Pretest-Datenbank

Projektname: Psygiene (Händedesinfektion im beruflichen Alltag)

  1. Fragetext: Haben Sie sich in der letzten Zeit vor und nach jeder potentiell infektionsgefährdenden Tätigkeit die Hände desinfiziert?
  2. Antwortkategorien:

    Ja, und es fällt mir leicht

    Ja, aber es fällt mir schwer

    Nein, aber ich habe die feste Absicht dazu

    Nein, aber ich denke darüber nach

    Nein, und ich habe es auch nicht vor


    1. Empfehlungen: Generell weisen wir darauf hin, dass unsere Empfehlungen unabhängig von dem zugrundeliegenden HAPA-Modell erfolgen; wie immer geht es bei kognitiven Pretests auch hier darum, Fragen so zu verbessern, dass sie für die Befragungspersonen verständlich, eindeutig und beantwortbar sind. Aus diesem Grund ist bei unseren Empfehlungen durchaus damit zu rechnen, dass sie dem Modell nicht entsprechen oder ihm sogar entgegenlaufen.

      Aufgrund der Ergebnisse des kognitiven Pretests zu Frage 1 empfehlen wir, eine Frage nach der Regelmäßigkeit der Händedesinfektion zu stellen, wobei die zu verwendende Skala der Tatsache Rechnung tragen sollte, dass Händedesinfektion eine eher routinemäßige Tätigkeit ist. Deshalb und aufgrund des normativen Anspruchs daran kann die Skala schief sein (also kann auf den Skalenwert „nie“ verzichtet werden). Im Anschluss daran könnte gefragt werden, ob Händedesinfektion im Normalfall „eher leicht“ oder „eher schwer“ fällt:

      1. Abgesehen von Situationen, in denen es sehr schnell gehen muss: Wenn Sie infektionsgefährdende Tätigkeiten ausführen, desinfizieren Sie dann Ihre Hände….
      • immer
      • meistens
      • häufig
      • nur gelegentlich oder
      • eher selten
      2. Wie leicht oder schwer fällt es Ihnen, Ihre Hände vor oder nach jeder infektionsgefährdenden Tätigkeit zu desinfizieren?
      • sehr leicht
      • eher leicht
      • eher schwer oder
      • sehr sehr
      Da in den Antworten der Testpersonen sehr häufig zum Ausdruck gebracht wird, dass die Händedesinfektion für sie bereits zu einer routinemäßigen Handlung geworden ist, empfehlen wir die Aufnahme einer entsprechenden Frage in den Fragebogen, die genau diesen Sachverhalt erfasst:

      3. Inwieweit ist es für Sie zur Gewohnheit geworden, dass Sie sich vor und nach jeder desinfektionsgefährdenden Tätigkeit die Hände desinfizieren?
      Überhaupt nicht 1 2 3 4 5 6 7 Voll und ganz
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Think aloud, category selection probing, confidence rating, spontane Nachfragen (probing)
  2. Befund zur Frage: Zunächst einmal ist festzuhalten, dass sich drei der 19 Testpersonen nicht für eine der vorgegebenen Antwortkategorien entscheiden konnten. Begründung:
    • „[…] es ist ein Leichtes, sich immer die Hände zu desinfizieren. Man denkt nur nicht immer daran.“ (TP 03).
    • „[…] im täglichen Umgang ist das quasi automatisiert, aber ich bin mir durchaus bewusst, dass es Situationen gibt, in denen man das vergisst oder nicht so umsetzen kann, wie man das gerne würde.“ (TP 04).
    • „Wenn ein Notfall kommt, dann muss man zunächst einmal handeln, und dann desinfiziert man sich die Hände […]. Mir fehlt der Punkt, dass es einfach nicht möglich ist vom Arbeitsablauf her […]. Es geht nicht um leicht oder schwer […]. Wenn ich jetzt die freie Auswahlmöglichkeit hätte, dann würde ich hinschreiben: ‚Nein, aus Zeitmangel oder aus organisatorischen Gründen’.“ (TP 19).
    Beim „lauten Denken“ während des Beantwortens der Frage zeigt sich, dass auch Testpersonen, die sich letztendlich einer der vorgegebenen Kategorien zuordnen, Probleme hatten, die Frage zu beantworten. Es wird darauf hingewiesen, dass Händedesinfektion nicht eine Frage von „leicht oder schwer“ sei, sondern eher Routine, Gewohnheit, eine Selbstverständlichkeit, etwas, das „im Arbeitsablauf drin“ ist, mit Professionalität zu tun habe.

