Fazit und Empfehlung Kognitive Interviews:
Die Ergebnisse zu Frage 5 zeigen, dass die Befragten die Erwartung hinsichtlich des zukünftigen Status ihres Kindes überwiegend im intendierten Sinne als realistische Einschätzung verstanden haben, die sich von der zuvor geäußerten Wunschvorstellung (Frage 4) unterscheidet. Die Antworten basierten primär auf wahrgenommenen individuellen Fähigkeiten und Motivationen des Kindes sowie auf den strukturellen Ausgangsbedingungen, insbesondere dem finanziellen und bildungsbezogenen Hintergrund der Eltern.
Die Unterschiede zwischen den Antworten auf Frage 4 und Frage 5 verdeutlichen, dass die Befragten zwischen Wunsch und Erwartung klar unterscheiden und bei Frage 5 verstärkt Unsicherheiten und Unwägbarkeiten des zukünftigen Lebensverlaufs berücksichtigen. In einem Fall wurde die Frage als nicht beantwortbar empfunden, was mit der großen zeitlichen Distanz und der damit verbundenen Unsicherheit begründet wurde.
Insgesamt deuten die Befunde jedoch darauf hin, dass die Abgrenzung zwischen Wunsch (Frage 4) und Erwartung (Frage 5) für die Mehrheit der Befragten nachvollziehbar und verständlich ist, sodass die Frage grundsätzlich geeignet erscheint und unverändert beibehalten werden kann.
Informationen zur Frage und Ziel der Testung (Kognitive Interviews):
Frage 5 erfasst die Erwartung der Befragten bezüglich des zukünftigen Status ihres Kindes im Alter von 35 Jahren. Ziel der kognitiven Interviews war es herauszufinden, wie die Testpersonen ihre Antworten begründen und was die Gründe dafür sind, wenn sich ihre Antworten auf die Fragen 4 (Wunsch) und 5 (Erwartung) unterscheiden.
Befund Kognitive Interviews:
Eine Testperson (TP04) ließ Frage 5 unbeantwortet, da sie es angesichts des jungen Alters ihres Kindes und der langen Zeitspanne bis zum 35. Lebensjahr nicht für möglich hielt, eine Aussage über dessen zukünftigen sozialen Status zu treffen.
„Das ist eine Frage, die ich bei einer Achtjährigen jetzt nicht beantworten kann. Man kann sagen, was man sich wünscht [Frage 4], diese Frage würde ich nicht auslassen. Aber das hier ist eine Frage, die ich bei einer Achtjährigen nicht beantworten kann, weil das ja von so vielem abhängt. Sie ist in der Grundschule gerade, dann kommt es darauf an, auf welche Schule sie kommt. Kommt sie auf ein Gymnasium oder nicht? Oder ist sie dann allein? Ist sie Single? Hat sie einen Partner? Hat sie Kinder bis dahin? Da kann ich nichts erwarten.“ (TP04)
Die übrigen Befragten ordneten sich mit einer Ausnahme (TP15) in der oberen Hälfte der Leiter (Skalenpunkte 6 bis 10, vgl. Tabelle 10) ein. Der Mittelwert der Antworten belief sich auf M = 7.6 (SD = 1.3), der Median auf Md = 8.
Wie begründen die Testpersonen ihre Antworten?
Die meisten Testpersonen begründeten ihre Antworten auf Frage 5 entweder damit, dass sich bereits zum aktuellen Zeitpunkt Anzeichen dafür zeigten, dass das Kind eine bestimmte soziale Stufe erreichen könne (z. B. aufgrund seiner Fähigkeiten oder Motivation), oder damit, dass es vom finanziellen oder Bildungshintergrund der Eltern profitieren werde. Teilweise wurden auch beide Begründungen kombiniert.
Was sind die Gründe dafür, dass sich die Antworten auf Frage 4 (Wunsch) und Frage 5 (Erwartung) unterscheiden?
Insgesamt beantworteten 14 Testpersonen Frage 4 und Frage 5 unterschiedlich. Der Großteil dieser Testpersonen (n = 11) wählte bei Frage 5 einen niedrigeren Skalenwert als bei Frage 4 und brachte damit zum Ausdruck, dass der erwartete soziale Status realistischer eingeschätzt werde als der zuvor geäußerte Wunsch. Während die Antworten auf Frage 4 überwiegend die Wunschvorstellungen der Testpersonen widerspiegelten, bezogen sie in ihren Antworten auf Frage 5 verstärkt mögliche Unwägbarkeiten und Unsicherheiten im weiteren Lebensverlauf der Kinder mit ein.
Die drei Testpersonen, die bei Frage 5 einen höheren Skalenwert wählten als bei Frage 4, begründeten dies damit, dass sie bei Frage 4 ihre statusbezogene Mindestzufriedenheit angegeben hätten. Auf Grundlage der wahrgenommenen Fähigkeiten des Kindes oder des finanziellen Hintergrunds der Eltern gingen sie jedoch davon aus, dass ihr Kind diese Stufe im weiteren Lebensverlauf übertreffen werde.