Pretest-Datenbank
Projektname:Bewertung der Einkommensverteilung
  1. Einleitungstext
    (Befund/Empfehlungen): Version 1:
    Besserverdiener verdienen brutto durchschnittlich 6.700 Euro im Monat.

    Damit verdienen sie mehr als 90 % aller Deutschen.

    Version 2:
    Besserverdiener wie z. B. Ärzte, Ingenieure oder Universitätsprofessoren verdienen brutto durchschnittlich 6.700 Euro im Monat. Damit verdienen sie mehr als 90 % aller Deutschen.
  2. Fragetext
    (Befund/Empfehlungen): Finden Sie das Einkommen von Besserverdienern in Deutschland gerecht, [ungerecht niedrig oder ungerecht hoch / ungerechterweise zu niedrig oder ungerechterweise zu hoch]?
  3. Antwortkategorien
    (Befund/Empfehlungen):

    1 Ungerecht(erweise zu) niedrig

    2

    3 Gerecht

    4

    5 Ungerecht(erweise zu) hoch

  4. Alternatives Antwortformat, das getestet wurde:

    1 Ungerecht(erweise zu) niedrig

    2

    3

    4

    5

    6 Gerecht

    7

    8

    9

    10

    11 Ungerecht(erweise zu) hoch


    1. Empfehlungen:
      • Das Nennen von Beispielberufen im Fragetext wird von der deutlichen Mehrheit der Testpersonen bevorzugt. Insbesondere bei den mittleren Einkommensgruppen unterstützt es Testpersonen dabei, sich ein Bild der jeweiligen Einkommensgruppe zu machen, und führt zu anderen Antworten als wenn die Frage ohne Beispielberufe gestellt wird. Allerdings beziehen die Testpersonen in diesem Fall ihre Antworten in erster Linie auf die Beispielberufe, und nicht auf den genannten Einkommenswert. Sofern das Ziel der Frage darin besteht, die Höhe des Einkommens zu beurteilen, empfehlen wir, auf das Nennen von Beispielberufen zu verzichten.
      • Die Perzentilsätze werden nur von wenigen Testpersonen im Zuge ihrer Erläuterungen erwähnt und eher als zusätzliche Information von den Testpersonen herangezogen. Die Ergebnisse des Pretests legen daher nahe, die Perzentilsätze nicht zu nennen. Sollte jedoch auf das Nennen von Beispielberufen verzichtet werden, könnte den Perzentilsätzen eine stärkere Rolle bei der Einordnung der Einkommensgruppen zukommen.
      • Bezüglich der Anzahl der zu bewertenden Einkommensgruppen empfehlen wir, alle fünf Gruppen beizubehalten. Die Testpersonen haben insbesondere von den beiden „Randgruppen“ der Geringverdiener und Topverdiener eine deutliche Vorstellung. Hingegen zeigen einige Testpersonen Unsicherheiten, welche Berufsgruppen den drei mittleren Einkommensgruppen zuzuordnen sind. Daher ist die fünfte Gruppe der Topverdiener hilfreich für die Beantwortung der Fragen insgesamt.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: General Probing, Category Selection Probing, Difficulty Probing, Comprehension Probing, Specific Probing.
  2. Befund zur Frage: Antwortverteilung bei Frageversion 1

    Die Antworten der Testpersonen gruppieren sich für diese Frage um den Mittelwert „gerecht“ und einen/den Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht hoch“. In der ersten Frageversion wählt eine Testperson den Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht niedrig“. Zehn Testpersonen entscheiden sich für den Wert „gerecht“, sieben weitere für einen/den Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht hoch“ und zwei wählen „ungerecht hoch“.

    Verständnis der Frage und Skala

    Eine Testperson (TP 04) versteht die Skala nicht und wählt aus diesem Grund den Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht niedrig“, obwohl sie eigentlich den Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht hoch“ wählen wollte. Diese Testperson hat bereits die Skala bei der Frage nach den Geringverdienern falsch verstanden: „Ich finde, dass Leute, die sehr viel mehr verdienen, damit prahlen. Es gibt manche, die damit prahlen und nur auf das Geld achten. Die ihren Beruf machen, weil sie es lieben oder auch nur wegen des Geldes.“ Sie bemerkt den Fehler auch nicht, als sie ihre Antwort in der zweiten Version der Frage auf „gerecht“ korrigiert.

    Bei den anderen Testpersonen scheint es keine Verständnisprobleme zu geben. Diejenigen Testpersonen, die das Einkommen von Besserverdienern als „gerecht“ bewerten, begründen dies hauptsächlich mit der Verantwortung, die man in manchen Berufen trägt oder der dafür benötigten Ausbildung:
    • „Man muss schon etwas leisten, wenn man so viel verdient. Man hat viel Verantwortung.“ (TP 09)
    • „Ich habe die Vorstellung, dass es sehr hoch qualifizierte Berufe sind. Dass sie die entsprechende Ausbildung haben, verantwortungsvolle Berufe haben und deswegen auch überdurchschnittlich bezahlt werden sollten.“ (TP 14)
    Entscheiden sich Testpersonen für den/einen Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht hoch“, enthält ihre Begründung meist Aussagen über das Verhältnis zu anderen Berufen und dass es nun darauf ankäme, welchen Beruf man ausübe:
    • „Da kommen wir in eine Kategorie, die in keinem Verhältnis steht zu der untersten, also den 1.500 oder den 2.900 brutto. Das steht in keinem Verhältnis. Diese Arbeit kann nicht so viel wertvoller sein, von der Leistung her.“ (TP 05)
    • „Weil diese Berufsgruppen nicht verhältnismäßig mehr Verantwortung für die Gesellschaft haben als die Polizisten oder Lehrer und trotzdem viel mehr verdienen.“ (TP 06)
    Nennung von Berufsgruppen durch Testpersonen