    Fünf Testpersonen kritisieren explizit die Frageformulierung, wobei die Feststellung, die Frage sei „sehr breit gehalten“ (TP 13) nichts darüber aussagt, was das Problem der Frage ist. Das wird deutlicher bei den anderen vier Testpersonen:
    • Die Antwortkategorien zielen darauf ab, „ob ich was mag oder nicht… Und nicht, ob ich es aktuell mache. Eigentlich eine emotionale Komponente dazu. Ob es gefällt oder nicht. Von mir aus persönlich ist das ein Muss. Und da geht es eher um eine emotionale Absicht, was die Antworten darstellen […]. Ich mach es auch immer.“ (TP 05).
    • „Man muss die Frage irgendwie mehrmals lesen, die ist ein bisschen verschachtelt“. Frage und Antwortkategorien passen nicht so recht zusammen: „Das ‚Ja’ und ‚Nein’ schon, aber das nach dem Komma […]. Es geht hier ja um eine Frage, die mit Ja oder Nein beantwortet werden soll […]. Da müsste ja eigentlich ein zweiter Teil in der Frage auftauchen. Da fehlt praktisch was. Ob es mir leicht fällt […].“ (TP 06).
    • „Allein bei der Frageformulierung frage ich mich schon, was ist damit gemeint [...]? Weil ich denke nicht nur darüber nach, ich habe es in 80 Prozent getan. Das versuche ich mit dem ‚Ja, ich habe die feste Absicht dazu’, aber genauso gut könnte ich das auch ankreuzen, wenn ich es überhaupt nicht gemacht hätte. […] Und deswegen kann ich […] mit den Antwortmöglichkeiten die Frage nicht beantworten.“ (TP 09).
    • „Oder was ist gemeint mit ‚das fällt mir leicht’? […] Ich hätte es formuliert: ‚Ja, und es ist für mich selbstverständlich’.“ (TP 15).
    Während die Passgenauigkeit der Antwortkategorien häufiger kritisiert wird, gibt es kaum Kommentare zur Frageformulierung; neben Äußerungen wie „sehr breit gehalten“ und „ein bisschen verschachtelt“ kommt es nur in einem weiteren Fall zur Kritik an der Frage selbst, verbunden mit einem konkreten Verbesserungsvorschlag: Durch Verzicht auf den Begriff „potentiell“ wäre die Frage einfacher.

    Die Verwendung der beiden Begriffe „potentiell“ und „[...] gefährdend“ ist auch der Grund, warum sich diese Testperson beim Beantworten der Frage „eher unsicher“ war; eine Testperson hatte sich dabei sogar „sehr unsicher“ gefühlt (vgl. Fußnote 1). Ansonsten waren sich – trotz all der genannten Kritikpunkte - neun Testpersonen „sehr sicher“ beim Beantworten der Frage, acht „eher sicher“.

    Ziemlich eindeutig sind die Vorstellungen der Testpersonen darüber, was „potentiell infektionsgefährdende Tätigkeiten“ seien. Die Ärzte und Ärztinnen zählen dazu eigentlich alles, was mit den Patienten zu tun hat und betonen vor allem den Umgang mit „Körpermaterialien“ (TP 09), Körperflüssigkeiten, sämtliche invasiven Maßnahmen. Aber ganz allgemein kann gesagt werden, dass unter „potentiell infektionsgefährdende Tätigkeiten“ alles gezählt werden könnte, „was man anfasst im Krankenhaus“ (TP 07). Spontan oder auf Nachfrage durch die Testleiter äußern sich die Testpersonen dahingehend, dass sie beim Beantworten der Frage sowohl an das Risiko für die Patienten als auch an ihr eigenes Risiko oder das von KollegInnen gedacht haben.

    Dem stimmen auch die Testpersonen aus dem Bereich des Pflegedienstes zu, die ansonsten als „potentiell infektionsgefährdende Tätigkeiten“ ihrem Aufgabengebiet entsprechend vor allem Blutentnahme, Verbandswechsel und alle Maßnahmen, die mit Körperausscheidungen verbunden sind, nennen. Aber auch für den Pflegedienst gilt eigentlich, „dass jeder Handgriff [...] potentiell infektionsgefährdend“ sein kann (TP 15).

    TP 11, ein Pfleger, lässt sich durch die Formulierung „potentiell“ zu einer Differenzierung zwischen „definitiv infektionsgefährdenden Tätigkeiten“ und „potentiell infektionsgefährdenden Tätigkeiten“ verleiten:

    „Und zu potentiell gehören Dinge, die eine geringe Keimlast haben und nicht unbedingt Krankheitserreger drin sein sollten. Wenn ich jetzt mit intakter Haut Kontakt mit Patientenspeichel habe, Speichel potentiell infektionsgefährdend, macht prinzipiell nichts auf intakter Haut. Trotzdem ist hinterher eine Händedesinfektion angebracht [...].Also Blut ist definitiv infektionsgefährdend.“

    Während hinsichtlich des Begriffes „potentiell infektionsgefährdende Tätigkeiten“ eine hohe Übereinstimmung unter den Testpersonen besteht, gibt es äußerst unterschiedliche Vorstellungen von dem Begriff „in der letzten Zeit“, die in der Frageformulierung enthalten ist. Wenn konkrete Zeiträume genannt werden, dann variieren sie zwischen einem Tag und einem dreiviertel Jahr. Genauso häufig werden aber Umschreibungen benutzt wie „seit Jahren“, „Wochen und Monate“, „seit ich angefangen habe zu arbeiten“ oder „eigentlich mein ganzes Berufsleben“. Oder man hat den Begriff „in letzter Zeit“ für sich nicht definiert (TP 07) oder schlicht „überlesen“ (TP 08).

    Kommentare der Testleiter:
    Hier wird eine Frage gestellt, die der Realität auf einer Intensivstation offensichtlich nicht ganz gerecht wird. Dort wird Händedesinfektion offensichtlich routinemäßig erledigt, auch schon mal vergessen oder in bestimmten (Not-)Situationen bewusst unterlassen – aber es geht nicht um die Frage, ob Händedesinfektion leicht oder schwer fällt oder ob man darüber nachdenken muss, die Hände zu desinfizieren.
  1. Thema der Frage: Gesundheit
  2. Konstrukt: Desinfektion der Hände