Projekt "Strive-Up" - Fragen zum Thema Statuserhalt und sozialer Aufstieg

Fragetext:

Version 1
Im Folgenden bitten wir Sie, sich die Lebenssituation Ihres Kindes im Alter von 35 Jahren vorzustellen, und den Weg, den es bis dahin genommen hat. Wir zeigen Ihnen insgesamt sechs Szenarien und bitten Sie, hierzu jeweils zwei Fragen zu beantworten. Auch wenn einzelne Beschreibungen für Sie ungewöhnlich bzw. unrealistisch erscheinen mögen, so bitten wir Sie, Ihre Einschätzung zu den Fragen abzugeben. Es gibt hierbei keine richtigen oder falschen Antworten, es geht um Ihre persönliche Meinung.
Ihr Kind hat zunächst die Schule mit mit der mittleren Reife (Realschulabschluss) abgeschlossen. Danach durchlief Ihr Kind eine Ausbildungs- und Qualifikationsphase. Im Alter von 35 Jahren hat Ihr Kind nun eine Stelle als Notfallsanitäter/in. Mit seinem/ihrem Gehalt liegt es im Durchschnitt der Gesellschaft (circa 50% verdienen mehr, circa 50% weniger).
Wie zufrieden wären Sie persönlich insgesamt mit der Situation Ihres Kindes, wobei 1 „sehr unzufrieden“ und 10 „sehr zufrieden“ bedeutet?
Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten:
(Kognitive Interviews)

Version 2
Ihr Kind hat zunächst die Schule mit einem Hauptschulabschluss abgeschlossen. Danach durchlief Ihr Kind eine Ausbildungs- und Qualifikationsphase. Im Alter von 35 Jahren hat Ihr Kind nun eine Stelle als Richter/in. Mit seinem/ihrem Gehalt liegt es im untersten Fünftel der Einkommensverteilung in Deutschland (circa 80% verdienen mehr).
Wie zufrieden wären Sie persönlich insgesamt mit der Situation Ihres Kindes, wobei 1 „sehr unzufrieden“ und 10 „sehr zufrieden“ bedeutet?
Bitte wählen Sie eine der folgenden Antworten:
(Kognitive Interviews)

Antwortkategorien:

10 - sehr zufrieden
9
8
7
6
5
4
3
2
1 - sehr unzufrieden

Empfehlungen:

Fazit und Empfehlung Kognitive Interviews:

Insgesamt zeigte sich, dass die Variation der inhaltlichen Stimmigkeit durch die unterschiedlichen Kombinationen von Aspekten von den Testpersonen klar erkannt wurde. Dies spiegelte sich sowohl in den Bewertungen als auch in der kognitiven Bearbeitung der Szenarien wider. Die konsistente Vignette 1 wurde überwiegend als leicht verständlich und gut beurteilbar wahrgenommen, während die inkonsistente Vignette 2 deutlich häufiger als irritierend beschrieben wurde und den Testpersonen erheblich größere Schwierigkeiten bei der Antwortfindung bereitete.

Insbesondere die unrealistische Kombination von Merkmalsausprägungen in der inkonsistenten Vignette 2 führte zu einer erhöhten kognitiven Belastung. Die Befragten versuchten teilweise, die Inkonsistenzen innerhalb der Vignette „wegzurationalisieren“, indem zusätzliche, nicht in der Vignette enthaltene Annahmen eingeführt wurden (z. B. verdeckte Karrierewege). Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass die Befragten bemüht waren, das Szenario kognitiv zu „reparieren“, um überhaupt zu einem Urteil zu gelangen.

„Wenn ich einen Hauptschulabschluss habe und dann aber so viel Qualifikation habe, dass ich dann wirklich Richterin sein könnte, dann muss ich ja viele Jahre damit verbracht haben, nochmal in Wissen zu investieren. Also Schule, was auch immer. Damit ich die Stelle bekomme.“ (TP06)

Dies birgt das Risiko, dass die Urteile nicht mehr ausschließlich auf den vorgegebenen Informationen beruhen oder das Vertrauen der Befragten in die Studie sinkt (sodass sie sich beispielsweise weniger auf die folgenden Vignetten einlassen). Für die Überarbeitung der Vignetten wird daher empfohlen, die Inkonsistenzen weniger extrem zu gestalten, um Irritation und kognitive Überforderung zu reduzieren. Ziel sollte es sein, die Plausibilität der Kombinationen zu erhöhen und zugleich die Mehrdimensionalität der Vignetten beizubehalten, um valide und vergleichbare Urteile auf Basis der in den Vignetten präsentierten Inhalte zu ermöglichen. Diese Entscheidung sollte aber im Lichte der zu prüfenden Hypothesen getroffen werden, da ein sogenanntes „incomplete factorial design“ die Analyseoptionen entsprechend einschränken kann.