Pretest-Datenbank

Projektname: Entwicklung einer Standardbatterie zur Erfassung psychologischer Merkmale in sozialwissenschaftlichen Umfragen

  1. Fragetext: Wenn Sie an die Zukunft denken: Sind Sie da…
  2. Instruktionen: INT: Vorgaben vorlesen
  3. Antwortkategorien:

    Optimistisch

    Eher optimistisch als pessimistisch

    Eher pessimistisch als optimistisch

    Oder pessimistisch


    1. Empfehlungen: Noch stärkere Fokussierung auf die Zukunft: „Denken Sie bei der folgenden Frage bitte nur an die Zukunft. Wenn Sie an die Zukunft denken, sind Sie da…?“
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Comprehension Probing.
  2. Befund zur Frage: TP 1 wurde die Frage nicht gestellt, weil sie bereits bei Frage 4 angegeben hatte, den Begriff „optimistisch“ nicht zu kennen.

    Erfreulicherweise herrscht in unserer Stichprobe doch Optimismus vor, nur fünf von 19 Testpersonen denken für die Zukunft (eher) pessimistisch.

    12 Testpersonen gaben auf Nachfrage an, dass die Frage „sehr leicht“ zu beantworten gewesen wäre. Abgesehen von zwei Testpersonen, denen der Begriff „optimistisch“ nicht bekannt ist (TP 1 ohnehin, aber hier auch TP 13), liegt ein Problem der Frage sicherlich in der Ausrichtung in die Zukunft. Hier entstanden Probleme „weil Zukunft nicht eindeutig definiert war, was genau mit Zukunft gemeint ist“ (TP 02) oder „weil da ja auch noch Unwägbarkeiten bestehen, was die Zukunft angeht“ (TP 17). Vereinzelt wurde die Frage deshalb als schwierig zu beantworten angesehen, weil man sich gerade in einer Art Umbruchsituation befinde.

    Obwohl in der Frageformulierung eindeutig der zeitliche Bezug zur Zukunft definiert worden ist, erhalten wir doch diffuse zeitliche Zuordnung der Antworten, durchaus aber mit Schwerpunkt auf die Zukunft bzw. auf Gegenwart und Zukunft. Die Frage, ob man beim Beantworten der Frage eher an die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft gedacht habe, wurde wie folgt beantwortet:
    • Vergangenheit - 1 Testperson
    • Gegenwart - 2 Testpersonen
    • Zukunft - 8 Testpersonen
    • Vergangenheit und Gegenwart - keine Testperson
    • Vergangenheit und Zukunft - 1 Testperson
    • Gegenwart und Zukunft - 5 Testpersonen
    • Alle drei - 1 Testperson
    Für das semantische Verständnis der Begrifflichkeit entscheidend ist die Frage gewesen, was denn die Testpersonen eigentlich unter „optimistisch“ und „pessimistisch“ verstehen.