    Drei Testpersonen können keine Berufsgruppen nennen, die ihnen zu der Gruppe der Besserverdienenden einfallen. Sieben Testpersonen nennen Ärzte, die auch in der zweiten Frageversion als Beispielberufe genannt werden. Professoren und Ingenieure werden nur jeweils von einer Testperson genannt.

    Eine weitere größere Gruppe besteht aus Führungskräften oder Firmeninhabern, dabei werden am häufigsten Manager (fünf Nennungen), leitende Angestellte (drei), Abteilungsleiter, Vorstände, Geschäftsführer, Personalleiter und Selbständige genannt. Auch juristische Berufe werden von mehreren Testpersonen erwähnt, darunter von vier Testpersonen (Staats-)Anwälte, und jeweils von zweien Notare und Richter. Drei Testpersonen nennen Banker. Jeweils eine Testperson nennt Lehrer und Wissenschaftler. Weitere Einzelnennungen sind Apotheker, Designer, Politiker und Piloten.

    Antwortverteilung bei Frageversion 2 und Änderung der Antworten zwischen den Versionen

    In der zweiten Frageversion wählt niemand den Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht niedrig“. Zwölf bis 13 Testpersonen entscheiden sich für den Wert „gerecht“, sechs bis sieben weitere für einen/den Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht hoch“ und eine wählt „ungerecht hoch“.

    Fünf Testpersonen ändern ihre Antwort in der zweiten Frageversion aufgrund der genannten Berufsgruppen.

    Zwei Testpersonen ändern ihre Antwort auf den Mittelwert „gerecht“, die davor der Ansicht waren, dass dieses Gehalt tendenziell ungerecht hoch sei (TP 04, 15). Beide begründen dies damit, dass Ärzte als Beispiele genannt wurden. Eine der Testpersonen findet, dass dies auch für Professoren gerechtfertigt sei. Zwei weitere Testpersonen (TP 02, 18) ändern ihre Antwort von „ungerecht hoch“ auf den Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht hoch“, weil die Beispielberufe sie zu einem milderen Urteil bewegen („Ich finde der Arzt hat es schon verdient. Er ist dazu da, um Leute zu untersuchen und sie wieder gesund zu machen. Für einen Universitätsprofessor ist das auch eher gerecht. Vielleicht hat er nicht 6.700€ verdient, aber auf jeden Fall mehr als ein Lehrer. Der Ingenieur… also wenn ich zwischen Skalenpunkt 3 und 4 noch eine Option hätte, würde ich mich für diese entscheiden.“; TP 02, zeichnet einen Punkt zwischen „gerecht“ und dem Zwischenwert zwischen „gerecht“ und „ungerecht hoch“).

    Testperson 18 kann sich bei Version 1 nicht vorstellen, wann ein solches Gehalt gerechtfertigt sein soll. Sie wählt in der ersten Frageversion den Wert „ungerecht hoch“: „Es ist einfach zu hoch, weil sie jetzt nur noch 10% repräsentieren. Da frage ich mich, was sind das für Berufe, die so ungerecht viel verdienen.“ Nach der Nennung der Beispielberufe ändert sie ihre Antwort auf den Skalenpunkt zwischen „gerecht“ und „ungerecht hoch“: „Bei den Architekten finde ich es etwas zu hoch. Bei den Ärzten sagt man, die retten so viele Leben. Es ist irgendwo gerechtfertigt, dass sie für ihre Arbeit belohnt werden. Professoren, klar, die müssen viel studiert haben. Die fangen spät an etwas zu verdienen, aber andererseits machen sie so viele Geschäfte.“

    Eine Testperson ändert ihre Antwort von dem Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht hoch“ auf „ungerecht hoch“ (TP 05). Sie ärgert sich, dass ihr Mann als Pflegekraft im OP zu den Gutverdienern gehört, der Arzt, der diese Assistenz für die Operationen zwingend braucht, aber zu den Besserverdienenden.

    Erwähnung des Perzentilsatzes

    Eine Testperson (TP 18) erwähnt den Perzentilsatz während der Probing-Fragen: „Es ist einfach zu hoch, weil sie jetzt nur noch 10% repräsentieren.“ Diese Testperson entscheidet sich für den Wert „ungerecht hoch“ in der ersten Version der Frage, korrigiert aber später auf den Wert zwischen „gerecht“ und „ungerecht hoch“ aufgrund der Beispielberufe. Nach der Nennung der Beispielberufe spielt der Perzentilsatz eine untergeordnete Rolle für die Auswahl der Antwortkategorie.
  1. Thema der Frage: Gesellschaft & Soziales/ Soziale Gerechtigkeit
  2. Konstrukt: Bewertung des Einkommens von Besserverdienern