Pretest-Datenbank

Projektname: PaCo - Mechanismen der Panelkonditionierung in Längsschnittbefragungen: Fragen zu den Themen soziale Erwünschtheit, Geschlechterrollen und Umwelt

  1. Fragetext: Wären Sie bereit, mehr Geld für Trinkwasser zu bezahlen, wenn damit Maßnahmen gegen die Trinkwasserverschmutzung finanziert werden würden?
  2. Antwortkategorien:

    1 Nein, überhaupt nicht bereit

    2

    3

    4

    5

    6

    7 Ja, voll und ganz bereit

    Weiß nicht


    1. Empfehlungen: Frage: Die Ergebnisse der kognitiven Interviews deuten darauf hin, dass Frage 6 nicht besonders gut geeignet ist, um sozial erwünschtes Antwortverhalten zu erfassen. Zudem ist die Intention der Frage nicht klar (geht es um Trinkwasseraufbereitung oder Wasserpreise im Supermarkt?), was den Befragten Interpretationsspielraum ermöglicht. Die Häufigkeitsverteilung der Antworten vermittelt zwar den Eindruck, der Großteil der Testpersonen habe sozial erwünscht geantwortet, dies schien in den meisten Fällen jedoch nicht daran zu liegen, dass die Testpersonen sich in einem besseren Licht darstellen wollten. Falls das Ziel der Frage in der Erfassung von sozial erwünschtem Verhalten besteht, empfehlen wir daher, die Frage zu streichen.

      Antwortformat: Belassen.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: General Probing, Category Selection Probe, Specific Probe
  2. Befund zur Frage: Haben die Testpersonen Probleme, die Frage zu verstehen und/oder zu beantworten?

    Auf den ersten Blick hatte keine der Testpersonen Probleme, die Frage zu verstehen oder sich auf der Antwortskala zu verorten. Jeweils vier Testpersonen gaben an, dass sie „eher“ (Skalenpunkte 5 und 6) bzw. „voll und ganz“ (Skalenpunkt 7) dazu bereit wären. Zwei Testpersonen wählten die mittlere Kategorie (Skalenpunkt 4). Die Begründungen der Testpersonen passten jeweils zu den vorherigen Antwortverortungen.
    Die Antworten auf die Probing-Frage selbst deuteten jedoch auf zwei potenzielle Probleme der Frage hin. Zum einen dachten die Testpersonen entweder nur an Wasser aus dem Supermarkt, nur an Leitungs-/Quellwasser oder aber an beides. Zum anderen begründeten diejenigen Testpersonen, die sich für die Skalenpunkte 6 und 7 entschieden hatten (und folglich sozial erwünscht antworteten), ihre Auswahl mit ganz unterschiedlichen Dingen, z. B. damit, dass das Wasser sehr preiswert sei, es wichtig sei, sauberes Wasser zu haben, und man auch an die Zukunft denken müsse:
    • „Ich habe schon Lust auf sauberes Trinkwasser. Und wenn ich weiß, dass zum Beispiel meine Steuern für diese Maßnahmen eingesetzt werden, dann bin ich voll und ganz bereit dazu.“ (TP 02)
    • „Ich habe jetzt einfach an die Flaschen gedacht, die es im Lidl und Aldi gibt, das Trinkwasser. Und da hätte ich persönlich einfach kein Problem, wenn das auch mehr kosten würde, weil die Sachen so günstig sind.“ (TP 04)
    • „Also, ich finde das sehr wichtig. Ich habe ja auch Kinder. Ich finde das auch für die Zukunft sehr wichtig und deswegen wäre ich auch dazu bereit. […] Ich finde es wichtig, dass man das weiterhin auch mit gutem Gewissen trinken kann. Oder wenn man eine Brausetablette auflöst, das macht man ja auch mit Wasser aus dem Hahn.“ (TP 07)
    • „Wir brauchen ja Wasser zum Trinken oder zum Waschen. Da muss man auch bereit sein, in Zeiten, in denen das Wasser schwer zu reinigen ist, dass man dann auch [mehr bezahlt].“ (TP 09)
    Manche Testpersonen gaben zu bedenken, dass es auf die Maßnahmen ankomme, die getroffen würden:
    • „Würde ich merken, dass es sich dabei nur um Augenwischerei handelt, dann bin ich nicht bereit, mehr Geld dafür zu bezahlen. Wenn ich aber sehe, dass es tatsächlich Maßnahmen sind, die geeignet sind, da etwas zu verändern, dann bin ich auch bereit, dafür mehr Geld zu bezahlen.“ (TP 06)
    • „Also, ich bin bereit, mehr Geld dafür zu bezahlen […]. Aber ich bin dagegen, dass es Konzerne in die Hand kriegen und die dann riesige Ländereien aufkaufen und das Wasser dann teuer weiterverkaufen.“ (TP 09)
    Diejenigen, die sich für die Skalenpunkte 4 und 5 entschieden hatten, äußerten, dass dies auf die Notwendigkeit ankomme, dass das Wasser sowieso schon teuer sei und dass man viel früher ansetzen müsse, damit es gar nicht erst zu einer Trinkwasserverschmutzung komme:
    • „Also, wir haben schon eigenes Geld investiert in eine bessere Trinkwasseranlage hier im Haus, und ich weiß nicht genau, wie viele Leute das Trinkwasser insgesamt trinken. […] Wenn man das gerne möchte, kann man es ja auch selbst in die Hand nehmen.“ (TP 05)
    • „Auf der einen Seite ist es lobenswert, dass es nicht verschmutzt wird. Aber warum soll man denn überall noch mehr Geld bezahlen? Man muss das ja auch irgendwo herbekommen und das ist das Problem.“ (TP 08)
    • „Ich bin schon dazu bereit, aber ich finde, dass das Trinkwasser schon sehr teuer ist. Und auf der anderen Seite ist es eine wertvolle Ressource und ich bin der Meinung, dass man eigentlich woanders ansetzen müsste, also schon viel früher, dass das Trinkwasser nicht so stark verschmutzt wird.“ (TP 10)

    Als wie sensitiv/heikel nehmen die Testpersonen die Frage war?