    Betrachten wir zunächst das subjektive Verständnis von „optimistisch“; ohne die beiden Personen, die den Begriff nicht kennen, erhalten wir die folgenden Definitionen:
    • "Optimistisch heißt für mich eher so positiv denken, auch wenn eine Sache nicht positiv ist, durch bestimmte Gedanken/Einstellungen die Zuversicht haben, dass es auch gut wird." (TP 02)
    • "Wenn man in die Zukunft sieht und sagt, das bringt was." (TP 03)
    • "Freudig in die Zukunft, alles positiv." (TP 04)
    • "Dass man mit positiven Erwartungen in die Zukunft blickt und sich nicht zu viele Sorgen macht. Dass man zuversichtlich ist und man von seiner Selbstwirksamkeit überzeugt ist und dass man selbst Dinge gestalten kann und nicht von außen gelenkt wird. Dass man auch davon überzeugt ist auch in der Zukunft zufrieden sein zu können." (TP 05)
    • "Dass man frohen Mutes ist, dass man klar auf die Dinge zugeht, dass man an sich glaubt und pessimistisch ist das genaue Gegenteil." (TP 06)
    • "Man nimmt an, dass es besser wird." (TP 07)
    • "Optimistisch ist für mich zunächst mal, ja wie kann man es ausdrücken, dass es eben vorangeht, dass vielleicht einiges oder vieles besser wird." (TP 08)
    • "Dass bei einer Situation, die bisher offen ist man sich sagt, dass es sich positiv entwickelt." (TP 09)
    • "Positiv." (TP 10)
    • "Positiv sehend." (TP 11)
    • "Offen, ehrlich, positive Einstellung." (TP 12)
    • "Wenn man positiv in die Zukunft schaut, einen positiven Blick auf die Dinge hat." (TP 14)
    • "Dass ich frohgestimmt in die Zukunft blicke, sicherer bin, das Gegenteil von pessimistisch." (TP 15)
    • "Guter Dinge zu sein, dass alles gut wird." (TP 16)
    • "Positiv denken." (TP 17)
    • "Das man eher alles positiv sieht." (TP 18)
    • "Dass man zuversichtlich ist." (TP 19)
    • "Gut, positiv." (TP 20)
    Auf die Frage, was man unter „pessimistisch“ verstehe, wurde in fünf Fällen schlicht das Gegenteil von „optimistisch“ geantwortet. Die beiden Testpersonen, die den Begriff „optimistisch“ nicht kannten, kannten auch den Begriff „pessimistisch“ nicht. Die Antworten der anderen Testpersonen:
    • "Das ist für mich schon so ein bisschen negativ belegt, so ein bisschen schwarzsehen." (TP 02)
    • "Wenn man in die Zukunft sieht und sagt, das wird nix." (TP 03)
    • "Dass man mit negativen Erwartungen in die Zukunft blickt, dass man sich viele Sorgen macht um die Zukunft und dass man eher annimmt, dass es einem in der Zukunft schlecht geht. Vielleicht auch verbunden mit einer gewissen Ängstlichkeit." (TP 05)
    • "Wenn man sieht, dass Dinge gar nicht klappen, da ist man schon nicht mehr so mutig an Dinge heran zu gehen als wie umgekehrt." (TP 06)
    • "Man nimmt an, dass es schlechter wird." (TP 07)
    • "Ja gut, das ist wenn man alles, man kann sagen Pessimist der alles so sieht dass nichts gelingt, dass alles oder vieles schiefgeht, dass sich vielleicht für die Zukunft die Wünsche nicht erfüllen die man noch hat. Dass man vieles negativ sieht." (TP 08)
    • "Dass ich ein wenig depressiv bin, dass ich alles für schlecht halte, unzufrieden bin." (TP 09)
    • "Negativ." (TP 10)
    • "Negativ sehend." (TP 11)
    • "Negativ, zurückhaltend, zögerlich." (TP 12)
    • "Dass ich alles schwarz sehe und mir gleich den Strick kaufe." (TP 15)
    • "Zweifel haben, Ängste für die Zukunft haben." (TP 17)
    • "Negativ." (TP 18)
    • "Dass man nicht zuversichtlich ist". (TP 19)
    • "Negativ." (TP 20)
    Abschließend wurde gefragt, ob optimistisch und pessimistisch Gegensätze seien, oder ob man beides sein könne, also optimistisch und pessimistisch. Ergebnis: 10 der insgesamt 17 Testpersonen, denen diese Frage gestellt wurde, vertraten die Ansicht, man könne beides sein; nur 5 Testpersonen entschieden sich eindeutig für „Gegensätze“. Die beiden anderen Testpersonen, die mit dieser Frage konfrontiert waren, wollten sich nicht eindeutig festlegen: „Im Einzelfalle ja, im Großen und Ganzen nein“ (TP 04) und „Es sind Gegensätze, aber man kann beides sein“ (TP 10).
  1. Thema der Frage: Individuum / Persönlichkeit
  2. Konstrukt: Optimismus bzgl. der Zukunft