Pretest-Datenbank

Projektname: German Internet Panel (GIP) Reforms Monitor 2014

  1. Fragetext: Welche der folgenden Bedingungen sollten Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, erfüllen, damit sie Arbeitslosengeld II erhalten?
  2. Instruktionen: Bitte geben Sie alles Zutreffende an.
  3. Antwortkategorien:

    Sie sollten...

    …bedürftig sein, das heißt, dass weder sie selbst noch ein Mitglied des Haushalts für den Lebensunterhalt aufkommen kann

    …sich aktiv um Arbeit bemühen

    …zumutbare Arbeitsangebote annehmen

    …jedes Arbeitsangebot annehmen

    …zuvor in Deutschland gearbeitet haben

    …die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen

    …sonstige Bedingungen erfüllen, und zwar:

    Sie sollten ohne weitere Bedingungen Arbeitslosengeld II erhalten.

    Das Arbeitslosengeld II sollte abgeschafft werden.


    1. Empfehlungen: Frage:
      Da das Arbeitslosengeld II umgangssprachlich meist auch „Hartz IV“ genannt wird, empfehlen wir, diesen Begriff in der Frage zu ergänzen. Dadurch sollte der Begriff für alle Testpersonen verständlich und einordbar sein:

      „Welche der folgenden Bedingungen sollten Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, erfüllen, damit sie Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) erhalten?

      Antwortkategorien:
      Belassen.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: General Probing, Specific Probing, Comprehension Probing
  2. Befund zur Frage: Bei der Frage „Welche der folgenden Bedingungen sollten Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, erfüllen, damit sie Arbeitslosengeld II erhalten“, kreuzen drei Viertel der Befragten an, dass sie sich „aktiv um Arbeit bemühen sollten“ (n=16). Dreizehn Testpersonen kreuzen an, dass sie „zumutbare Arbeitsangebote annehmen“ sollten und acht Testpersonen finden, dass sie „bedürftig sein“ sollten. Jeweils vier Testpersonen sind der Meinung, dass sie „zuvor in Deutschland gearbeitet haben“ sollten oder dass sie „die deutsche Staatsbürgerschaft“ besitzen sollten.

    Zwei Testpersonen entscheiden sich für die Antwort, dass Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, Arbeitslosengeld II erhalten sollten, ohne weitere Bedingungen erfüllen zu müssen. Und zwei Testpersonen sind der Meinung, dass „das Arbeitslosengeld II abgeschafft werden sollte“ (TP 05, 20). Testperson 05 erklärt dabei ihre Antwort folgendermaßen: „Das ist auch unklar: ‚ALG II sollte abgeschafft werden‘. Das bedeutet jetzt nicht, dass die Leute kein Geld mehr bekommen sollten, sondern dass das System abgeschafft werden sollte. Ich bin für ein Grundeinkommen“.

    Für dreizehn der zwanzig Testpersonen ist das „Arbeitslosengeld II“ das gleiche wie Hartz IV:
    • „Das ist Hartz IV. Arbeitslosengeld kriegt man glaube ich ein Jahr lang nach dem man arbeitslos geworden ist, also bis zu einem Jahr. Und Hartz IV danach.“ (TP 02)
    • „Umgangssprachlich ist das Hartz IV.“ (TP 06)
    • „Arbeitslosengeld I ist ja, wenn jemand arbeitslos wird, dann bekommt er Arbeitslosengeld I. Das geht, glaube ich, ein Jahr. Und Arbeitslosengeld II ist das, was wir unter Hartz IV verstehen“. (TP 09)
    Vier Testpersonen machen einen Unterschied zwischen Arbeitslosengeld II und Hartz IV, wobei davon drei Personen (TP 10, 11, 14) der Meinung sind, dass das Arbeitslosengeld II höher ausfällt als Hartz IV:
    • „Unterschiedliche Dinge. Bei Hartz IV bekommt man ja noch weniger.“ (TP 11)
    • „Ich glaube man kriegt Arbeitslosengeld und danach kriegt man quasi Sozialhilfe. Also ich glaube, dass Arbeitslosengeld ein bisschen mehr ist wie Hartz IV. […] Ich hoffe einfach, dass das Arbeitslosengeld ein bisschen mehr ist. Ich würde es mir wünschen.“ (TP 10)
    Testperson 13 hingegen glaubt, dass das Arbeitslosengeld II weniger ist als Hartz IV („Hartz IV ist nicht das gleiche wie ALG II. Das ist weniger oder? Da habe ich mir gar keine Gedanken drüber gemacht. Ich glaube, Arbeitslosengeld II ist weniger“).

    Zwei Testpersonen (TP 04, 12) geben an, nicht genau zu wissen bzw. unsicher zu sein, was unter „Arbeitslosengeld II“ zu verstehen ist.