    Die Testpersonen wurden gebeten, auf einer siebenstufigen Skala anzugeben, wie unangenehm sie es fanden, die Frage gestellt zu bekommen (Probe N3_F6, s. Anhang). Mit einer Ausnahme empfanden es alle Testpersonen als „überhaupt nicht unangenehm“ (Skalenpunkt 1; n = 9), die Frage gestellt zu bekommen. Testperson 05 fand es hingegen „eher unangenehm“ (Skalenpunkt 5); sie hatte sich bei Frage 5 mittig verortet (Skalenpunkt 4) und begründete ihre Antwort damit, dass es für sie schon in eine sehr persönliche Richtung gehe: „Das mit der Umweltverschmutzung, das geht dann in die Richtung, dass man sagen muss, dass man natürlich bereit ist, was zu bezahlen, aber im Endeffekt ist man es irgendwie doch nicht.“
    Alle anderen Testpersonen äußerten, dass das ein wichtiges Thema sei, das nichts Privates oder Peinliches beinhalte:
    • „Weil ich finde, dass das eigentlich eine Thematik ist, über die man gut und gerne sprechen darf, und ich glaube nicht, dass das per se ein Tabuthema ist.“ (TP 01)
    • „Das ist für mich kein intimes Thema.“ (TP 03)
    • „Weil ich auch eine Meinung dazu habe und was ist daran schlimm? Selbst wenn einer sagt, er würde dafür kein Geld ausgeben wollen, ist es auch nicht schlimm. Ich finde, das ist eine ganz normale Frage, die nicht peinlich ist.“ (TP 07)
    • „Weil das ein ganz wichtiges Thema ist, über das sich viele Leute viel zu wenig Gedanken machen.“ (TP 10)
    Des Weiteren wurden die Testpersonen gebeten, auf einer siebenstufigen Skala anzugeben, wie ehrlich Befragte diese Frage ihrer Meinung nach in einer richtigen Umfrage beantworten würden (s. Tabelle N5_F6). Fünf Testpersonen glaubten, dass diese Frage in einem Fragebogen „eher ehrlich“ (Skalenpunkte 5 und 6; n = 3) bzw. „sehr ehrlich“ (Skalenpunkt 7; n = 2) beantwortet werde, vier wählten die mittlere Antwortkategorie (Skalenpunkt 4) und eine Testperson (TP 05) glaubte, dass diese Frage „eher nicht ehrlich“ (Skalenpunkt 3) beantwortet werde. Bei der letzten genannten Testperson handelte es sich um dieselbe, die bei der vorherigen Probing-Frage als einzige die mittlere Kategorie gewählt hatte (TP 05). Sie begründete ihre Auswahl damit, dass sie glaube, dass „die meisten doch gerne besser dastehen würden.“
    Diejenigen, die glaubten, dass die Frage „eher/sehr ehrlich“ beantwortet werde, äußerten, dass es sich um keine mit Peinlichkeiten behaftete Frage und um ein sehr wichtiges Thema handle:
    • „Das betrifft ja im Prinzip nichts, was man tut, wofür man sich schämen sollte.“ (TP 04)
    • „Weil es weniger peinlich ist, wenn man eben nicht unbedingt Geld für Trinkwasser zahlen will. Das sieht man vielleicht auch nicht so. Das Wegwerfen in der Öffentlichkeit von Tempos oder Zigarettenkippen ist peinlicher, weil es ja gleich auffällt.“ (TP 07)
    • „Weil das ja unsere Lebensgrundlage ist. Man kann ohne Wein leben, aber nicht ohne Wasser, das geht gar nicht.“ (TP 09)
    • „Weil ich denke, dass den Leuten spätestens bei der Fragestellung bewusst wird, dass das ein wichtiges Thema ist, über das man sich Gedanken machen sollte.“ (TP 10)
    Diejenigen, die sich auf der mittleren Kategorie verorteten, nannten den sozialen Druck als einen möglichen Grund dafür:
    • „Weil ich glaube, das kommt schon ein bisschen besser rüber, wenn man eher angibt, dass man bereit wäre, mehr zu bezahlen, obwohl man es letztendlich gar nicht wäre. Dass dieses Handeln nach sozialen Normen, dass man denkt, es wird von einem erwartet, […] eher dazu verleitet, ein bisschen unehrlich zu antworten.“ (TP 01)
    • „Weil ich glaube, dass da schon viele einen sozialen Druck spüren und lieber so antworten, dass es konform ist. […] Und ich glaube, das ist so eines dieser Themen, gerade auch jetzt mit Fridays for Future, wo die Leute mittlerweile […] sensibler reagieren, bei dem, was sie antworten.“ (TP 06)
  1. Thema der Frage: Umwelteinstellungen und Umweltverhalten
  2. Konstrukt: Umweltverhalten: Intention
  3. Frage in ZIS dokumentiert: