Pretest-Datenbank

Projektname: German Internet Panel (GIP) – Modul “Inflation” der November 2014 Welle

  1. Allgemeine Informationen: Die Testpersonen wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. 50% der Befragten bekamen das EZB-Statement ohne Zahlen und die anderen 50% bekamen das EZB-Statement mit Zahlen. Beiden Gruppen wurden dieselben Antwortkategorien vorgegeben.
  2. Einleitungstext: Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet, dass die wichtigen Zinssätze für eine längere Zeit auf dem gegenwärtigen Level oder darunter liegen werden. Diese Einschätzung beruht auf den insgesamt gedämpften Inflationsaussichten (Bedingung 2: von derzeit 1 Prozent pro Jahr).

    Bedingung 1: Die Inflationserwartung für die Eurozone deckt sich mit dem Ziel der Europäischen Zentralbank, die Preissteigerung auf angemessenem Niveau zu halten.
    Bedingung 2: Die Inflationserwartung für die Eurozone deckt sich mit dem Ziel der Europäischen Zentralbank, die Preissteigerung nahe 2 Prozent zu halten.
  3. Fragetext: In Frage 1 haben Sie angegeben, dass eine Person im Juli 2015 [XXXX] EUR für Lebensmittel und Kleidung ausgeben wird. Dieser Betrag entspricht einer jährlichen Inflationsrate von [X] Prozent.
    Wenn Sie nun die Erwartungen der EZB berücksichtigen, was schätzen Sie: Wie viel Euro wird diese Person für die gleichen Lebensmittel und die gleiche Kleidung im Juli 2015 bezahlen?
    Gehen Sie bitte davon aus, dass sich weder die Lebensumstände, noch das Konsumverhalten der Person verändern wird, d.h. sie wird in 12 Monaten ähnliche Produkte und Dienstleistungen im gleichen Umfang wie derzeit nutzen.
  4. Instruktionen: Bei dieser Frage können Sie nur eine Antwort geben.
  5. Antwortkategorien:

    Weniger als 1500 EUR / -1% (d.h. negative Inflation, bei der sich der Wert des Geldes erhöht)

    1500 EUR / 0%

    1515 EUR / 1%

    1530 EUR / 2%

    1545 EUR / 3%

    1560 EUR / 4%

    1575 EUR / 5%

    1590 EUR / 6%

    1605 EUR / 7%

    1620 EUR / 8%

    1635 EUR / 9%

    1650 EUR oder mehr / 10% oder mehr


    1. Empfehlungen: Die Empfehlungen zu Frage 1 sollten auch bei dieser Frage übernommen werden. Um den Prozentsatz derjenigen Befragten zu senken, welche die Erwartungen der EZB in ihrer Antwort nicht berücksichtigen, könnten die Erwartungen darüber hinaus optisch hervorgehoben werden:

      Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet, dass die wichtigen Zinssätze für längere Zeit auf gegenwärtigem Level oder darunter liegen werden. Diese Einschätzung beruht auf den insgesamt gedämpften Inflationsaussichten (Bedingung 2: von derzeit 1 Prozent pro Jahr).
      Bedingung 1: Die Inflationserwartung für die Eurozone deckt sich mit dem Ziel der Europäischen Zentralbank, die Preissteigerung auf angemessenem Niveau zu halten.
      Bedingung 2: Die Inflationserwartung für die Eurozone deckt sich mit dem Ziel der Europäischen Zentralbank, die Preissteigerung nahe 2 Prozent zu halten.

