Datenbank

Projektname: Eingabenkultur und Diktaturerfahrungen in der DDR

  1. Fragetext: Wie sieht es mit Flucht, sogenannten illegalen Grenzübertritten, ins westliche Ausland aus? Haben Sie eine Flucht in den Westen…
  2. Instruktionen: Mehrfachnennungen möglich.
  3. Antwortkategorien:

    Nie in Erwägung gezogen

    Schon mal mit dem Gedanken gespielt, und zwar im Jahr/in den Jahren

    Konkret geplant, jedoch nicht durchgeführt, und zwar/in den Jahren

    Durchgeführt, jedoch gescheitert, und zwar im Jahr/in den Jahren

    Erfolgreich durchgeführt, und zwar im Jahr/den Jahren


    1. Empfehlungen: Frage: Belassen.

      Antwortoptionen: Belassen.
  1. Eingesetzte kognitive Technik/en: Specific Probing, Confidence Rating.
  2. Befund zur Frage: Alle außer einer Testperson geben an, eine Flucht aus der DDR „nie in Erwägung gezogen“ zu haben, nicht einmal Testperson 10, die unzufrieden mit den Umständen in der DDR war: „Ich hatte keine Verwandtschaft ansonsten. Es stand für mich nie zur Debatte. Nicht, dass es mir so gut gefallen hat, aber ich bin hier geboren, aufgewachsen, zur Schule gegangen. Dort hätte ich ganz neu anfangen müssen.“ (TP 10).

    Die Gründe dafür sind vielfältig. Am häufigsten werden die familiäre Bindung und das Heimatgefühl genannt:
    • „Die Familie hat einen hier gehalten.“ (TP 06)
    • „Ich hatte meine Wurzeln hier, bin nie weit weg, Familie, Kinder. Ich selbst wäre nie hier weggezogen.“ (TP 07)
    • „Das war nie Thema, weil ich mit 25 Jahren geschieden war und zwei kleine Kinder hatte und einfach Angst hatte.“ (TP 03)
    Des Weiteren galt eine Flucht als riskant: „Wäre zu riskant gewesen, vor allem wegen der Familie nie in Erwägung gezogen.“ (TP 04).

    Eine Testperson sagt, dass sie keinen Anlass sah zu fliehen, eine andere, dass sie sich in der DDR sicher fühlte, und eine dritte, dass sie das System nicht für schlecht an sich befand, nur die Ausgestaltung:
    • „Ich hatte keinen Grund in den Westen zu ziehen.“ (TP 01)
    • „Ich habe mich in der DDR sicher gefühlt; sicherer als in den Ländern in denen es Arbeitslosigkeit, Drogen etc. gab.“ (TP 02)
    • „Ich hab gesagt, dass das System ok ist, dass es nur schlecht gestaltet ist.“ (TP 08)
    Testperson 09, die als einzige angibt, schon mal mit dem Gedanken der Flucht gespielt zu haben, antwortet: „Schwer auf ein bestimmtes Jahr zu beziehen, Anfang der 80er Jahre (1980, 1981), der Gedanke hat sich dann durch die Familiengründung verschlagen. Mit Anfang 20 war der Gedanke schon mal da, aber dann habe ich meine Frau kennengelernt. Wir hatten ja mehr oder weniger unser Auskommen, nur die Reisefreiheit wäre interessant gewesen; das war eher Neugier getrieben, weil man sich nichts angucken konnte.“.

    Alle Testpersonen bewerten die Beantwortung der Frage als sehr leicht.
  1. Thema der Frage: Politische Einstellung und Verhalten
  2. Konstrukt: Flucht ins westliche Ausland