Fazit und Empfehlung (Web Probing 1 & Kognitive Interviews):
Im ersten Web Probing-Pretest führten die beiden Frageformulierungen („zufrieden“ vs. „akzeptabel“) zu nahezu identischen Antwortverteilungen, unterschieden sich jedoch hinsichtlich der wahrgenommenen Beantwortungsschwierigkeit: Die Version mit „akzeptabel“ wurde häufiger als schwierig empfunden. Daher wurde empfohlen, für die Haupterhebung die Formulierung „zufrieden“ zu verwenden, da sie verständlicher erscheint und die kognitive Belastung der Befragten verringert.
Die Ergebnisse der kognitiven Interviews zeigten, dass die Befragten bei der Bestimmung der Akzeptanzspanne des späteren sozialen Status ihres Kindes differenzierten und in sich schlüssige Überlegungen anstellten. Die unterste zufriedenstellende Stufe wurde anhand unterschiedlicher Bezugspunkte ermittelt, die sich jedoch überwiegend auf statusbezogene Kriterien bezogen, insbesondere auf das durchschnittliche gesellschaftliche Statusniveau, den eigenen aktuellen Status sowie auf grundlegende finanzielle Sicherheit. In geringerem Umfang flossen auch Mindestanforderungen in Bezug auf Bildung oder Erwerbstätigkeit ein. Ein Einzelfall verdeutlichte zudem, dass die Frage normativ interpretiert werden kann, indem nicht der Status des Kindes, sondern die bedingungslose elterliche Zuneigung in den Vordergrund gestellt wird.
Auch bei der Bestimmung der obersten zufriedenstellenden Stufe zeigte sich ein differenziertes Antwortverhalten. Dass nicht alle Befragten den Maximalwert 10 wählten, ist nicht als Unverständnis der Skala zu interpretieren, sondern lässt sich auf unterschiedliche Deutungen des Zufriedenheitsbegriffs zurückführen. Die Begründungen reichten von einer sehr hohen, aber nicht maximalen Zufriedenheit über realistische Erwartungen bis hin zur bewussten Ablehnung sehr hoher Statuspositionen aufgrund wahrgenommener Belastungen.
Insgesamt sprechen die Ergebnisse dafür, dass Version 1 von Frage 6 von den meisten Befragten im intendierten Sinne verstanden wird und geeignet ist, individuelle Akzeptanzspannen des zukünftigen sozialen Status des Kindes zu erfassen. Die Frage kann daher unverändert beibehalten werden.
Informationen zur Frage und Ziele der Testung (Web Probing 1 & Kognitive Interviews):
Frage 6 erfasst die Akzeptanzspanne des späteren sozialen Status des Kindes aus Sicht der Befragten.
Im ersten Web Probing-Pretest wurden die Testpersonen zufällig einer von zwei Frageversionen zugeteilt, die sich in der Formulierung des Fragetextes („zufrieden“ vs. „akzeptabel“) unterschieden. Ziel der Testung war es herauszufinden, ob die unterschiedlichen Frageversionen einen systematischen Einfluss auf die Beantwortung der Frage haben. Darüber hinaus sollte untersucht werden, ob es den Testpersonen schwerfällt, die Frage zu beantworten. Die entsprechende Nachfrage wurde allen Testpersonen gestellt.
In den kognitiven Interviews wurde nur Version 1 der Frage getestet. Die kognitiven Interviews sollten Auskunft darüber geben, auf Basis welcher Überlegungen die Testpersonen ermitteln, was für sie die unterste zufriedenstellende Stufe ist. Außerdem sollte untersucht werden, was die Gründe dafür sind, wenn Testpersonen als höchste zufriedenstellende Stufe nicht die Stufe 10 auswählen.
Befund Web Probing 1:
Drei Testpersonen ließen Frage 6 unbeantwortet. Das Antwortverhalten der Befragten unterschied sich kaum zwischen beiden Frageversionen (vgl. Tabelle 11). Im Mittel nannten die Befragten die Stufen 5 bzw. 6 als unterste zufriedenstellende bzw. akzeptable Stufen, die Stufe 9 als oberste zufriedenstellende bzw. akzeptable Stufe.
Insgesamt berichteten 41,8 % der Testpersonen, dass ihnen die Beantwortung von Frage 6 „eher schwer“ (34,7 %) oder „sehr schwer“ (7,1 %) gefallen sei. Hierbei zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Frageversionen (X2(1, N = 194) = 5.85, p = .016). In Version 2 („akzeptabel“) gaben etwas mehr Personen an, dass ihnen die Beantwortung schwergefallen sei (43,5 % „eher/sehr schwierig“) als in Version 1 (40,0 % „eher/sehr schwierig“).
