Pretest-Datenbank

Projektname: Optimizing Probing Procedures for Cross-National Web Surveys (CICOM 2)

  1. Einleitungstext: Im Folgenden möchten wir Ihnen ein paar Fragen zum Thema „Politik“ stellen.
  2. Fragetext: Wie sehr sind Sie mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert, zufrieden?
  3. Antwortkategorien:

    0 - Äußerst unzufrieden

    1

    2

    3

    4

    5

    6

    7

    8

    9

    10 - Äußerst zufrieden

    Kann ich nicht sagen


    1. Empfehlungen: Vergleicht man Frage 8) mit Frage 6a) zeigt sich zum einen, dass den Testpersonen eine Verortung auf der Zufriedenheitsskala leichter fällt. Zum anderen ist eine eindeutige Interpretation negativer Antworten möglich. Im Vergleich zu Frage 6a) stellt eine negative Antwort bei Frage 8) keine Ablehnung der Frageformulierung dar, sondern bezieht sich alleine auf den Inhalt der Frage. Aus diesen Gründen ist die Formulierung aus Frage 8) vorzuziehen.

      Werden beide Fragen beibehalten, nimmt ein Teil der Testpersonen diese als redundant wahr.

      Wenn die Funktionsweise der Demokratie als Teil der Fragebatterie in Frage 6) erfasst werden soll, gilt es die Empfehlungen zu Frage 6) zu beachten.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Category Selection Probing.
  2. Befund zur Frage: Der überwiegende Teil der Testpersonen (15 TPs) ist mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert, zufrieden.

    Die vier „unzufriedenen“ Testpersonen, die sich für Skalenwerte zwischen 0-3 entschieden haben, begründen ihre Antwort entweder damit, dass über sie hinweg entschieden würde (TP 05, TP 15) oder damit, dass überall geholfen würde, nur nicht im eigenen Land und dass die Zuwanderungsgesetze insgesamt zu „lasch“ seien (TP 02, TP 12).

    Die Gruppe der zufriedenen Testpersonen lässt sich noch einmal unterteilen: Drei Testpersonen wählen den Skalenwert 6, der zwar auf der „zufriedenen“ Seite der Skala liegt, aber eher im unteren Bereich. Dies wird damit erklärt, dass die Testpersonen grundsätzlich mit der Demokratie zufrieden sind, dass es ihrer Meinung nach aber durchaus noch Möglichkeiten zur Verbesserung gebe. TP 03 findet beispielsweise, dass einiges sehr gut funktioniere, wie die Energiewende, anderes aber nicht, wie die Umverteilung. TP 10 bemängelt, dass die Entscheidungsfindung in einer Demokratie zu langsam gehe.

    Die zufriedenen Testpersonen, die sich im oberen Bereich der Skala anordnen (Skalenwerte 7-10), begründen ihre Antwort damit, dass die Demokratie gut funktioniere und dass man damit zufrieden sein könne. Als einschränkender Faktor werden von sechs Testpersonen lediglich die unzulänglichen Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung (Volksentscheide) genannt. Zwei Testpersonen kritisieren den zu großen Einfluss der Wirtschaft/Lobbyisten (TP 13, TP 16).

    Eine Beurteilung der Zufriedenheit mit der Demokratie als generelle Staatsform – unabhängig von Deutschland – wird insgesamt von drei Testpersonen vorgenommen. Testperson 18 gibt keine Gründe für die Wahl ihrer Antwort an.

    Testperson 04 verankert sich genau in der Mitte der Skala, was sie damit begründet, dass das individuelle Wohlbefinden unabhängig von der Demokratie sei:
    • „Wie gesagt, die Politik, CDU oder FDP, kann mir da auch nicht weiterhelfen. Ich bin auf mich selbst angewiesen. Deswegen nehme ich eben die Mitte. Ich bin nicht zufrieden, aber auch nicht unzufrieden. Mir geht es gut.“ (TP 04)
    Vergleich der beiden Fragen (Frage 6a) und 8) zur Art und Weise, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert:

    Drei Testpersonen äußern spontan, dass sie die Frage, wie die Demokratie funktioniert, schon einmal beantwortet haben. Fünf weitere Testpersonen nehmen bei der Begründung ihrer Antwort ebenfalls Bezug auf die bereits beantwortete Frage 6a):
    • „Wie vorhin schon gesagt, Demokratie in Deutschland […].“ (TP 04)
    • „Da würde ich jetzt eine ähnliche Begründung anwenden wie eben, dass jeder Mensch der möchte die Möglichkeit hat in der Politik mitzuwirken […].“ (TP 06)
    • „Im Prinzip, wie ich vorhin schon erläutert habe, bei der einen Frage […].“ (TP 07)
    • „Das habe ich vorhin ja schon mal begründet in der anderen Fragen. Unser Mehrparteiensystem, das wir haben. […].“ (TP 14)
    • „Wir hatten ja vorhin schon mal so eine ähnliche Frage, wie das mit der Demokratie, wie stolz ich auf die Demokratie bin. Und das ist ja genau das Gleiche, die Art und Weise wie die Demokratie funktioniert […].“ (TP 16)
    Wenn man die Angaben der Testpersonen aus den Fragen 6a) und 8) vergleicht, zeigen sich bei 15 Personen ähnliche Antwortstrukturen: Wer hinsichtlich der Art und Weise, wie die Demokratie funktioniert, angibt stolz zu sein, ist auch zufrieden(er), wer angibt nicht stolz zu sein, ist auch eher unzufrieden. Insgesamt unterscheidet sich bei nur fünf Testpersonen das Antwortverhalten in den beiden Fragen. Während Testperson 03 aufgrund von Schwierigkeiten mit dem Wort „stolz“ in Frage 6) bei jedem Item „überhaupt nicht stolz“ oder „nicht sehr stolz“ wählt, ist es ihr möglich, die eigene Zufriedenheit mit der Funktionsweise der Demokratie zu bewerten. Auch Testperson 04, die bei Frage 6a) nicht sagen kann, wie „stolz“ sie ist, kann sich bei Frage 8) auf der Zufriedenheitsskala verorten, d.h. ihr ist es hier möglich eine gültige Antwort zu geben.

    Im Gegensatz zur vorangehenden Frage 6a) ruft die Formulierung „zufrieden mit“ keine Irritation oder Ablehnung bei den Testpersonen hervor. Im Gegenteil, einige durch den Stolz-Begriff aufgeworfenen Probleme beim Beantworten, können so vermieden werden. Bei Testperson 10 beispielsweise führt die Tatsache, dass diesmal nicht anhand von „stolz“ bewertet werden soll, zu folgendem spontanen Ausspruch: „Wenigstens nicht stolz“.
  1. Thema der Frage: Politische Einstellung und Verhalten
  2. Konstrukt: Zufriedenheit mit Demokratie in Deutschland