Projekt "Strive-Up" - Fragen zum Thema Statuserhalt und sozialer Aufstieg

Einleitungstext:

Einleitung
Bitte stellen Sie sich nun einmal folgendes Szenario vor. Nehmen Sie an, Ihre Familie würde umziehen und Ihr Kind müsste auf eine neue Schule gehen. Im Folgenden lesen Sie kurze Beschreibungen zu fünf möglichen Grundschulen, die alle in der Nähe Ihres neuen Wohnorts liegen. Bitte beantworten Sie zu den Schulen drei kurze Fragen.

Beispiel-Vignette 1 (Aufzählung)
Schule 1:

  • Schulart: Privat, 500 € im Monat
  • Klima: Leistungsorientiert & ambitioniert: Elternschaft legt Wert auf hohe Leistungen
  • Übergangsquote: 40% der Kinder wechseln nach der Grundschule aufs Gymnasium
  • Zusammensetzung: 65% der Schüler leben in Haushalten mit niedrigem Einkommen (niedriges Einkommen = 80% in Deutschland verdienen mehr)
  • Herkunft: Unabhängig vom Einkommen: 25% der Schüler haben einen Migrationshintergrund
  • Herkunftsregion: vordergründig aus EU-Ländern (Frankreich und Niederlande)
  • Sprache: Die Schuleingangsuntersuchungen haben ergeben, dass alle Kinder an der Schule für ihr Alter sehr gutes Deutsch sprechen.

Beispiel-Vignette 2 (Aufzählung)
Schule 5:

  • Schulart: Öffentlich, keine Schulgebühren
  • Ausrichtung: Akademisch: Fokus auf akademische Grundlagen, gezielte Vorbereitung auf weiterführende Schulen
  • Übergangsquote: 40% der Kinder wechseln nach der Grundschule aufs Gymnasium
  • Zusammensetzung: 25% der Schüler leben in Haushalten mit niedrigem Einkommen (niedriges Einkommen = 80% in Deutschland verdienen mehr)
  • Herkunft: Unabhängig vom Einkommen: 5% der Schüler haben einen Migrationshintergrund
  • Herkunftsregion: vordergründig aus der Türkei

Beispiel-Vignette 3 (ausformulierter Text)
Schule 3:

Es handelt sich um eine staatliche Grundschule ohne Schulgebühren. Die Schule legt den Schwerpunkt auf handwerkliche und praktische Fähigkeiten. Die Elternschaft ist ambitioniert und legt Wert auf hohe Leistungen und Wettbewerb. 40% der Kinder wechseln nach der Grundschule aufs Gymnasium. 25% der Schüler leben in Haushalten mit niedrigem Einkommen (niedriges Einkommen = 80% in Deutschland verdienen mehr). Unabhängig vom Einkommen: 25% der Schüler haben einen Migrationshintergrund, vordergründig aus der Türkei.

Beispiel-Vignette 4 (ausformulierter Text)
Schule 4:

Es handelt sich um eine private Grundschule mit 150 € monatlichen Schulgebühren. Die Schule folgt klaren Lehrplänen, es gibt eine enge Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und Eltern. 60% der Kinder wechseln nach der Grundschule aufs Gymnasium. 65% der Schüler leben in Haushalten mit niedrigem Einkommen (niedriges Einkommen = 80% in Deutschland verdienen mehr). Unabhängig vom Einkommen: 5% der Schüler haben einen Migrationshintergrund, vordergründig aus Syrien und Afghanistan. Die Schuleingangsuntersuchungen haben ergeben, dass alle Kinder an der Schule für ihr Alter sehr gutes Deutsch sprechen.

Fragetext:

Version 1
Stellen Sie sich vor, Ihr Kind besucht diese Grundschule. Unter sonst gleichen Bedingungen: Mit welchem Abschluss wird Ihr Kund wohl tatsächlich das Schulsystem verlassen?
Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten:
(Web Probing 1)

Version 2
Stellen Sie sich vor, Ihr Kind besucht diese Grundschule. Unter sonst gleichen Bedingungen: Wie sicher sind Sie, dass Ihr Kind später das Abitur (die allgemeine Hochschulreife) erreichen wird?
Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten:
(Web Probing 1)

Antwortkategorien:

Schule ohne Abschluss verlassen
Hauptschulabschluss
Mittlere Reife bzw. Realschulabschluss
Abitur (Hochschulreife)
Weiß nicht

Empfehlungen:

Fazit und Empfehlung Web Probing 1:

Die Bewertungen der fünf Vignetten zeigen ein insgesamt konsistentes Antwortverhalten ohne Anzeichen von Ermüdungseffekten. Obwohl rund 43 % der Befragten die Bearbeitung der fünf Vignetten als anstrengend empfanden, wurde die Aufgabe insgesamt gut bewältigt. Die berichtete Anstrengung und Schwierigkeit sind vor allem auf die Vielzahl der zu berücksichtigenden Informationen, die Komplexität der Aufgabe und teils unrealistische Kombinationen einzelner Merkmalsausprägungen zurückzuführen. Unterschiede zwischen den beiden Darstellungsformaten (Aufzählungsliste vs. Fließtext) zeigten sich nicht.

Wir empfehlen, den faktoriellen Survey in seiner Grundstruktur beizubehalten. Für die Haupterhebung sollte jedoch geprüft werden, ob die Anzahl der Vignetten leicht reduziert werden kann, um die kognitive Belastung zu verringern. Zudem könnte erwogen werden, auf eine vollständige Randomisierung der Dimensionen zu verzichten, um die Szenarien stärker realitätsnah zu gestalten (s. Empfehlung zu Frage 10 und 11). Des Weiteren könnte die Beschreibung des sozioökonomischen Status der Schüler sprachlich vereinfacht werden. Mögliche Formulierungsvorschläge wären:

  1. „xx % der Schüler leben in Haushalten mit niedrigem Einkommen.“
  2. „xx % der Schüler leben in Haushalten mit niedrigem Einkommen, also in Familien, deren Einkommen zu den unteren 20 % in Deutschland gehören.“
  3. „Nur wenige/Einige/Etwa die Hälfte/Mehr als die Hälfte der Schüler leben in Haushalten mit niedrigem Einkommen. [Optional:  Das sind Familien, deren Einkommen zu den unteren xx % in Deutschland gehören.“

Zu guter Letzt erscheint die Verwendung des Wortes „vordergründig“ in der Vignettendimension „Herkunftsregion“ semantisch nicht ganz passend. Es könnte z. B. als „oberflächlich“ oder „scheinbar“ interpretiert werden. Eine gängigere und präzisere Formulierung wäre z. B. „5 % der Schüler haben einen Migrationshintergrund, überwiegend aus Syrien und Afghanistan.“

Wir empfehlen, etwaige Änderungen der Vignetten in einer weiteren Pretestrunde mittels Web Probing zu evaluieren. Im Rahmen dieser sollte auch untersucht werden, ob die Reihenfolge der in den Vignetten genannten Faktoren einen systematischen Einfluss auf die Beantwortung der Fragen hat, d. h., ob Primacy- oder Recency-Effekte auftreten.