Pretest-Datenbank

Projektname: PaCo - Mechanismen der Panelkonditionierung in Längsschnittbefragungen: Fragen zu den Themen soziale Erwünschtheit, Geschlechterrollen und Umwelt

  1. Fragetext: Wie häufig werfen Sie kleinere Abfälle auf den Boden, in Kanaldeckel oder Blumenbeete, wenn Sie gerade keinen Abfalleimer sehen?
  2. Antwortkategorien:

    1 Nie

    2

    3

    4

    5

    6

    7 Sehr häufig

    Weiß nicht


    1. Empfehlungen: Frage: Belassen.

      Antwortformat: Belassen.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Comprehension Probe, General Probe, Specific Probe
  2. Befund zur Frage: Was verstehen die Testpersonen unter „kleineren Abfällen“?

    Unter „kleineren Abfällen“ verstanden die Testpersonen Kaugummi(-verpackungen), Papiertaschentücher, Zigarettenkippen, Süßwarenverpackungen, kleine Zettel oder Kaffeebecher:
    • „So etwas wie Kaffeebecher, also die man z. B. bei der Bäckerei bekommt, oder Kaugummipapier.“ (TP 01)
    • „Das wären jetzt Kaugummis, mal ein Tempo, was man vielleicht mal in der Tasche rumfliegen hat, das heißt, ein alter Zettel oder so.“ (TP 04)
    • „Alles, was nicht auf die Straße gehört. Das sind Papierschnipsel und Verpackungen von Bonbons, Zigarettenkippen.“ (TP 06)
    • „Kaugummipapier oder solche Sachen, Zigaretten.“ (TP 08)
    Diejenigen Testpersonen, die angegeben hatten, „selten“ (Skalenpunkt 2) kleinere Abfälle auf den Boden oder in Kanaldeckel/Blumenbeete zu werfen, nannten zudem Obstreste wie z. B. einen Apfelstil:
    • „Bei mir ist es meistens ein Stück Apfel, also der Stil, der am Ende übrig bleibt.“ (TP 02)
    • „Also, ich werfe höchstens mal biologisch Abbaubares auf den Boden oder in einen Kanaldeckel.“ (TP 10)

    Haben die Testpersonen Probleme, die Frage zu verstehen und/oder zu beantworten?

    Keine der Testpersonen hatte Probleme, die Frage zu verstehen oder sich auf der Antwortskala zu verorten. Alle Testpersonen gaben an, dies „nie“ (Skalenpunkt 1; n = 7) oder „selten“ (Skalen-punkt 2; n = 3) zu tun. Auch die Begründungen der Testperson passten zu ihren vorherigen Antwortverortungen. Diejenigen, die angegeben hatten, es „selten“ zu tun, nannten biologisch abbaubare Produkte oder Papiertaschentücher, die sie ab und zu auf den Boden oder in Kanaldeckel/Blumenbeete werfen:
    • „Meine Schwester trägt manchmal meine Jacke. Und sie benutzt in hohem Maße Taschentücher und legt die dann einfach in die Jackentaschen. Und ich hasse Taschentücher. Wenn ich das dann auf der Straße bemerke und ich habe das Taschentuch dann in der Hand und es ist kein Abfalleimer da, dann schmeiße ich das schon auf dem Boden. Ich hoffe natürlich, dass das keiner bemerkt.“ (TP 02)
    • „Wenn ich zum Beispiel einen Apfel esse, dann fliegen die Apfelkerne schon in Blumenbeete. Also Organisches lasse ich schon manchmal auf den Boden fallen, aber ich mache das selten.“ (TP 03)<(li>
    Manche von denjenigen, die angegeben hatten, es „nie“ zu tun, äußerten ihren Ärger darüber, wenn es andere tun:
    • „Ich kenne das aber auch von klein auf, dass ich meinen Müll in den Mülleimer werfe. Das wurde mir so beigebracht und so habe ich es beibehalten. Und ich finde das auch ziemlich unnötig, dass man die Sachen auf den Boden werfen muss oder irgendwo, wo kein Mülleimer ist.“ (TP 04)
    • „Alles, was nicht auf die Straße gehört. Das sind Papierschnipsel und Verpackungen von Bonbons. Zigarettenkippen, was ich ganz schlimm finde. Es gehört ehrlich nichts auf den Boden.“ (TP 06)
    • „Das erwarte ich einfach von mir und erwarte ich auch von anderen. Ich ärgere mich immer, manche Leute schmeißen ja ihre Zigarettenkippen oder so [auf den Boden], das finde ich immer völlig unmöglich. Also, [das] würde ich nie machen und es stört mich auch, wenn jemand anderes das macht.“ (TP 07)
    Andere gaben an, man könne seinen Müll z. B. in seine Hand-, Jacken- oder Hosentasche stecken, bis man einen Mülleimer sehe:
    • „Also, ich versuche meine kleineren Abfälle immer bei mir zu behalten, bis ich einen Mülleimer sehe.“ (TP 01)
    • „Ich stecke es eben in die Handtasche.“ (TP 05)
    • „Wenn ich kleine Papiere oder so habe, dann muss man die ja nicht auf den Boden schmeißen. Ich stecke das in meine Jacken- oder Hosentasche und werfe es dann zu Hause in den Abfalleimer.“ (TP 08)

    Als wie sensitiv/heikel nehmen die Testpersonen die Frage war?

