Bitte sehen Sie sich Liste 3 an. Manche Menschen haben Schwierigkeiten bei einigen dieser Tätigkeiten aufgrund eines körperlichen, geistigen oder emotionalen Problems oder wegen eines Gedächtnisproblems.
[Interviewer: Pausieren, bis Befragte/r die Liste gelesen hat.]
Nun sehen Sie sich diese Schaubilder an. In Deutschland haben 30 von 100 Frauen über 65 Jahren und 41 von 100 Frauen über 75 Jahren Schwierigkeiten mit mindestens einer dieser Tätigkeiten aufgrund eines körperlichen, geistigen, emotionalen oder Gedächtnisproblems. 23 von 100 Männern über 65 Jahren und 30 von 100 Männern über 75 Jahren haben Schwierigkeiten mit mindestens einer dieser Tätigkeiten, wegen eines körperlichen, geistigen, emotionalen oder Gedächtnisproblems
Liste 3
1. Haben die Interviewer Schwierigkeiten, die Antworten der Testpersonen zu notieren?
Die Testleiter hatten in zwei Fällen (TP 04, 08) Schwierigkeiten, die Antworten der Testpersonen zu notieren. Beide Testpersonen gaben zunächst an, bei welchen Tätigkeiten in Liste 3 sie bereits Schwierigkeiten haben, ohne eine Wahrscheinlichkeit für zukünftige Einschränkungen anzugeben. Dies ist zwar im Sinne der Frageintention korrekt und die Interviewer notierten auch entsprechend für beide Testpersonen die Antwort „Ich habe bereits eine oder mehrere dieser Einschränkungen“, für die Testleiter war aber nicht klar ersichtlich, ob die Testpersonen die Frage richtig verstanden hatten. Daher baten sie die Testpersonen, darüber hinaus noch die Wahrscheinlichkeit anzugeben, dass sie Einschränkungen in den anderen der aufgelisteten Tätigkeiten entwickeln, und notierten im Anschluss als zusätzliche Antwort die genannten Prozentwerte:
Um solche Missverständnisse (zwischen Interviewer und Befragten) zu vermeiden, sollte zunächst abgefragt werden, ob die Testpersonen bereits Einschränkungen bei einer oder mehrerer dieser Tätigkeiten haben. Nur falls sie diese Frage verneinen, sollten sie im Anschluss nach der Wahrscheinlichkeit gefragt werden, mit der sie eine oder mehrere dieser Einschränkungen entwickeln.
2. Ist den Testpersonen klar, dass sie eine allgemeine Einschätzung über alle Tätigkeiten hinweg angeben sollen, oder geben sie unterschiedliche Antworten für die einzelnen Tätigkeiten?
Keine der Testpersonen gab unterschiedliche Antworten für die einzelnen Tätigkeiten. Testperson 01 äußerte lediglich den Wunsch danach, differenzierter antworten zu können, hatte aber keine Schwierigkeiten damit, ein allgemeines Urteil über alle genannten Tätigkeiten hinweg zu fällen: „Ich würde das lieber etwas detaillierter beantworten wollen. Ich tendiere zu ‚unter 20‘, allerdings habe ich keinen guten Orientierungssinn. Ich glaube, da wäre die Wahrscheinlichkeit höher. Ich hoffe, dass ich im Alter noch so gesund und klar bin, dass ich das alleine schaffe. Bleiben wir bei ‚unter 20 %‘.“
3. Ist der Fragetext zu lang?
Zwei Testpersonen (TP 01, 09) kommentierten die Länge der Frage bzw. die Fülle an Informationen, die verarbeitet werden muss:
In den kognitiven Interviews hatte die Länge der Frage keinen eindeutigen negativen Einfluss auf den Antwortprozess der Testpersonen. Allerdings vermittelten die Interviews den Eindruck, dass sowohl die Schaubilder als auch der Hinweis darauf, ohne Rundung oder Näherung zu antworten, von den meisten Testpersonen ignoriert wurden. Dies kann unter anderem daran liegen, dass der Fragetext zu lang ist und die Befragten folglich nur diejenigen Informationen berücksichtigen, die sie für zentral erachten und im Gedächtnis behalten können.