    Unter „bedürftig sein“ verstehen die Testpersonen vor allem Personen, die nicht selbst für ihre Grundversorgung aufkommen können. Dazu zählen sie beispielsweise Personen, die aufgrund von Alter oder Krankheit nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten oder anderweitig eingeschränkt sind:
    • „Wenn man sich nicht mehr um sich selbst kümmern kann. Wenn man z.B. nicht arbeiten gehen kann, weil man keinen Job hat oder krank ist.“ (TP 06)
    • „Bedürftig ist für mich jemand, der sich kein Essen kaufen kann und kein Dach über dem Kopf hat.“ (TP 07).
    • „Zum Beispiel Familien mit Kindern, die an die Tafel gehen müssen damit sie was zu essen und zu trinken haben. Da bekommen sie Schulsachen. Ja, Familien die auf dem untersten Niveau sind.“ (TP 11)
    • „Wenn man seinen Unterhalt nicht selbst bestreiten kann. Also jetzt nicht den Flachbildschirm.“ (TP 14)
    • „Wenn jemand arbeitslos ist und kein oder wenig Geld hat. Der muss ja auch irgendwie seinen Lebensunterhalt bestreiten.“ (TP 15)
    • „Wenn man so arm ist, die Eltern nicht arbeiten. Bedürftig ist, wenn man nicht arbeiten gehen kann, also krankheitsbedingt, nicht die, die Hartz IV bekommen, weil sie es von der Familie nicht anders kennen.“ (TP 16)
    • „Hier ist ja erklärt, dass weder die Person selbst noch andere, die mit ihm zusammenleben für den Unterhalt aufkommen können, also dass kein oder zu wenig Geld da ist, um den Lebensunterhalt zu sichern.“ (TP 18)
    Insgesamt zeigt sich unter den Befragten ein relativ einheitliches Verständnis darüber, was die Befragten unter „bedürftig“ verstehen.

    Abschließend wollten wir von den Befragten wissen, ob es für sie einen Unterschied zwischen den beiden Antwortkategorien 3 „zumutbare Arbeitsangebote annehmen“ und 4 „jedes Arbeitsangebot annehmen“ gibt und wenn ja, worin dieser Unterschied liegt.

    Für neunzehn von zwanzig Testpersonen besteht ein Unterschied zwischen „zumutbaren“ und „allen“ Arbeitsangeboten. Zumutbar sind dabei Tätigkeiten, die hinsichtlich Qualifikation, körperlichen und seelischen Voraussetzungen, Distanz zum Arbeitsplatz, Bezahlung und familiärem Umfeld angemessen sind:
    • „Die zumutbaren Angebote finde ich, sollten auf die Person zugeschnitten sein, aber der Weg sollte nicht zu weit sein und man sollte gut hinkommen. Es sollte schon noch zusagen. Und jedes Angebot müsste man dann annehmen egal wie man hinkommt oder wie lang der Weg ist.“ (TP 02)
    • „Jedes Angebot kann man nicht immer annehmen. Das hängt von der Ausbildung ab und es sollte den Leuten auch Spaß machen. Wenn man eine Ausbildung als Arzt gemacht hat, kann man auch nicht sagen, der soll putzen gehen.“ (TP 03)
    • „Ich finde nicht, dass man alles annehmen sollte, was man angeboten bekommt. Es gibt ja wirklich Jobs, da würde ich sagen, das kann ich nicht. Ob jetzt aus körperlichen Gründen oder vom Kopf her. Oder wenn die so schlecht bezahlt sind, dass die Differenz zwischen Gehalt und Arbeitslosengeld total gering ist. Ich finde es nicht gut, dass man zu 1 Euro-Jobs gezwungen wird.“ (TP 06)
    • „Zumutbar hat zum einen mit körperlichen Belastungen zu tun. Wenn jemand 30 Jahre Dachdecker war, den kann man dann nicht noch einmal zu weiteren 10 Jahren verpflichten, wenn der nicht mehr kann. Da muss man schauen, dass das passt. Zum anderen auch wenn Familie vorhanden ist oder man jemanden in der Familie pflegen muss, dass dafür genug Zeit bleibt. Aber auch zumutbar vom Entfernungsradius zwischen Wohnung und Arbeitsplatz.“ (TP 07)
    • „Zumutbar, das kommt auch aufs Alter an, die körperliche Verfassung. Es kann nicht jeder jedes Arbeitsangebot annehmen.“ (TP 13)
    • „Zumutbar wäre z.B. wenn man einen Job zu einem etwas geringeren Lohn als den, den man vorher bekommen hat, annehmen würde. Jedes Angebot würde ja z.B. bedeuten, dass jemand, der studiert hat, dass der auch die Straße kehren müsste.“ (TP 14)
    • „Zumutbar wäre zum Beispiel, dass man eine Arbeit im Rahmen dessen, was man vorher gemacht hat, bekommt. Oder im Rahmen seiner Ausbildung, was man da erworben hat. Unzumutbar oder jedes Angebot wäre z.B. Striptease oder GoGo-Tanz. Also einfach ein weit niedrigeres Niveau, als das, auf dem man zuvor gearbeitet hat. Also einem Ingenieur z.B. zu sagen, er solle jetzt als Straßenkehrer arbeiten.“ (TP 17)
    Testperson 11 sieht zwischen den beiden Antwortkategorien insofern keinen Unterschied, als dass man heutzutage manchmal keine Wahl hat und auch Arbeiten annehmen muss, die eben nicht zumutbar sind: „Heute zu der Zeit muss man wirklich alles annehmen, dass man wenigstens eine Arbeit hat. Manche bekommen 200 Euro weniger, aber was will man machen? Da muss man mal verzichten. Es geht halt nicht anders. […] Die sollen das annehmen, was sie angeboten bekommen. Zum Beispiel ein Elektriker, wenn der angeboten bekommt Maurer(-tätigkeiten) zu machen, dann muss er Maurer sein“.
  1. Thema der Frage: Politische Einstellung und Verhalten
  2. Konstrukt: Voraussetzungen für Erhalt von Arbeitslosengeld II