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Projektname: Eingabenkultur und Diktaturerfahrungen in der DDR

  1. Einleitungstext: Wenn man über die DDR spricht und liest, finden sich häufig Hinweise darauf, dass die Menschen sich untereinander stärker kontrollierten. Auch die Staatssicherheit kontrollierte und überwachte das Verhalten der DDR-Bürger. Wie war das konkret bei Ihnen?
  2. Fragetext: Hatten Sie das Gefühl, dass Sie während der Zeit in der DDR in Ihrem Alltag von anderen Personen beobachtet/überwacht/observiert/ausspioniert wurden?
  3. Antwortkategorien:

    Ja

    Nein


    1. Empfehlungen: Frage: Wir empfehlen, die Frage wie folgt umzuformulieren, um auch diejenigen Befragten einzubeziehen, die wussten, dass Sie überwacht bzw. überprüft wurden:

      Wussten Sie oder hatten Sie das Gefühl, dass Sie während der Zeit in der DDR in Ihrem Alltag von anderen Personen beobachtet/überwacht /observiert/ausspioniert wurden?

      Antwortoptionen: Unterscheiden nach Grad der Sicherheit:

      Ja, ich wusste es → weiter mit Frage 29

      Ja, ich hatte das Gefühl → weiter mit Frage 29

      Nein → weiter mit Frage 31
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Emergent Probing.
  2. Befund zur Frage: Vier der Testpersonen geben an, das Gefühl gehabt zu haben, beobachtet zu werden, während fünf Testpersonen dies verneinen. Eine Testperson kann sich nicht entscheiden und lässt die Frage offen (TP 08).

    Auffällig ist, dass von den fünf Testpersonen zwei näher erläutern, dass das bei ihnen kein „Gefühl“ war, sondern sie wussten, dass sie ausspioniert wurden:
    • „Ich hatte nicht das Gefühl. Ich wusste, dass ich beobachtet wurde. Das hatte was mit meiner Arbeit zu tun. Das ist vielleicht nicht ganz glücklich formuliert.“ (TP 02, „nein“)
    • „Nein, das Gefühl hatte ich nicht, ich wusste es. Dieser Gedanke, dass ich einfach weiß, dass das gemacht wurde, das war mir klar. Ich wurde nicht in dem Sinne beobachtet, eher ‚überprüft‘. Kommt da vielleicht noch so eine Frage, einfach ‚überprüft‘? Wenn man irgendwo beruflich eingestiegen ist, wurde schon geguckt. Bestehen westliche Kontakte, kann sie eingestellt werden,…“ (TP 03, „nein“)
    Eine weitere Testperson, die sich für „ja“ entscheidet, äußert, dass ihr die Auswahl einer Antwortkategorie schwer fällt: „Das war so ein Mittelding. Ich habe mich jetzt nicht ständig überwacht gefühlt, aber man wusste es schon. Es würde mir ganz schwer fallen mich für ja oder nein zu entscheiden.“ (TP 06, „ja“).

    Testperson 08, die diese Frage nicht beantwortet, begründet dies folgendermaßen: „Das muss man differenzieren, das kann man nicht so einfach beantworten. Wenn jemand in den Westen gefahren ist, so wie ich oder meine Frau, dann hatte man schon den Eindruck, dass man überwacht wurde. Da kamen Leute und haben sich beim Nachbarn erkundigt, über die persönlichen Verhältnisse und sowas. Im Zusammenhang mit so einer Reise also ja. Ansonsten hatte ich nie den Eindruck, dass ich überwacht werde.“ (TP 08, keine Antwort).

    Mehrere Testpersonen kritisieren die Formulierung und spezifisch den Begriff „Gefühl“ und die Formulierung „beobachtet/überwacht/observiert/ausspioniert“. Die Testpersonen sprechen davon „gewusst“ zu haben, dass sie „überprüft“ werden.
  1. Thema der Frage: Politische Einstellung und Verhalten
  2. Konstrukt: Überwachung der eignen Person in der DDR