      Bei der vorherigen Frage haben Sie angegeben, dass eine Person im Juli 2015 [XXXX] EUR für Lebensmittel und Kleidung ausgeben wird. Dieser Betrag entspricht einer jährlichen Inflationsrate von [X] Prozent.
      Wenn Sie nun die Erwartungen der EZB berücksichtigen, was schätzen Sie: Wie viel Euro wird diese Person für die gleichen Lebensmittel und die gleiche Kleidung im Juli 2015 bezahlen?
      Gehen Sie bitte davon aus, dass sich die Lebensumstände und das Konsumverhalten der Person nicht verändern werden, d.h. sie wird in 12 Monaten ähnliche Produkte und Dienstleistungen im gleichen Umfang wie derzeit nutzen.
      Bei dieser Frage können Sie nur eine Antwort geben.
    1. Umsetzung der Empfehlungen: Item überarbeitet
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Category Selection Probing, Specific Probing.
  2. Befund zur Frage: Vergleicht man beide Bedingungen fällt auf, dass sich die Frageformulierung auf das Antwortverhalten auswirkt. In Bedingung 2 konzentrieren sich die Antworten viel mehr um den Wert von 2%, der von der EZB angepeilt wird, während die Werte in Bedingung 1 weiter streuen. Dies könnte entweder dadurch verursacht werden, dass die Formulierung „auf angemessenem Niveau“ individuell unterschiedlich interpretiert wird oder dass die Erwartungen der EZB wegen ihrer Ungenauigkeit und ihres geringen Informationsgehalts gar nicht erst in die Urteilsbildung mit einbezogen werden.

    Auf die entsprechende Nachfrage geben 68% der Befragten in Bedingung 2 an, dass die Erwartungen der EZB einen Einfluss auf ihre Antworten hatten. In Bedingung 1 bejahen diese Nachfrage dagegen nur 55% der Befragten. Daher ist die oben erwähnte Erklärung, dass die ungenauere Erwartung der EZB gar nicht beachtet wird wahrscheinlicher als die, dass „angemessenes Niveau“ individuell unterschiedlich interpretiert wird.

    Auch die Antworten auf die Category Selection Probe („Können Sie Ihre Antwort bitte noch etwas näher erläutern? Warum haben Sie sich für diesen Betrag entschieden?“) machen deutlich, dass die Befragten in Bedingung 2 öfter die Erwartungen der EZB berücksichtigen und ihre Antworten entsprechend der Erwartungen anpassen (42% der Befragten) als die Befragten in Bedingung 1 (33% der Befragten). Die experimentelle Manipulation scheint bei dieser Frage also zu funktionieren.

    Darüber hinaus liefert die Auswertung der Category Selection Probe folgendes Ergebnis:
    • 25% der Befragten argumentieren, dass ihre Antworten immer noch so wie bei Frage 1 ausfallen und sich durch die EZB-Aussage nicht verändert haben (z.B.: „Die Inflation wird mittels eines Warenkorbes berechnet, daher ist die Prognose der EZB nicht so einfach zu übertragen und ich bleibe bei meiner Schätzung", TP 168).
    • 10% der Befragten widersprechen der Einschätzung der EZB oder glauben nicht, dass die EZB tatsächlich diese Ziele verfolgt (z.B.: „Einschätzungen und Prognosen der EZB sind zwar schön, doch in der Realität sieht es meist anders aus", TP 177).
    • 2% der Befragten argumentieren, dass mehr Faktoren als nur die Inflation für eine Preisänderung verantwortlich sind (z.B.: „Die EZB berücksichtigt Geldgeschäfte etc. aber die Preise für Lebensmittel erhöhen sich doch nicht nur durch die Inflation, sondern durch Angebot und Nachfrage und z.B. auch Spekulationen an der Börse, auslaufende Subventionierungen...", TP 155).
    • 14% der Befragten gehen überhaupt nicht auf die Einschätzung der EZB ein (z.B.: „unabhängig von der Inflation wird alles teurer", TP 137).
    Abschließend wurde noch nach der Verständlichkeit der Erläuterungen zu den Erwartungen der EZB gefragt. Hier geben 19% der Befragten an, die Erläuterungen seien wenig verständlich (17%) oder überhaupt nicht verständlich (2%). Auch bei dieser Nachfrage zeigt sich wieder ein kleiner Unterschied zwischen den Bedingungen: Bedingung 2 wurde insgesamt als etwas verständlicher wahrgenommen („wenig“ und „überhaupt nicht verständlich“ in Bedingung 1 = 22,5% vs. in Bedingung 2 = 14,5%).
  1. Thema der Frage: Sonstige Themen
  2. Konstrukt: Erwartete Veränderungen der Kosten durch Inflation unter Berücksichtigung der EZB