Pretest-Datenbank

Projektname: Islamistische Einstellungen bei jugendlichen Musliminnen und Muslimen in Deutschland

  1. Fragetext: Darf ich Sie fragen, ob Sie sich einer Religionsgemeinschaft (z.B. Christentum, Buddhismus, Islam usw.) zugehörig fühlen und wenn ja, welcher?
  2. Antwortkategorien:

    Ja, christliche Religionsgemeinschaft.

    Ja, islamische Religionsgemeinschaft.

    Ja, jüdische Religionsgemeinschaft.

    Ja, buddhistische Religionsgemeinschaft.

    Ja, hinduistische Religionsgemeinschaft.

    Ja, andere Religionsgemeinschaft.

    Ja, aber ich fühle mich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig.

    Nein, das möchte ich lieber für mich behalten.


    1. Empfehlungen: Frage:
      Die Formulierung „sich zugehörig fühlen“ scheint für die meisten Testpersonen nicht notwendig zu sein, und für einzelne sogar irritierend. Wir empfehlen die Formulierung „Gehören Sie einer Religionsgemeinschaft an, und wenn ja, welcher?“

      Antwortoptionen:
      Bei einer Umformulierung der Frage empfehlen wir eine entsprechende Anpassung der Antwortkategorien. Nach der Präsentation der Religionen folgen die Antwortkategorien „Nein, ich gehöre keiner Religionsgemein-schaft an“ (die die Antwort „Ja, aber ich fühle mich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig“ ersetzt) und „Das möchte ich lieber für mich behalten“.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: General Probing, Comprehension Probing, Specific Probing.
  2. Befund zur Frage: Alle Testpersonen beantworten Frage 3 ohne Zögern oder Anzeichen von Unwohlsein.

    Da alle Testpersonen als dem Islam angehörend rekrutiert wurden, wurde erwartet, dass alle die Antwortoption „Ja, islamische Religionsgemeinschaft“ wählen würden. Eine Testperson tut dies allerdings nicht, sondern entscheidet sich für „Ja, aber ich fühle mich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig“ (AR14). Auf Nachfrage des Interviewers erklärt die Testperson, dass sie muslimisch geboren und großgezogen wurde und sich weiterhin als gläubig bezeichnet. Sie musste ihr Heimatland allerdings aufgrund radikal islamischer Bedrohung verlassen. Seitdem bestehe bei ihr kein „Gefühl“ der Zugehörigkeit zu der Religionsgemeinschaft, die sie mit Radikalisierung verbinde. Da die Frage nach dem Gefühl fragt, wählt sie diese Antwort aus. Da sich die Testperson dennoch dem Islam zuordnet, wurden ihr die Fragen, die nur von muslimischen Testpersonen beantwortet werden sollten, dennoch vom Interviewer präsentiert, und sie beantwortete sie problemlos.

    Die Formulierung „sich zugehörig fühlen“ wird von allen Testpersonen mit mindestens einem der folgenden Aspekte assoziiert:

    Am häufigsten wird die Glaubenszugehörigkeit in Zusammenhang mit der Familienzugehörigkeit und der eigenen Herkunft gebracht (DE02, DE03, DE04, DE05, TR06, TR08, TR09, TR10, AR11, AR12): „Mein Papa ist Muslim. Meine Geschwister und ich wurden muslimisch erzogen“ (DE05). Eine Testperson, die in Syrien aufwuchs, erklärt, dass sie „in einer islamischen Familie in einer islamischen Stadt“ groß wurde (AR12).

    Eine zweite Assoziation besteht zu Alltagshandlungen und Ritualen. Genannt werden regelmäßige Moscheebesuche und Beten in der Moschee (DE01, DE03, DE05, TR06, TR07), die Koranschule und das Erlernen der arabischen Sprache (DE01, TR06), ebenso wie das Ritual der Beschneidung (DE02).

    Die dritte Assoziation ist das bewusste Befolgen von Glaubensgrundsätzen und die persönliche, emotionale Bindung an den Glauben und dazugehörige Überzeugung. Eine Testperson erwähnt persönliche religiöse Ansichten, wie die Auffassung darüber, was nach dem Tod geschieht (AR11). Eine weitere erklärt, dass man sich seiner Religionsgemeinschaft zugehörig fühle, wenn die eigene Anschauung mit der Lehre der Religion übereinstimmt (TR08). Auch andere Aussagen greifen diese Facette zumindest kurz auf:
    • „Sich in der jeweiligen Religionsgemeinschaft wohl zu fühlen.“ (DE02)
    • „Den Lehren des Islams folgen.“ (DE04)
    • „Nicht Feiern gehen und keinen Alkohol trinken.“ (TR06)
    • „Wie die eigene Denkweise ist.“ (TR07)
    • „Von welcher Religion man überzeugt ist.“ (AR13)
    Zwei arabische Testpersonen setzen sich tiefer mit der Übersetzung für „sich zugehörig fühlen“ auseinander. Eine davon bemerkt, dass es im Glauben weniger um Zugehörigkeit als um Überzeugung gehe (AR13). Die andere, die sich aufgrund ihrer Vorgeschichte dem Glauben gegenüber skeptisch äußert, erklärt, dass die Frage wissen will: „Wie du dich fühlst. Gefühle haben aber mit Religion nichts zu tun“ (AR14).
  1. Thema der Frage: Kultur, Religion, Bildung
  2. Konstrukt: Religionszugehörigkeit