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  1. Fragetext: In der Politik spricht man manchmal von “links” und “rechts”.
    Wo auf der Skala auf dieser Liste würden Sie sich selbst einstufen, wenn 0 für links steht und 10 für rechts?
  2. Antwortkategorien:

    00 Links

    01

    02

    03

    04

    05

    06

    07

    08

    09

    10 Rechts

    Keine Angabe

    Weiß nicht


    1. Empfehlungen: Da der Pretest lediglich explorativen Charakter hatte, wurden keine Empfehlungen gegeben.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: General Probing, Specific Probing, Emergent Probing.
  2. Befund zur Frage: Die Hälfte der zehn Testpersonen stufte sich auf der Links-Rechts-Skala in der exakten Mitte auf Wert fünf ein (TP 01, 05, 07, 11, 12). Eine Testperson (TP 03) wählte den Wert sechs, und jeweils zwei Testpersonen ordneten sich auf der linken Skalenhälfte auf den Werten zwei (TP 02, 09) und drei (TP 04, 08) ein. In diesem Zusammenhang ist jedoch auffällig, dass zwei der Testpersonen zuerst andere Skalenwerte ausgewählt hatten. Testperson 07 stufte sich zuerst auf Wert sechs ein und bevorzugte nach genauerer Überlegung den Wert fünf, da dieser Wert neutraler ist („Ich habe jetzt länger darüber nachgedacht und ich sehe mich eher in der Mitte von Links und Rechts, da ich weder links noch rechts bin.“). Auch Testperson 11 korrigierte den ursprünglich gewählten Skalenwert von zehn auf fünf, beziehungsweise würde einen Wert zwischen fünf und sechs bevorzugen. Ihre ursprüngliche Wahl für den Wert 10 begründet sie folgendermaßen: „Weil ich von links keine Ahnung habe. Gehört habe ich es, aber konkret, was die treiben… Ich weiß nur, dass die links keine große Sympathie haben. Die versuchen alles Mögliche, aber kommen trotzdem nicht durch. Ohne Erfolg.“ Dahingegen rechtfertigt sie ihren finalen Skalenwert (5,5) mit fehlendem politischen Interesse („Wenn jemand überhaupt kein Interesse hat, der platziert sich am besten in der Mitte.“).

    Einige Testpersonen äußerten sich auch spontan zu der Links-Rechts-Skala. Insbesondere Testperson 03 lehnt eine Abfrage der politischen Orientierung anhand der Links-Rechts-Skala ab und würde stattdessen das hayeksche Wertedreieck bevorzugen („Es gibt von Hayek die Verfassung der Freiheit. Da gibt es ein Dreiecks-Modell. Man sagt, wir haben Leute, die das Individuum in den Mittelpunkt stellen, Leute die die Gemeinschaft und die Gruppe in den Mittelpunkt stellen. Das ist ein wunderbares Modell. Da hat man drei Richtungen. Da hat man die national-konservativen, dann hat man die rechtsliberalen, links-liberalen, Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten. Das Ding ist wunderbar, um solche Szenarien darzustellen.“). Zudem äußerten einige Testpersonen aufgrund ihres fehlenden politischen Interesses Unbehagen mit diesem Item:
    • „Oh, Politik. Das sind immer die gefährlichen Fragen. Wie war die Frage nochmal? […] Politik ist absolut nicht meine Welt.“ (TP 01)
    • „Oh Gott, voll politische Fragen. [Lacht], fast unerträglich. [Stöhnt] Da kenne ich mich nicht aus.“ (TP 07)
    • „Bitte quälen Sie mich nicht mit Politik.“ (TP 11)
    Die Testpersonen wurden zudem aufgefordert, ihre Antwortwahl noch etwas näher zu erläutern. Die fünf Testpersonen, die den Antwortwert fünf gewählt hatten, gaben auf diese Nachfrage unterschiedliche Begründungen ab. Zwei der Testpersonen (TP 05, 12) entschieden sich für den Skalenmittelpunkt, da sie sowohl sozialliberal als auch konservativ eingestellt sind und diesen Punkt als eine Art „Mittelwert“ zwischen diesen Ausrichtungen sahen („Ich meine, ich bin einigermaßen sozial eingestellt. Es bewegt mich eben, dann die vier oder die drei zu nehmen. Auf der anderen Seite […] bin ich etwas konservativ. Das geht dann mehr Richtung 6 und 7.“). Dahingegen bevorzugte Testperson 01 den Skalenwert fünf, weil sie unparteiisch ist, Testperson 07, weil sie weder links noch rechts ist und Testperson 11, weil sie sich nicht für Politik interessiert.