    Die Testpersonen wurden gebeten, auf einer siebenstufigen Skala anzugeben, wie unangenehm sie es fanden, die Frage gestellt zu bekommen (Probe N3_F5, s. Anhang). Sie empfanden es entweder als „überhaupt nicht unangenehm“ (Skalenpunkt 1; n = 8) oder „eher nicht unangenehm“ (Skalenpunkt 2; n = 2), die Frage gestellt zu bekommen.
    Diejenigen, die sich für Skalenpunkt 2 entschieden, hatten sich auch zuvor bei Frage 5 für Skalenpunkt 2 („selten“) entschieden. Sie begründeten ihre Antwort wie folgt:
    • „Weil das sehr menschlich ist. Es wäre komisch, wenn es Leute gibt, die das noch nie gemacht haben.“ (TP 02)
    • „Also, [das ist] nicht wirklich unangenehm. Wahrscheinlich, weil ich mit meinen Fruchtabfällen noch ganz gut dastehe [lacht].“ (TP 03).
    Alle anderen Testpersonen äußerten, dass sie eine klare Meinung zu dem Thema hätten, es eine Selbstverständlichkeit sei, seinen Müll nicht auf den Boden zu werfen, und es sich um kein unangenehmes Thema handle:
    • „Weil ich finde, dass das eigentlich eine Frage ist, die mich persönlich jetzt nicht so beunruhigt hat […]. Also, ich finde das jetzt kein großes Thema, darüber zu reden. Und ich finde auch, dass die Frage sehr höflich gestellt ist.“ (TP 01)
    • „Weil ich das nicht mache. Weil ich eine klare Einstellung dazu habe.“ (TP 06)
    • „Weil ich eine klare Meinung dazu habe und weil ich das ja auch immer mal wieder erlebe, dass Leute ihre Zigarettenkippen wegwerfen, und weil mich das auch stört.“ (TP 07)
    • „Weil das für mich selbstverständlich ist, dass man seine Abfälle nicht in der Gegend rumschmeißt, und ich mich über andere ärgere, die ihre Abfälle zum Beispiel in meinen Vorgarten schmeißen.“ (TP 10)
    Des Weiteren wurden die Testpersonen gebeten, auf einer siebenstufigen Skala anzugeben, wie ehrlich Befragte diese Frage ihrer Meinung nach in einer richtigen Umfrage beantworten würden (s. Tabelle N5_F5). Sechs Testpersonen glaubten, dass diese Frage in einem Fragebogen „eher nicht ehrlich“ (Skalenpunkt 3) beantwortet werde, und drei, dass sie „eher ehrlich“ (Skalenpunkt 6; n = 1) bzw. „sehr ehrlich“ (Skalenpunkt 7; n = 2) beantwortet werde. Testperson 08 gab an, dass sie es nicht wisse, da sie in andere nicht hineinschauen könne. Diejenigen, die glaubten, dass die Frage „eher nicht ehrlich“ beantwortet werde, nannten die Klimakrise, Schamgefühle und Zweifel an der Anonymität als mögliche Gründe dafür:
    • „Wegen der momentan herrschenden Meinung zur Klimakrise. Ich glaube, inzwischen ist es wirklich total verrufen, wenn man so etwas macht. Und da haben Menschen vermutlich schon eine Hemmschwelle, diese Frage ehrlich zu beantworten, ohne sozial geächtet zu werden.“ (TP 02)
    • „Weil ich denke, dass die Umwelt ein Riesenthema ist und manche Leute gerne besser dastehen würden, als sie es tun.“ (TP 05)
    • „Weil die Leute sich da vielleicht ein bisschen schämen, könnte ja sein, dass die das eigentlich nicht wahrhaben wollen.“ (TP 09)
    Diejenigen, die glaubten, dass die Frage „eher/sehr ehrlich“ beantwortet werde, nannten die Anonymität der Umfrage und die Nichtpeinlichkeit der Frage als mögliche Gründe dafür:
    • „Weil der Fragebogen oder die Fragen ja später mehr oder weniger anonym sind. Und ich glaube auch nicht, dass das eine Thematik ist, bei der jetzt viele Leute anfangen zu lügen.“ (TP 01)
    • „Weil das einfach keine Peinlichkeiten beinhaltet oder so. Ich denke, die Leute, die ihr Zeug einfach in der Gegend wegschmeißen, die machen sich darüber keinen Kopf und denen ist das auch nicht peinlich, das zuzugeben.“ (TP 07)
  1. Thema der Frage: Umwelteinstellungen und Umweltverhalten
  2. Konstrukt: Umweltverhalten
  3. Frage in ZIS dokumentiert: