Pretest-Datenbank

Projektname: International Social Survey Programme (ISSP) 2015

  1. Fragetext: Sind Sie jemals in den letzten fünf Jahren beruflich benachteiligt worden, z.B. bei einer Bewerbung oder in Bezug auf Bezahlung oder Beförderung?
  2. Instruktionen: (Nur EIN Kreuz möglich!)
  3. Antwortkategorien:

    Ja

    Nein

    Kann ich nicht sagen


    1. Empfehlungen: Frage und Antwortkategorien belassen.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Think Aloud, General Probing, Comprehension Probing.
  2. Befund zur Frage: Insgesamt geben acht der 15 Testpersonen an, schon einmal in den letzten fünf Jahren beruflich benachteiligt worden zu sein, die übrigen sieben geben an, dass dies nicht der Fall gewesen sei.

    Unter beruflicher Benachteiligung verstehen die Testpersonen:
    • Benachteiligung hinsichtlich Bezahlung, d.h. weniger Gehalt bei gleicher Leistung oder ausbleibende Gehaltserhöhungen (neun Nennungen)
    • Benachteiligung bei Stellenbesetzungen/Beförderung, fehlende Aufstiegsmöglichkeiten (insgesamt sieben Nennungen, wobei zwei Testpersonen (TP 14, 15) das explizit auf das Alter zurückführen)
    • Benachteiligung bei Bewerbungen (4 Nennungen: zwei Mal allgemein, jeweils einmal in Bezug auf Alter und einmal in Bezug auf eine Verbindung zwischen Alter und Geschlecht)
    • Benachteiligung hinsichtlich der Arbeitsaufgaben/Aufgabenverteilung (3 Nennungen)
    • Benachteiligung aufgrund von persönlichen Gründen, wie z.B. dem Lebensstil (1 Nennung)
    • Mobbing/Diskriminierung aufgrund des Geschlechts/der sexuellen Orientierung (1 Nennung)
    • Zwangsversetzung (1 Nennung)
    In Bezug auf die Definitionen beruflicher Benachteiligung macht es im Großen und Ganzen keinen Unterschied, ob die Testpersonen dies schon einmal selbst erlebt haben oder nicht. Während Testpersonen, die angeben, noch nicht beruflich benachteiligt worden zu sein, bei den Gründen Bewerbung und Beförderung in ihren Antworten eher allgemein bleiben, beziehen es die Betroffenen auf ihre eigene Situation (aufgrund des Alters oder aufgrund einer Mischung aus Alter und Geschlecht).

    Drei Testpersonen geben zu bedenken, dass man bei Bewerbungen schwer einschätzen kann, ob es sich dabei um eine Benachteiligung gehandelt hat:
    • „Eigentlich kann ich es nicht sagen, denn woher soll ich das bei einer Bewerbung wissen. Aber ich hatte es gerade kürzlich, dass ich mich beworben hatte und es wurde mir gesagt, dass es nur zwei Bewerber gibt und mir wurde gesagt, ich wäre qualifizierter und sympathisch. Am Ende hat der andere junge Mann den Job bekommen. In diesem Fall konnte ich mir halt vorstellen, ich bin weiblich, über 30 und habe noch kein Kind, dass die denken, die wird ratzfatz schwanger. Und irgendetwas muss mich ja in diesem Fall benachteiligt haben.“ (TP 05)
    • „Ich würde sagen „ja“. Ich habe überlegt, wo ich mich beworben habe. Es ist halt sehr schwierig, wenn man von einer Bewerbung eine Absage bekommt. Ich denke, ich hätte die Voraussetzungen mitgebracht, aber ich habe leider eine Absage bekommen. Benachteiligt, ich meine die Leute haben ja geguckt, wer geeignet ist. Aber ich denke, vielleicht vom Alter her, das mag vielleicht sein.“ (TP 10)
    • „Das ist ja absolut subjektiv. Bei Bewerbungen bspw. gibt es ja aufgrund der rechtlichen Regelungen gar kein Feedback/keine ehrliche Antwort, daher weiß ich ja gar nicht, ob ich tatsächlich benachteiligt wurde.“ (TP 14)
    Insgesamt empfanden 14 Testpersonen die Beantwortung der Frage als „sehr leicht“ (6 TPs) oder „eher leicht“ (8 TPs). Testperson 04 fiel die Beantwortung „eher schwer“, da „berufliche Benachteiligung“ ein sehr emotionales Thema für sie ist.
  1. Thema der Frage: Arbeit & Beruf
  2. Konstrukt: Berufliche Benachteiligung