    Auch die Testpersonen, die andere Werte als den Skalenmittelpunkt ankreuzten, erläuterten ihre Antwortwahl. Testperson 03 wählte den Antwortwert sechs, weil sie sich selbst im konservativen Bereich ansiedelt. Die zwei Testpersonen, die sich auf dem Wert zwei verorteten (TP 02, 09), begründeten dies einerseits mit ihrem eigenen politischen Hintergrund (TP 09: „Falkengruppe gegründet mit 14, im Bezirksrat mit 16 und Sondergenehmigung, sehr aktiv in der Partei zu der Zeit.“) und andererseits mit der von den einzelnen Parteien vertretenen Sozialpolitik (TP 02). Die zwei Testpersonen, die den Antwortwert drei wählten, nannten das eigene politische Denken (TP 04) sowie die Verortung bestimmter Parteien auf der Skala (TP 08: „Ja klar hat man dabei auch immer eine Partei eher vor Augen und weiß selbst die Parteien, die man eher wählen würde, auch wo die sich eher verorten“) als Erklärung.

    Einige Befragte erläuterten auch, wie sie die Skala bei der Wahl des Antwortwertes verwendet haben. Die meisten Testpersonen verwendeten hierbei die Skalenmitte als Ankerpunkt:
    • „Ich habe erstmal geguckt, von 0 bis 10, wo ist die Mitte. Die Mitte ist 5. Und dann hab ich mich ein bisschen links eingeordnet und hab dann geguckt, 2/3 ist das wo ich mich sehe und 3 ist perfekt.“ (TP 02)
    • „Das ist eine gute Frage. Im ersten Schritt habe ich überlegt, das ist eine ungerade Skala […]. 5 ist die Mitte aus dem Empfinden heraus, ich tendiere eher nach rechts und habe überlegt, was steht rechts außen. Dann hab ich die Skalenwerte von 6-10 Gruppierungen zugeordnet. Und die NPD ist 9, der Ku-Klux-Klan ist 10 […]. Da habe ich abgestuft, ich bin irgendwo bei 6.“ (TP 03)
    • „Ich bin davon ausgegangen, 5 ist die Sozialdemokratie, dann bin ich noch ein bisschen mehr links.“ (TP 04)
    • „Ich habe erstmal abgezählt, wie viele Kategorien ich habe. Um herauszufinden, ob wir eine Mitte haben oder nicht, aber das mache ich bei allen Skalen so. […] Ich habe erstmal geguckt, ob es einen Mittelpunkt gibt bei dieser Skala oder halt nicht, und dann habe ich mich da verortet.“ (TP 08)
    Dahingegen verorteten sich einige der Teilnehmer (TP 09, 11, 12) aufgrund der Skalenendpunkte auf der Skala. Testperson 12 erläutert hierzu: „Also rechts überhaupt nicht, das weiß ich ja, was das bedeutet. Links weiß ich auch, die sind mir zu ‚lenor-gespült‘. Also 4 oder 5.

    Die Befragten wurden ebenso danach gefragt, was es für sie bedeutet, wenn jemand sich links, in der Mitte bzw. rechts einordnet. Bei dieser Nachfrage nannten die Befragten eine Vielzahl an unterschiedlichen Bedeutungen für die verschiedenen politischen Richtungen. Für die Befragten bedeutet eine Einordnung auf der linken Seit der Skala, dass diese Person der sozialen Gerechtigkeit besondere Bedeutung zumisst (TP 02, 04, 09), dass sie ein Sozialist bzw. Kommunist ist (TP 02, 05) und für Arbeitnehmerrechte einsteht (TP 02). Befragte assoziierten mit dem linken Skalenendpunkt ebenso die Ideen der Gemeinschaft und Egalität (TP 03), sowie der Offenheit und Toleranz (TP 09) und des Umweltschutzes (TP 02, 08). Zudem schrieben die Befragten „links“ eine weltoffene und internationale Orientierung (TP 03, 08) zu, die sich auch in einer Globalisierungs- und EU-freundlichen Position widerspiegelt (TP 08). Testperson 12 sieht die „Linken“ als zu „lenor-gespült und wischi-waschi“ an, und Testperson 07 konnte hier aufgrund mangelnder Kenntnisse keine Antwort geben („Kann ich leider nicht beantworten. Ich kenn mich da nicht so gut aus. Weiß ich nicht. Unmöglich zu sagen.“).

    Dahingegen setzten die Befragten den rechten Skalenendpunkt einer konservativen (TP 02) und nationalen (TP 02, 09) Ausrichtung gleich, die sich Europäisierungs- und Globalisierungsbestrebungen verschließt (TP 08). Befragte dachten auch an Begriffe, wie Nationalstolz (TP 08), Nationalsozialismus (TP 09) und beschrieben „Rechts“ als „totalitär“ (TP 04), „rassistisch“ und „diskriminierend“ (TP 02, 04), sowie „radikal“ bzw. „rechtsradikal“ (TP 07, 12). Testperson 03 definierte rechts als „die Gemeinschaft meiner Gruppe, in der alle gleich sein sollen und besser als die anderen.“ Zwei Testpersonen (TP 02, 05) ordnen rechts eine extrem kapitalistische Einstellung zu.

    Obgleich die Befragten eine deutliche Vorstellung von der Bedeutung von „links“ und „rechts“ hatten, scheint dies für die „Mitte“ nicht der Fall zu sein. Zwar nennen zwei der Befragten konkrete Assoziationen wie Liberalismus, freie Marktwirtschaft (TP 02) und Sozialdemokratie (04), doch die restlichen Befragten beschreiben die Bedeutung der politischen Mitte in sehr vagen Begriffen wie „sich in der Mitte treffen“ (TP 01, 05, 08, 12), „ausgeglichen“ (TP 12), „neutral“ (TP 07), „unentschlossen“ und „Ist- Zustand“ (TP 08).