4. Sind die Schaubilder verständlich?
Nur zwei der zehn Testpersonen (TP 05, 09) bezogen die Schaubilder in ihre Antwort mit ein. Testperson 05 empfand diese allerdings eher als störend denn hilfreich:
Die restlichen acht Testpersonen beantworteten die Frage unabhängig von den Schaubildern. Vier dieser Testpersonen kommentierten bzw. kritisierten die Diagramme. Testperson 01 empfand die Schaubilder als unnötig, Testperson 02 bezweifelte die Korrektheit der dargestellten Verteilungen, Testperson 07 kritisierte die Farbgebung und Testperson 10 empfahl, die Prozentzahlen der Verteilungen in die Schaubilder mit aufzunehmen:
5. Haben die Testpersonen Probleme die Frage zu verstehen und/oder zu beantworten?
Neben den oben bereits dargestellten Problemen (zu langer Fragetext, Nichtbeachten, Nichtverstehen oder Kritisieren der Schaubilder) deuteten die Antworten der drei Testpersonen, welche die Extremwerte 0 % und 100 % nannten (TP 06, 07, 10), darauf hin, dass sie die Frage nicht im intendierten Sinne verstanden haben.
Die beiden Testpersonen, die eine Wahrscheinlichkeit von 100 % angaben (TP 06, 07), begründeten ihre Antworten damit, dass jeder ab einem gewissen Alter mit Einschränkungen in einer oder mehreren dieser Tätigkeiten rechnen müsse. Testperson 06 hinterfragte daher die Sinnhaftigkeit der Frage und bezeichnete sie als „Nonsens“:
Testperson 10 äußerte eher einen Wunsch als die subjektive Wahrscheinlichkeit, mit der sie eines Tages mit Einschränkungen zu rechnen habe: „Das geht gegen 0. Das ist zwar sehr optimistisch, aber man darf sich das ja wünschen. […] Ich hoffe, ich werde 100 Jahre alt und falle dann tot um, körperlich noch unversehrt. Das ist das Wunschdenken. Aber natürlich kann einen eines dieser Dinge täglich erwischen, ganz unabhängig vom Alter. Manche bekommen mit 35 einen Schlaganfall und sind anschließend gehandicapped.“ Testperson 03 kritisiert die Frage als zu hypothetisch: „Also, ich soll jetzt beantworten, was in ein paar Jahren ist? Das ist aber eine komische Frage. Ich kann ja jetzt hier rausgehen und tot umfallen. Ich hoffe, dass ich das noch viele Jahre kann. Aber wer weiß? […] Ich werde jetzt bald 76 und denke, altersmäßig kommt das irgendwann auf mich zu. Aber was kommt und wann und wie, weiß ich ja nicht, das kann man ja nicht voraussagen.“ Der von ihr genannte Wert (50 %) scheint daher eine Schätzung zwischen 0 % und 100 % zu sein („fifty-fifty“).
Testperson 05 interpretierte die Frage zunächst dahingehend, dass sie angeben solle, bei welcher der Tätigkeiten auf der Liste sie im Alter Einschränkungen erwarte. Erst nach mehrmaligem Nachhaken der Testleiterin nannte sie eine Wahrscheinlichkeit: „Wenn ich jetzt von mir ausgehe, wenn ich irgendwann in dem Alter bin, denke ich, das Einkaufen, weil vielleicht das Laufen schwerfallen könnte, wenn ich an mich denke.“ [Die Testleiterin weist darauf hin, dass ein allgemeines Urteil über alle Tätigkeiten abgegeben werden soll.] „Im höheren Alter, wenn ich da [auf dem Schaubild] die Altersangaben sehe, würde ich schon sagen zwischen 65 und 70 %. Wenn ich von mir ausgehe, würde ich sagen 65 % auf jeden Fall. […] Das ist bei mir, weil ich sowieso mit den Füßen zu tun habe und da ein bisschen eingeschränkt bin und es nicht besser wird, eher schlimmer. Ich denke, dass es in dem Alter ungefähr der Prozentsatz sein könnte, wo ich nicht mehr richtig beweglich bin.“