inhalte innerhalb eines sozialen Netzwerkes angab; dies würde ihr diskrepantes Antwortverhalten erklären. Zudem muss bedacht werden, dass relative Häufigkeiten immer auch eine Wertung der Befragten beinhalten. Wenn diese wertende Dimension der Wahrnehmung der Häufigkeit, mit der den Befragten politische Inhalte begegnen, von Interesse ist, sollte Frage 5a verwendet werden. Stehen dagegen Gruppenvergleiche im Vordergrund (wie z. B. bei der Frage, ob politisch stark interessierten Personen häufiger politische Inhalte in sozialen Medien begegnen als politisch weniger interessierten Personen), ist die Abfrage von absoluten Häufigkeiten wie in Frage 5b zu empfehlen.

    2. Variiert das Verständnis von „Informationen über politische Themen“?

    Die Testpersonen hatten ein sehr homogenes Verständnis von „Informationen über politische Themen“ und verstanden darunter Artikel, Aussagen und Nachrichten mit politischen Inhalten. Als Beispiele wurden häufig Informationen oder Meinungen zu aktuellen Themen wie dem Coronavirus oder der US-Präsidentschaftswahl genannt:
    • „Das habe ich für mich so interpretiert, wie jede Nachricht oder jede Aussage, die irgendeine politische Implikation für irgendetwas hat. Wenn mir ein Freund schreibt, [meine Stadt] ist jetzt Risikogebiet, dann ist es für mich auch [eine] politische Information oder ein politisches Thema, da es ja Restriktionen vom Land sind, also politische Entscheidungen.“ (TP 04)
    • „Aussagen einzelner privater Personen, die zu einer bestimmten Sache eine Meinung haben, die in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Und auch Artikel zum Beispiel.“ (TP 05)
    • „Politische Themen sind Themen, die in der Welt aktuell sind, global, was uns alle interessiert oder uns alle bewegt. Das ist nichts Privates. Wenn zum Beispiel Donald Trump gewählt wird, kann ich persönlich nichts dagegen machen. Das sind für mich politische Themen. Oder mit dem Coronavirus, die ganzen Maßnahmen, wie man sich zu verhalten hat. Das sind für mich politische Themen.“ (TP 08)
  1. Thema der Frage: Politik/ Einstellungen, Bewertungen & Ideologien
  2. Konstrukt: Anteil politischer Inhalte bei Nutzung sozialer Medien (geschlossen vs. offen)