    Zusätzlich wurden die Testpersonen nach politischen Themen gefragt, die ihrer Meinung nach üblicherweise von der Linken, der Rechten und der Mitte vertreten werden. Ein typisches politisches Thema der Linken war für die Befragten soziale Gerechtigkeit im Allgemeinen (TP 04, 08, 09), und Lohngerechtigkeit, Vermögensgerechtigkeit (TP 03) und Steuergerechtigkeit (TP 09) im Speziellen. Drei Testpersonen dachten in diesem Kontext an eine liberale Asyl- und Flüchtlingspolitik (TP 01, 08, 12) und zwei Testpersonen an die Unterstützung sozial Schwacher durch die Bereitstellung von sozialem Wohnraum und Arbeitslosengeld/Hartz IV (TP 02, 12). Weitere den Linken zugeordnete politische Themen waren die Umwelt (TP 07) und die Familie (TP 09). Befragte nannten bei dieser Nachfrage auch Schlagwörter wie Verstaatlichung (TP 05), „das Gegenteil von Elite“ (TP 03) und „EU-Freundlichkeit“ (TP 08).

    Diametral entgegengesetzt hierzu schrieben die Testpersonen der Rechten eine restriktive Flüchtlingsund Integrationspolitik zu (TP 01, 02), sowie Ausländerfeindlichkeit (TP 04, 09, 12) und eine auf das Nationale fokussierte Politik, die sich in wirtschaftlichem Protektionismus und Widerstand gegen die EU und den EURO äußert (TP 08). Des Weiteren sahen einige Testpersonen die Themen der Rechten geprägt von einer Besserstellung der Mehrheitsbevölkerung (TP 07, 09, 12), elitärem Denken, Abgrenzung und einem „Denken in Strukturen und Ordnung“ (TP 03). Testperson 02 dachte ebenso an die „Geschichtliche Verarbeitung der deutschen Geschichte“ und eine konservative Familienpolitik. Testperson 05 verbindet mit der Rechten eine liberale Wirtschaftspolitik.

    Bezüglich der politischen Themen der Mitte dachten die Testpersonen an wirtschaftliche Themen (TP 02, 04), wie „minimale Steuern für alle“ und „minimales Eingreifen der Politik in die Marktwirtschaft“ (TP 02), und Soziales (TP 04). Testperson 05 nannte zudem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern (TP 05). Die restlichen Testpersonen verbinden keine klaren politischen Themen mit der Mitte und umschreiben entweder die politischen Themen der Mitte vage (TP 12: „was die Kanzlerin macht“) oder können keine Themen nennen. Testperson 03 unterstellt der Mitte, dass die „keine Aussage [haben]. Mitte gibt es nicht.“ und Testperson 01 sieht die Mitte als „unparteiisch“ an. Testperson 07 und 09 geben an, dass sie keine Ahnung haben, für welche politischen Themen die Mitte steht. Interessanterweise hat Testperson 07 auf der Skala den Wert fünf, also die politische Mitte, gewählt.

    Zuletzt wurden die Testpersonen nach politischen Parteien gefragt, die links, rechts oder in der Mitte angesiedelt sind. Den linken Skalenendpunkt assoziieren die meisten Testpersonen mit der Linken (TP 02, 03, 04, 05, 07, 08, 09) und vereinzelt mit der der DKP, der KPD (TP 04), den Grünen (TP 07), der SPD (TP 09) und der FDP (TP 12). Einige Testpersonen stuften die Grünen (TP 05, 11) und die Punkpartei (TP 04) als eher links ein. Für die Testpersonen sind die SPD (TP 01, 03, 04, 07, 11), die CDU/CSU (TP 01, 03, 08, 12), die FDP (TP 02, 04, 05, 09) und die Grünen (TP 01, 12) Parteien der Mitte. Auf dem rechten Skalenspektrum verorteten einige Befragte die CDU/CSU als eher rechts (TP 04, 05, 11) bzw. rechts (TP 09). Rechts wurden zudem die AfD (TP 01, 02, 04, 07, 08, 09), die NPD (TP 03, 04, 05, 09, 12) und die Republikaner (TP 12) eingestuft. Testperson 04 nannte in diesem Kontext ebenso Pegida und die Reichsdeutschen.

    Parteieneinordnung auf Links-Rechts-Skala (Anzahl Testpersonen)
    • Links: Die Linke (8), DKP (1), KPD (1), Die Grünen (1), SPD (1), FDP (1)
    • Eher links: Die Grünen (2), Punkpartei (1)
    • Mitte: SPD (5), CDU/CSU (4), FDP (4), Die Grünen (2)
    • Eher rechts: CDU (3)
    • Rechts: AfD (6), NPD (5), CSU (1), Republikaner (1)
  1. Thema der Frage: Politische Einstellung und Verhalten
  2. Konstrukt: Einordnung auf politischer Rechts-Links-Skala