Pretest-Datenbank

Projektname: Household Inflation Expectations and Preferences 2

  1. Fragetext: Welcher Aufgabe sollte die EZB Ihrer Meinung nach größere Bedeutung zumessen: dem Verringern der Inflation oder der Reduzierung der Arbeitslosenrate?
  2. Antwortkategorien:

    Ausschließlich der Inflation

    Größtenteils der Inflation

    Inflation und Arbeitslosenrate gleichermaßen

    Größtenteils der Arbeitslosenrate

    Ausschließlich der Arbeitslosenrate


    1. Empfehlungen: Frage:
      Belassen bzw. evtl. noch einmal (wie bei Frage 1) auf den Zusammenhang zwischen Inflations- und Arbeitslosenraten hinweisen.

      Antwortkategorien:
      Belassen.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: General Probing, Comprehension Probing
  2. Befund zur Frage: Die 15 Testpersonen konnten sich alle für eine Antwortkategorie entscheiden. Die Antwortkategorien „Ausschließlich der Inflation“ (TP 01, 03, 09) und „Größtenteils der Inflation“ (TP 08, 10, 13) wurden von jeweils drei Testpersonen ausgewählt, für die Kategorie „Größtenteils der Arbeitslosenrate“ entschieden sich zwei Testpersonen (TP 01, 14). Die Mehrheit von sieben Testpersonen entschied sich jedoch für die Antwort „Inflation und Arbeitslosenrate gleichermaßen“. Die letzte Antwortoption wurde von keiner Testperson gewählt.

    Die Testpersonen, die ausschließlich das Verringern der Inflation als Kernkompetenz der EZB ansehen, begründen ihre Antwort damit, dass „die Bank nichts mit der Arbeitslosenrate zu tun hat“ (TP 01). Testperson 03 argumentiert ähnlich. Testperson 09 erläutert, sie habe sich deshalb für die erste Antwortkategorie entschieden, weil die EZB kein Mandat zur Reduzierung der Arbeitslosenrate besäße: „Das Mandat der EZB umfasst neben der Regulierung des Finanzsektors nur die Steuerung der Inflationsrate im Euroraum. Und das halte ich auch für sinnvoll. Das steht nämlich hinter der Trennung, also der Autonomie der EZB gegenüber politischen Einflüssen. Und da gibt es gute Gründe für. Um verdeckte Staatsfinanzierung und dergleichen zu vermeiden, ist die EZB unabhängig und hat ein klares Mandat und das umfasst eigentlich keine Wirtschaftspolitik, abgesehen von der Steuerung der Inflation.“

    In die gleiche Richtung argumentieren auch diejenigen Testpersonen, die die Antwort „Größtenteils der Inflation“ gegeben haben:
    • „Die Bank hat was mit dem Geld zu tun und eine andere Institution hat was mit den Arbeitslosen zu tun. Also, dass man natürlich das eine oder andere nicht außer Acht lassen sollte. Ich weiß gar nicht, wie es in Wirklichkeit gemacht wird, ehrlich gesagt, ob die sich dafür überhaupt interessieren. Aber ich denke da hat so jeder seine Kompetenzen und ich weiß nicht, ob Arbeitslosigkeit eine Kompetenz der EZB ist.“ (TP 08)
    • „Weil ich denke, die EZB ist ein Institut, das mit Geld arbeitet. Arbeitslosenrate hängt zwar auch mit dem Leitzins zusammen, aber insgesamt denke ich, dass die Arbeitslosenrate von der Politik behandelt werden sollte und nicht von einem Institut, also nicht von einer Bank.“ (TP 13)
    Testperson 10 entscheidet sich dafür, weil sich „beides bedingt“ und die EZB durch das Beeinflussen der Inflation „auch direkt auf die Arbeitslosenrate Einfluss nehmen kann“ (TP 10).

    Eine ähnliche Argumentation liegt auch bei einem Teil der Testpersonen vor, die sich für die Antwort entschieden haben, dass sich die EZB um beide Bereiche gleichermaßen kümmern sollte:
    • „Wenn die Arbeitslosenrate hoch ist, dann sollen die gucken, dass die viele Kredite an Unternehmen geben, aber dadurch, dass die die Kredite so wegschmeißen, ist das Geld ja bald auch nichts mehr wert.“ (TP 05)
    • „Und jetzt nur die Inflation, klar es ist wichtig, dass die in einem Rahmen liegt, aber jetzt nur darauf zu beharren, macht denke ich auch keinen Sinn. Wenn die Arbeitslosenrate zu hoch wird, dann sinkt wieder die Kaufkraft und das schwächt wieder das Wirtschaftswachstum. Also dieser Kreislauf. Deswegen sollte die EZB schon versuchen, alle Bereiche zu gewichten.“ (TP 12)
    Die beiden Testpersonen, deren Meinung nach sich die EZB größtenteils um die Arbeitslosenrate kümmern sollte, begründen ihre Entscheidung zum einen damit, dass die Arbeitslosenrate in Europa sehr hoch sei und sie daher das drängendere Problem wäre (TP 07), zum anderen „weil das einfach sympathischer“ (TP 14) sei.

    Die beiden zuletzt beschriebenen Begründungen weisen am deutlichsten auf die Probleme bei dieser Frage hin. Zum einen wissen die meisten Testpersonen nicht, welches Mandat die EZB hat und welche Aufgaben damit verbunden sind. Zum anderen ist (wie bereits bei Frage 1 erläutert) einem ebenfalls nicht kleinen Teil der Testpersonen der Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Arbeitslosenrate nicht klar. Beispielsweise äußert Testperson 05 spontan, sie habe „immer noch nicht verstanden, warum automatisch mehr Arbeitslose für eine geringe Inflation gut sind oder umgekehrt“ (TP 05). Die Testpersonen 08, 11 und 14 geben bei der Erklärung ihrer Antwortwahl an, dass sie die Beantwortung schwer fanden bzw. ihnen der Überblick über das Thema fehlt.

    Die Erklärungen der Testpersonen zeigen auf, dass die meisten sowohl eine hohe Inflationsrate als auch eine hohe Arbeitslosenrate ablehnen. Ferner sind die meisten der Meinung, dass sich um beides gleichermaßen gekümmert werden sollte. Die am häufigsten gewählte Antwortkategorie „Inflation und Arbeitslosenrate gleichermaßen“ spiegelt nur bedingt die Meinung der meisten Testpersonen wieder da diese sehr wahrscheinlich als Ausweichkategorie zu bewerten ist.
  1. Thema der Frage: Politische Einstellung und Verhalten
  2. Konstrukt: Aufgabe der EZB - Inflation versus Arbeitslosenrate