Pretest-Datenbank

Projektname: German Internet Panel (GIP) Reforms Monitor 2014

  1. Einleitungstext: Der Arbeitsmarkt in Deutschland wird durch mehrere Gesetze, beispielsweise zum Mindestlohn oder zum Kündigungsschutz, reguliert.
  2. Fragetext: Sollte der deutsche Arbeitsmarkt mehr oder weniger reguliert werden als momentan?
  3. Instruktionen: Bei dieser Frage können Sie nur eine Antwort geben.
  4. Antwortkategorien:

    Viel mehr reguliert werden als momentan

    Etwas mehr reguliert werden als momentan

    Genauso wie momentan reguliert werden

    Etwas weniger reguliert werden als momentan

    Viel weniger reguliert werden als momentan


    1. Empfehlungen: Frage:
      Um den Befragten die Beantwortung zu erleichtern, muss deutlicher gemacht werden, worum es inhaltlich in der Frage geht. Dazu könnte in die Einleitung der Frage eine zusätzliche Erklärung aufgenommen werden, was allgemein unter der Regulierung des Arbeitsmarktes zu verstehen ist, beispielsweise so:

      Unter Regulierungen versteht man generell alle gesetzlichen Maßnahmen, die die Rahmenbedingungen einer Volkswirtschaft festlegen. Auf Arbeitsmärkten geht es dabei speziell um den Inhalt von Arbeitsverträgen, also um die Regulierung der Arbeitskosten, der Arbeitszeit, des Kündigungsschutzes…

      Diese Erklärung sollte um weitere erklärende Beispiele ergänzt werden.

      Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Frage umzuformulieren, um deutlicher zu machen, worum es inhaltlich in der Frage geht:

      Sollte der Staat für die Gestaltung von Arbeitsverträgen mehr oder weniger Regeln vorschreiben als momentan?

      Oder:

      Sollte der Staat mehr oder weniger Regeln für den (deutschen) Arbeitsmarkt festsetzen als momentan?

      Antwortkategorien:
      Belassen.

      Unabhängig von der Frageformulierung empfehlen wir die Antwortkategorien um eine „Kann ich nicht sagen“-Kategorie zu ergänzen, damit Befragte, die sich mit diesem Thema nicht auskennen oder der Ansicht sind, hier keine Aussage treffen zu können, dies auch entsprechend zum Ausdruck bringen können.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: General Probing, Specific Probing
  2. Befund zur Frage: Von den zwanzig Testpersonen ist die Hälfte der Ansicht, dass der Arbeitsmarkt „viel mehr“ (n=5) oder „etwas mehr“ (n=5) reguliert werden sollte als momentan. Sechs Testpersonen sprechen sich für eine Regulierung aus, die genauso ausfällt wie momentan und vier Testpersonen sind für eine „etwas“ (n=2) oder „viel“ (n=2) geringere Regulierung.

    Von den sechs Testpersonen, die angeben, dass der deutsche Arbeitsmarkt „genauso wie momentan“ reguliert werden sollte, begründen dies vier Personen damit, dass sie momentan zufrieden sind bzw. dass die Beispiele Kündigungsschutz und Mindestlohn momentan gut geregelt sind (TP 03, 18, 19), vor allem auch im Vergleich zu anderen Ländern (TP 06). Testperson 04 weiß zwar, dass der Staat sich darum kümmert, aber nicht wie und entscheidet sich daher für die Mitte, genauso wie Testperson 01, die angibt von diesem Thema keine Ahnung zu haben.

    Von den vier Testpersonen, die sich für eine geringere Regulierung des deutschen Arbeitsmarktes aussprechen, können zwei Testpersonen ihre Antwort logisch begründen: Testperson 07 ist allgemein eher für weniger staatliche Regulierung und Testperson 08 ist der Meinung, der Markt sollte sich selbst regulieren. Testperson 05 versteht den Begriff „Regulierung“ falsch und denkt dabei an die Tätigkeiten des Arbeitsamtes und deren Regulierungen. Testperson 15 hingegen hätte eigentlich eher „viel“ oder „etwas mehr“ Regulierung ankreuzen müssen, da sie in ihrer Begründung der Antwort für mehr Regulierung plädiert: „Der Mindestlohn ist immer noch zu niedrig meiner Meinung nach, also der ganze Arbeitsmarkt. Also, dass das mal aufhört mit den Zeitarbeitsfirmen. Der Arbeitsmarkt, da müssen wieder ordentliche Arbeitsverträge her und ich will den Beruf machen, den ich gelernt habe.

