Fazit und Empfehlung Kognitive Interviews:
Die Ergebnisse zu Frage 2 zeigen, dass der subjektive soziale Status von den meisten Testpersonen primär über finanzielle Aspekte eingeschätzt wurde, während Bildung und berufliches Prestige überwiegend als damit verknüpft oder nachrangig verstanden wurden. Wie schon im ersten Web Probing-Pretest, flossen bei einigen Testpersonen auch Aspekte in die Bewertung ein, die nur indirekt mit dem intendierten Konstrukt verbunden sind, etwa allgemeine Lebenszufriedenheit, gesundheitliche Versorgung oder Vergleichsmaßstäbe im Zusammenhang mit Migration. Dies weist darauf hin, dass die Frage einen gewissen Interpretationsspielraum zulässt und von einzelnen Befragten weiter gefasst wird.
Wir empfehlen daher, den intendierten Bezugsrahmen der Frage stärker herauszustellen, etwa durch eine kurze Erläuterung oder beispielhafte Nennung zentraler Statusdimensionen (z. B. Einkommen, Bildung, berufliche Stellung). Dies könnte dazu beitragen, abweichende Interpretationen zu reduzieren und die Vergleichbarkeit der Antworten weiter zu erhöhen, ohne den subjektiven Charakter der Selbsteinschätzung grundlegend einzuschränken. Eine solche Frageformulierung findet sich zum Beispiel in der deutschen Version der MacArthur-Skala von Hoebel et al. (2015).
Informationen zur Frage und Ziel der Testung (Kognitive Interviews):
Im Rahmen der kognitiven Interviews sollte ermittelt werden, wie die Testpersonen beim Beantworten der Frage vorgehen und welche Aspekte (wie z. B. Einkommen, Bildung und berufliches Prestige) sie in ihrer Antwort berücksichtigen.
Befund Kognitive Interviews:
Alle Testpersonen beantworteten Frage 2, wobei sie am häufigsten den Skalenpunkt 6 auswählten (vgl. Tabelle 6). Die Mehrheit der Befragten (79,2 %) ordnete sich auf einer Stufe in der oberen Hälfte der Leiter (Skalenpunkte 6 bis 8) ein. Der Mittelwert der Antworten belief sich auf M = 6.4 (SD = 1.1), der Median auf Md = 6. Insgesamt ähnelt die Häufigkeitsverteilung der Antworten stark derjenigen des ersten Web Probing-Pretests. Nur die Werte am oberen und unteren Ende der Antwortskala wurden in den kognitiven Interviews nicht genutzt, was höchstwahrscheinlich auf die geringere Fallzahl im Vergleich zum Web Probing zurückzuführen ist.
Wie kommen die Testpersonen zu ihren Antworten?
Nach der Beantwortung von Frage 2 erhielten die Testpersonen eine Nachfrage dazu, wie sie beim Beantworten der Frage vorgegangen waren bzw. woran sie bei der Beantwortung der Frage gedacht haben und welche Aspekte für die Einordnung auf der Skala für sie dabei wichtig waren.
Die Antworten der Testpersonen lassen sich in vier inhaltliche Kategorien gruppieren. Mit Ausnahme einer Testperson (TP19) gaben alle Befragten an, bei der Beantwortung der Frage an Aspekte ihrer finanziellen Situation gedacht zu haben, etwa an die Höhe des Einkommens, das bestehende Vermögen, die berufliche Tätigkeit oder die Wohnsituation.
Knapp ein Drittel der Testpersonen (n = 7) bezog in seinen Antworten zusätzlich zur finanzielle Situation auch Bildungsaspekte wie den höchsten Schul- oder Hochschulabschluss mit ein
Drei Testpersonen gaben in ihren Antworten (auch) Aspekte an, die nur bedingt mit dem erfragten Konstrukt in Zusammenhang stehen. Hier wurde beispielsweise das Vorhandensein von sozialen Beziehungen, die allgemeine Lebenszufriedenheit und die Qualität des Gesundheitssystems in Deutschland genannt.
Eine Testperson (TP19) bezog sich in ihrer Antwort auf ihren Migrationshintergrund und stufte sich auf der Leiter im Verhältnis zu Migranten der ersten Generation und Deutschen ein.
„Als erstes habe ich mir gedacht, ich als Person mit Wurzeln aus einem anderen Land, kann jetzt nicht sagen, dass ich da ganz oben bin in der Gesellschaft hier in Deutschland. Ich sehe mich zwar als „deutsch plus“, aber ich bin ja nicht deutsch und muss mich beweisen und so. Ich bin so dazwischen, ich sage jetzt mal, als Gastarbeiter-Enkelkind bin ich integriert und da bin ich dazwischen. Ich bin jetzt nicht wie die Flüchtlinge, ich bin aber nicht wie die Deutschen, die hier geboren sind und die Wurzeln auch in Deutschland haben. Von daher sehe ich mich deswegen als Gastarbeiter-Enkelkind, sage ich mal, in der Mitte.“ (TP19, Antwort: 5)
Welche Aspekte haben das größte Gewicht in den Antworten der Testpersonen?
Etwas mehr als die Hälfte der Testpersonen (58,3 %) hatte beim Beantworten der Frage an genau einen Aspekt gedacht, knapp ein Drittel der Testpersonen (29,2 %) an zwei Aspekte und 12,5 % der Befragten an drei unterschiedliche Aspekte. Auf die Nachfrage, welcher der berücksichtigten Aspekte den größten Einfluss auf die Antwort gehabt hatte, nannten nahezu alle Testpersonen das Einkommen bzw. die finanzielle Situation. Drei Testpersonen gaben an, alle genannten Aspekte hätten das gleiche Gewicht gehabt.
Abschließend wurden alle Testpersonen, die in ihren Antworten die Aspekte Bildung und/oder berufliches Prestige nicht genannt hatten, gefragt, weshalb sie diese Dinge nicht in ihren Antworten berücksichtigt hatten. Die Befragten erläuterten, dass diese Aspekte entweder mit der finanziellen Situation bzw. dem Einkommen zusammenhingen (und somit indirekt berücksichtigt wurden) oder dass das Prestige der beruflichen Tätigkeit für sie keinen Einfluss auf den subjektiven sozialen Status habe.