Befund Kognitive Interviews:
Alle Testpersonen beantworteten Frage 6. Im Mittel nannten die Befragten die Stufe 5 als unterste zufriedenstellende Stufe und die Stufe 9 als oberste zufriedenstellende Stufe (vgl. Tabelle 12).
Wie ermitteln die Testpersonen die unterste für sie zufriedenstellende Stufe?
Bei der Bestimmung der untersten zufriedenstellenden Stufe ließen sich insgesamt fünf unterschiedliche Vorgehensweisen identifizieren. Eine erste Gruppe von Befragten (n = 10) bezog das durchschnittliche Statusniveau in der Gesellschaft in ihre Überlegungen mit ein, das sie überwiegend auf dem Skalenwert 5 verortete. Diese Testpersonen erläuterten, dass das spätere Einkommen ihres Kindes mindestens dem gesellschaftlichen Durchschnitt entsprechen sollte oder leicht darüber liegen müsse, um ein auskömmliches Leben führen zu können (Skalenwerte 5 bis 7).
Eine zweite Gruppe von Testpersonen (n = 5) orientierte sich bei der Angabe der untersten zufriedenstellenden Stufe am eigenen aktuellen sozialen Status. Dieser sollte entweder mindestens beibehalten, nicht wesentlich unterschritten oder leicht übertroffen werden.
Eine dritte Gruppe von Befragten (n = 5) definierte die unterste zufriedenstellende Stufe über das Vorhandensein einer grundlegenden finanziellen Sicherheit. Diese sei dann gegeben, wenn das Kind beziehungsweise dessen Familie die wesentlichen Lebenshaltungskosten, wie Ausgaben für Wohnen und Lebensmittel, decken könne, jedoch nur über einen begrenzten finanziellen Spielraum für darüberhinausgehende Ausgaben, wie etwa Urlaube oder Reisen, verfüge.
Eine vierte Gruppe von Befragten (n = 3) formulierte Mindestanforderungen in Bezug auf Bildung, berufliche Tätigkeit oder Einkommen, die in ihre Einschätzung der untersten zufriedenstellenden Stufe einflossen.
Zuletzt schilderte eine Testperson (TP10), die als unterste zufriedenstellende Stufe den Skalenwert 1 auswählte, eine grundlegend andere Perspektive. In ihrer Antwort stand weniger die Zufriedenheit mit einem hypothetischen zukünftigen sozialen Status im Vordergrund als vielmehr die bedingungslose elterliche Zuneigung unabhängig von Bildung, Erwerbstätigkeit oder Einkommen des Kindes.
„Egal wie schlecht oder wie gut er ist, er ist eben mein Kind. Auch wenn er keinen Schulabschluss oder keine Arbeit hat. Er ist mein Kind und ich liebe ihn auch so.“ (TP10)
Weshalb wählen Testpersonen als oberste zufriedenstellende Stufe nicht den Skalenwert 10
Insgesamt wählten zehn Testpersonen als oberste zufriedenstellende Stufe nicht den Skalenwert 10. Ihre Begründungen ließen sich drei unterschiedlichen Argumentationsmustern zuordnen. Eine erste Gruppe von Befragten (n = 4) interpretierte die Frage dahingehend, dass sie darauf abziele zu erfassen, ab welcher Stufe man „wirklich“ oder „vollständig“ zufrieden wäre. Der Skalenwert 10 wurde von diesen Testpersonen nicht als notwendige Voraussetzung für Zufriedenheit verstanden, sondern vielmehr als darüberhinausgehende Idealvorstellung.
Eine zweite Gruppe von Testpersonen (n = 3) bezog in ihre Antworten Überlegungen dazu ein, welche soziale Stufe das Kind realistisch erreichen könne. Die höchsten Skalenwerte wurden dabei als eher unwahrscheinlich eingeschätzt und mit außergewöhnlichen Karriereverläufen oder besonders günstigen Ausgangsbedingungen assoziiert.
Eine dritte Gruppe von Testpersonen (n = 2) erläuterte, dass die höchsten Stufen auf der Skala nicht als erstrebenswert angesehen würden, da sie mit negativen Begleiterscheinungen wie sehr langen Arbeitszeiten, hohem Leistungsdruck oder möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbunden seien.