    Auch unter den zehn Personen, die für mehr staatliche Regulierung des Arbeitsmarktes sind, zeigen sich Verständnisschwierigkeiten bei sechs Befragten: vier Testpersonen (TP 09, 11, 13, 17) denken bei „staatlicher Regulierung“ an die Regulierung der Arbeitsplatzvermittlung, die Regulierung der Verteilung von Arbeitsplätzen oder an die Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche:
    • „Es sollte vor allem viel mehr Angebote geben. Da ist ja gar nichts angeboten momentan. Wenn es überhaupt etwas gab. Selbst die Studierenden finden nichts. Vor allem die, die lange studiert haben und eine gute Schulausbildung haben, die müssten doch ein bisschen unterstützt werden.“ (TP 11)
    • „Es sollte vielleicht ein bisschen mehr geguckt werden, was es an Stellen gibt und wie sie vermittelt werden.“ (TP 13)
    • „Ich habe manchmal den Eindruck, dass man die Arbeitsämter noch mehr unterstützen müsste. Langzeitarbeitslose werden z.B. häufig gar nicht mehr vermittelt, das müsste verbessert werden. Da müsste man die Arbeitsämter daran erinnern, was ihre Aufgaben sind. Und da müsste eine Regulation stattfinden.“ (TP 17)
    Testperson 14 denkt bei der staatlichen Regulierung des Arbeitsmarktes an die Verstaatlichung von Unternehmen: „Ich bin mehr für staatliche Lösungen. Denken Sie doch z.B. mal an die Bundespost. Die haben wir früher mit unserem Steuergeld aufgebaut, das war ja ein Unternehmen vom Staat. Dann ist es privatisiert worden, es ist gesplittet worden, und das Kapital, das wir eingebracht haben, ist weg. Oder denken Sie an die Bahn. […] Also der Staat hat schon manchmal seine Vorteile. Dinge wie Post, Bahn, Müllabfuhr, also die Grundbedürfnisse, die notwendig sind, die sollten in staatlicher Hand sein und reguliert sein.“

    Testperson 20 äußert folgende Schwierigkeit: „Hier ist auch wieder das Problem, weil ich nicht weiß, ob der Mindestlohn reguliert wird, indem er erhöht wird oder gesenkt wird. Erhöht finde ich gut. Bei Kündigungsschutz regulieren könnte man auch sagen ‚mehr Kündigungsschutz‘

    Die übrigen vier Testpersonen zeigen keine Schwierigkeiten bei der Beantwortung der Frage und begründen ihre Antworten vor allem mit mehr Kündigungsschutz (TP 12, 16), Regelungen für Leih- und Zeitarbeit (TP 10) und dass beim Mindestlohn insgesamt noch mehr passieren könnte (TP 02).

    Insgesamt zeigen sich bei dieser Frage zur „Regulierung des Arbeitsmarktes“ relativ viele Verständnisschwierigkeiten und Unsicherheiten auf Seiten der Befragten. Das Thema ist recht komplex und nicht jeder hat eine Vorstellung davon, was mit Regulierung des Arbeitsmarktes gemeint ist. Die Beispiele erscheinen nützlich, da sie einigen Befragten bei der Beantwortung helfen, wie beispielsweise Testperson 07: „Ich habe jetzt vor allem an die Beispiele hier, Mindestlohn und Kündigungsschutz gedacht. Wenn das jetzt nicht dagestanden hätte, dann wäre mir spontan wahrscheinlich nichts Konkretes eingefallen. Dann hätte ich wohl länger nachdenken müssen.
  1. Thema der Frage: Politische Einstellung und Verhalten
  2. Konstrukt: Änderungswunsch bezüglich der gesetzlichen Regulierung des deutschen Arbeitsmarktes