Pretest-Datenbank

Projektname: SHARE 9. Welle - Neue Items zu den Themen finanzielle Entscheidungsfindung, erfolgreiches Altern, Ess- und Schlafverhalten, langfristige Pflegeversicherung und Erwartungen an die Langzeitpflege

  1. Einleitungstext: Bei den folgenden Fragen geht es um Finanzen und die Verwaltung von Geld.
  2. Fragetext: Auf einer Skala von 0 bis 7, wobei 0 „sehr gering“ und 7 „ sehr groß“ bedeutet: Wie würden Sie Ihr Finanzwissen einschätzen?
  3. Instruktionen: Bitte sehen Sie sich Karte 4 an.
  4. Antwortkategorien:

    0 Sehr gering

    1

    2

    3

    4

    5

    6

    7 Sehr groß


    1. Empfehlungen: Frage: Um zu vermeiden, dass der Begriff „Finanzwissen“ unterschiedlich interpretiert wird, empfehlen wir, diesen zusätzlich zu definieren. Eine mögliche Formulierung wäre:

      „Unter Finanzwissen verstehen wir hier das Verständnis von Themen im Finanzbereich sowie die Fähigkeit, angemessene und informierte Entscheidungen über persönliche Finanzen zu treffen, wie z. B. Haushaltsplanung, Geldanlagen, Versicherungen, Immobilien, Schuldenverwaltung oder Steuerplanung.“

      Antwortoptionen: Belassen.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: General Probing, Comprehension Probing, Specific Probing
  2. Befund zur Frage: 1. Was verstehen die Testpersonen unter dem Begriff „Finanzwissen“?

    Zwei Testpersonen (TP 02, 06) fragten nach dem Vorlesen der Frage direkt nach, was unter dem Begriff „Finanzwissen“ zu verstehen sei:
    • „Mein Finanzwissen? [Geht es um] meine eigenen Finanzen oder um Finanzwissen im Sinne von Abläufe einer Finanzierung, zum Beispiel, im staatlichen Sinn, also, was die Bundesrepublik macht?“ (TP 02)
    • „Hm, Finanzwissen. Das ist gut, definieren Sie das mal. Das ist ja ein klasse Wort! […] Das ist weit gefasst. Das reicht vom Sparbuch bis zum Optionenhandel. Volkswirtschaftslehre, Mikro- und Makroökonomie, Bruttoinlandsprodukt. Die Frage ist für mich Nonsens. Viel zu ungenau, undefiniert.“ (TP 06)
    Für sieben Testpersonen (TP 01, 02, 04, 06, 07, 08, 10) beinhaltete der Begriff „Finanzwissen“ sowohl das Wissen über die privaten finanziellen Verhältnisse und Abläufe als auch das Wissen über globalere, markt- oder finanzwirtschaftliche Zusammenhänge und Vorgänge. Alle diese Testpersonen vergaben entweder den Skalenwert 4 (falls sie ihr Wissen über globalere Zusammenhänge eher geringer einschätzten) oder den Skalenwert 5 (falls sie ihr Wissen über finanzwirtschaftliche Vorgänge etwas größer einschätzten):
    • „Ich habe mir gerade ein paar Fonds gekauft und bin öfter bei der Bank tätig. Ich interessiere mich dafür. Ich mache auch Onlinebanking und denke, dass ich etwas mehr als mittelmäßiges Wissen darüber habe. […] [Finanzwissen bedeutet für mich,] vielleicht ein bisschen Wissen im Bereich Wirtschaft und Politik zu haben. Aber auch die persönlichen Finanzen natürlich, dass ich einen Überblick habe.“ (TP 01, Antwort: 5)
    • „Finanzwissen im Sinne von Abläufe einer Finanzierung, zum Beispiel, im staatlichen Sinn, also was die Bundesrepublik macht. Da habe ich genauso viel wie null Ahnung, wie sie mit Milliarden jonglieren. Die Zusammenhänge, das Bruttosozialprodukt, das meine ich, sind nicht meine Stärke. Ich kann es abschätzen, aber das ist nicht meine Stärke. Meine eigenen Finanzen, natürlich, kenne ich gut.“ (TP 02, Antwort: 4)
    • „[Der Wert 5,] weil ich mich doch relativ gut mit Finanzen auskenne, durch das Studium und Interesse am Thema. Ich war auch auf dem Wirtschaftsgymnasium. Also Finanzwesen ist schon etwas, das für mich sehr wichtig ist, jeden Tag. Onlinebanking, Traden und ein bisschen Zocken nebenbei. Man muss sich auch immer informieren, wie jetzt mit dem Coronavirus, welche Auswirkungen das auf die Börse hat.“ (TP 06, Antwort: 5)
    • „Ich kümmere mich bei uns um die Finanzen. Ich habe da auch grundlegende Kenntnisse, aber von Aktienhandel oder Ähnlichem lasse ich die Finger. Da habe ich keine Ahnung davon. Deswegen die 4 […].“ (TP 08, Antwort: 4)
    Die restlichen drei Testpersonen fokussierten entweder ausschließlich auf ihr Wissen über die privaten Finanzen (TP 03, 05) oder auf ihr Wissen zu finanzwirtschaftlichen Vorgängen (TP 09). Dementsprechend schätzten diese Testpersonen ihr Finanzwissen auch entweder sehr hoch (TP 03: Skalenwert 7, TP 05: Skalenwert 6) oder vergleichsweise gering ein (TP 09: Skalenwert 3):
    • „[Sehr groß, 7], weil ich das alles noch selbst mache, meine Zahlungen und Versicherungen und alles. Da muss ich ja über meine Finanzen Bescheid wissen, wie viel Geld ich noch habe und wie viel ich ausgeben darf.“ (TP 03)
    • „[Wert 6], weil ich über meine Finanzen sehr gut Bescheid weiß und es alles sehr gut meistere. […] Unter Finanzwissen verstehe ich, wenn ich meinen Fixbetrag auf dem Konto habe und ich versuche damit umzugehen, sodass es mir für den ganzen Monat ausreicht und alles bezahlt ist.“ (TP 05)
    • „[Unter Finanzwissen verstehe ich], dass man sich mit Börsenkursen und solchen Dingen auskennt. Ich habe mich damit noch nie groß beschäftigt. Wenn ich sage, jemand hat Finanzwissen, dann muss er das auch studiert oder gelernt haben. Ein Bankkaufmann zum Beispiel.“ (TP 09)
    Insgesamt deuten die Ergebnisse der kognitiven Interviews darauf hin, dass die Interpretation des Begriffs „Finanzwissen“ einen systematischen Einfluss auf die Beantwortung der Frage hat.

    2. Ist das Vorlegen der Karte hilfreich oder wird sie eher nicht benötigt?

    Analog zu Frage 1 gaben auch hier mit Ausnahme von zwei Testpersonen (TP 01, 02) alle Personen an, dass das Vorlegen der Karte die Beantwortung der Frage erleichtere:
    • „Das ist O. K., eher hilfreich.“ (TP 07)
    • „Das ist schon eher hilfreich, wenn man das vor sich liegen hat.“ (TP 09)
  1. Thema der Frage: Sonstige Themen
  2. Konstrukt: Subjektive Wahrnehmung des eigenen Finanzwissens